1
00:00:00,000 --> 00:00:05,106
<b></b>

2
00:00:05,106 --> 00:00:13,225
<b> Die Herrschaft über die Kinderstube ist das
größte politische Anliegen, um über Menschen, die

3
00:00:13,225 --> 00:00:17,316
dann erwachsen werden, herrschen zu können.</b>

4
00:00:17,316 --> 00:00:21,236
<b> </b>

5
00:00:21,236 --> 00:00:25,600
<b> Wie muss ich meine Botschaft
gestalten, damit die Menschen mitmachen?</b>

6
00:00:25,600 --> 00:00:29,239
<b>Meine erste Antwort ist immer, vergesst das.</b>

7
00:00:29,239 --> 00:00:30,719
<b>Ihr kriegt die Menschen nicht über die Botschaften.</b>

8
00:00:30,719 --> 00:00:33,079
<b>Die müssen durch eine eigene Erfahrung gehen.</b>

9
00:00:33,079 --> 00:00:35,325
<b>Die müssen selber Schmerz erleben.</b>

10
00:00:35,325 --> 00:00:38,199
<b> </b>

11
00:00:38,199 --> 00:00:45,566
<b> Spaltung ist ein Prinzip, damit Protestbewegungen genau
das nicht erreichen, nämlich sich um eine Person zu bündeln und

12
00:00:45,566 --> 00:00:49,372
den Protest mehrheitsfähig und regierungsfähig zu machen.</b>

13
00:00:49,372 --> 00:00:52,063
<b> </b>

14
00:00:52,063 --> 00:01:00,728
<b> Je mehr Leute den Blick gerichtet haben auf die
wesentlichen Konflikte, desto weniger wird in diesen

15
00:01:00,728 --> 00:01:05,087
Kleinkriegen an Energie verbraten und Leid angerichtet.</b>

16
00:01:05,087 --> 00:01:08,203
<b> </b>

17
00:01:08,203 --> 00:01:14,254
<b> Das kann eigentlich relativ schnell und
sogar bruchlos gehen, indem sich hier und da

18
00:01:14,254 --> 00:01:18,640
eben einige Menschen zusammenschließen.</b>

19
00:01:18,640 --> 00:01:33,185
<b> </b>

20
00:01:33,185 --> 00:01:46,340
<b> </b>

21
00:01:48,519 --> 00:01:52,079
<b> Veränderung beginnt mit einer einfachen Frage.</b>

22
00:01:52,079 --> 00:01:54,640
<b>Was können wir tun?</b>

23
00:01:54,640 --> 00:02:03,000
<b>Genau diese Frage stand im Zentrum des Freiheitsbarometers
2025, das ich gemeinsam mit dem A-WEF durchgeführt habe.</b>

24
00:02:03,000 --> 00:02:09,439
<b> Eine Online-Befragung, an der mehr als
unglaubliche 22.000 Menschen teilgenommen haben.</b>

25
00:02:09,439 --> 00:02:13,080
<b>22.000 Menschen, die eine klare Antwort gegeben haben.</b>

26
00:02:13,080 --> 00:02:14,639
<b>Sie haben genug.</b>

27
00:02:14,639 --> 00:02:21,800
<b>Genug von politischer Bevormundung, genug von medialer
Manipulation, genug von einer ausgehöhlten Demokratie.</b>

28
00:02:21,800 --> 00:02:26,080
<b>Der Wille, dagegen aufzustehen, ist
groß, aber ebenso groß sind die Blockaden.</b>

29
00:02:26,080 --> 00:02:28,080
<b> Wir wollen es wirklich wissen.</b>

30
00:02:28,080 --> 00:02:34,360
<b>Was lähmt den friedlichen Protest und was
braucht es, damit aus Frust endlich Bewegung wird?</b>

31
00:02:34,360 --> 00:02:38,520
<b> Also habe ich mich weiter auf die Suche
gemacht und ich habe Antworten gefunden.</b>

32
00:02:38,520 --> 00:02:42,400
<b>Liebe Zuseher, Sie hören nun geballte Fachkompetenz.</b>

33
00:02:42,400 --> 00:02:48,120
<b>Die Essenz von mehr als 10 Stunden
Gesprächsmaterial mit sieben renommierten Akademikern.</b>

34
00:02:48,120 --> 00:02:53,599
<b>Vom Historiker über den Psychoanalytiker
bis hin zum Kommunikationswissenschaftler.</b>

35
00:02:53,599 --> 00:02:59,520
<b> Hochkarätige Experten in ihrem Fach, die unsere zentralen
Fragen aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchten:</b>

36
00:02:59,520 --> 00:03:05,800
<b> Sieben mutige Menschen, die unbequeme Fragen
stellen und genauso unbequeme Antworten geben.</b>

37
00:03:05,800 --> 00:03:09,719
<b>Die hinterfragen und die selbst für Veränderung einstehen.</b>

38
00:03:09,719 --> 00:03:11,639
<b>Sie erheben ihre Stimme.</b>

39
00:03:11,639 --> 00:03:17,349
<b>Und gemeinsam haben wir in tiefgehenden
Gesprächen erarbeitet, wie es gelingen kann, all

40
00:03:17,349 --> 00:03:20,479
unsere Kräfte für eine bessere Zukunft zu bündeln.</b>

41
00:03:20,479 --> 00:03:27,822
<b>Wie wir gemeinsam stark sein können gegen Spaltung,
Korruption, Lügen und Propaganda, gegen Tyrannei und Krieg. Und

42
00:03:27,822 --> 00:03:32,520
für Frieden, Freiheit, Menschlichkeit und Aufrichtigkeit.</b>

43
00:03:32,520 --> 00:03:37,520
<b> Auch wenn wir nicht überall der gleichen Meinung
sind, gibt es gemeinsame Ziele, die uns verbinden.</b>

44
00:03:37,520 --> 00:03:41,120
<b> Und genau so wird es auch Ihnen gehen, liebe Zuseher.</b>

45
00:03:41,120 --> 00:03:46,639
<b>Denn auch Sie haben eingeschaltet, um zu
erfahren, wie aus Unzufriedenheit Wandel werden kann.</b>

46
00:03:46,639 --> 00:03:52,400
<b>Welche Hürden es gibt, welche Chancen
und was Sie selbst dazu beitragen können.</b>

47
00:03:52,400 --> 00:03:58,613
<b> Und ich kann Ihnen sagen: Wenn Sie sich diese
Fragen stellen, dann ist bereits ein erster großer Schritt

48
00:03:58,613 --> 00:04:01,919
getan. Denn Veränderung beginnt bei einem selbst.</b>

49
00:04:01,919 --> 00:04:05,639
<b>Der Einzelne ist weit mächtiger,
als er oft selbst von sich denkt. </b>

50
00:04:05,639 --> 00:04:13,827
<b> Die Herrschaft über die Kinderstube ist das
größte politische Anliegen, um über Menschen, die

51
00:04:13,827 --> 00:04:18,680
dann erwachsen werden, herrschen zu können.</b>

52
00:04:18,680 --> 00:04:22,600
<b>Die meisten Menschen werden von sich selbst entfremdet.</b>

53
00:04:22,600 --> 00:04:31,404
<b>Durch eben Erziehung, durch Beziehungsfehler, dass sie
nicht so werden können, wie sie angelegt sind, wie sie

54
00:04:31,404 --> 00:04:36,399
sich entwickeln möchten, sondern wie sie werden müssen.</b>

55
00:04:36,399 --> 00:04:44,120
<b>Schließlich aber gelingt es den meisten
Kindern, sich den Erwartungen anzupassen.</b>

56
00:04:44,120 --> 00:04:48,839
<b> Anpassung als Überlebensstrategie, so
beschreibt es Dr. Hans-Joachim Maaz.</b>

57
00:04:48,839 --> 00:04:51,680
<b>Etwas, das viele Menschen sehr früh lernen.</b>

58
00:04:51,680 --> 00:04:53,920
<b>Wer Erwartungen erfüllt, bekommt Anerkennung.</b>

59
00:04:53,920 --> 00:04:55,879
<b>Wer sich anpasst, fällt nicht auf.</b>

60
00:04:55,879 --> 00:04:58,560
<b>Und oft wird man dafür sogar belohnt.</b>

61
00:04:58,560 --> 00:05:01,199
<b>Dieses Muster kann lange funktionieren.</b>

62
00:05:01,199 --> 00:05:03,680
<b>Manche kommen damit gut durchs Leben.</b>

63
00:05:03,680 --> 00:05:07,319
<b>Problematisch wird es dann, wenn sich etwas verändert.</b>

64
00:05:07,319 --> 00:05:10,879
<b>Wenn die Welt unsicherer wird,
wenn alte Regeln nicht mehr greifen.</b>

65
00:05:10,879 --> 00:05:14,639
<b>Wenn gesellschaftliche Umbrüche
das eigene Weltbild erschüttern.</b>

66
00:05:14,639 --> 00:05:19,439
<b>Wenn sich das alte
Anpassungsverhalten nicht mehr richtig anfühlt.</b>

67
00:05:19,439 --> 00:05:21,800
<b>Dann, dann kann es zur Krise kommen.</b>

68
00:05:21,800 --> 00:05:24,800
<b>An diesem Punkt müsste eigentlich etwas passieren.</b>

69
00:05:24,800 --> 00:05:30,079
<b>Man müsste nach innen schauen, sich ehrlich
mit der eigenen Geschichte auseinandersetzen.</b>

70
00:05:30,079 --> 00:05:33,759
<b>Doch genau das vermeiden viele, weil es weh tut.</b>

71
00:05:33,759 --> 00:05:38,800
<b>Weil es alles in Frage stellt,
worauf das eigene Leben aufgebaut wurde.</b>

72
00:05:38,800 --> 00:05:42,519
<b> Statt etwas zu verändern, bleiben
viele angepasst - auch als Erwachsene.</b>

73
00:05:42,519 --> 00:05:46,759
<b>Selbst dann, wenn sie längst
spüren, dass sie unzufrieden sind.</b>

74
00:05:46,759 --> 00:05:53,363
<b>Aus seiner therapeutischen Arbeit berichtet Dr.
Maaz, dass manche Menschen sogar krank werden, weil sie

75
00:05:53,363 --> 00:05:56,800
sich über Jahre verbogen und selbst belogen haben.</b>

76
00:05:56,800 --> 00:05:59,279
<b> Und jetzt kommt etwas, das viele vielleicht kennen.</b>

77
00:05:59,279 --> 00:06:05,160
<b>Wenn Menschen beginnen, dieses Muster zu
lösen, geht es ihnen innerlich oft besser.</b>

78
00:06:05,160 --> 00:06:07,360
<b>Aber im Außen wird es schwieriger.</b>

79
00:06:07,360 --> 00:06:08,560
<b>Beziehungen verändern sich.</b>

80
00:06:08,560 --> 00:06:10,319
<b>Es entstehen Spannungen.</b>

81
00:06:10,319 --> 00:06:15,759
<b>Das ist allgemein sehr oft der Preis, den
man zahlt, wenn man beginnt, klar zu sehen.</b>

82
00:06:15,759 --> 00:06:21,879
<b>Etwas, das viele, der heute aufgewachten,
kritischen Menschen am eigenen Leib erfahren mussten.</b>

83
00:06:21,879 --> 00:06:26,160
<b> Und dieser Konflikt, der betrifft
nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder.</b>

84
00:06:26,160 --> 00:06:32,141
<b>Denn was passiert, wenn Eltern versuchen, ihren
Kindern ehrlich zu begegnen, wenn sie sie ermutigen, sie

85
00:06:32,141 --> 00:06:36,519
selbst zu sein und die Dinge kritisch zu hinterfragen?</b>

86
00:06:36,519 --> 00:06:41,240
<b>Dann geraten diese Kinder oft in
einen Konflikt, sagt Hans-Joachim Maaz.</b>

87
00:06:41,240 --> 00:06:48,160
<b>Einen Konflikt zwischen dem, was sie zu Hause erleben
und dem, was Schule und Gesellschaft von ihnen erwartet.</b>

88
00:06:48,160 --> 00:06:55,117
<b> Wir haben im Grunde genommen als Eltern nur die Chance,
unsere Kinder so zu erziehen, dass sie in eine

89
00:06:55,117 --> 00:07:02,959
gestörte, in eine normopathische Gesellschaft passen oder
wir behandeln sie menschlicher, ehrlicher, offener.</b>

90
00:07:02,959 --> 00:07:07,681
<b>Dann haben die Kinder ein großes
Problem, in einer normopathischen

91
00:07:07,681 --> 00:07:12,000
Gesellschaft auch entsprechend Erfolg zu haben.</b>

92
00:07:12,000 --> 00:07:14,639
<b> Das ist ein harter Befund.</b>

93
00:07:14,639 --> 00:07:16,959
<b>Eltern stehen vor einem Dilemma.</b>

94
00:07:16,959 --> 00:07:22,720
<b>Passen sie ihre Kinder an, haben sie
bessere Chancen, mit dem System mitzuhalten.</b>

95
00:07:22,720 --> 00:07:27,959
<b>Erziehen sie ihre Kinder offen, ehrlich
und kritisch, wird es für sie oft schwerer.</b>

96
00:07:27,959 --> 00:07:31,600
<b>Schwerer in einer Schule, schwerer in der Gesellschaft.</b>

97
00:07:31,600 --> 00:07:35,639
<b>Ein tragischer Widerspruch und
einer, den es zu diskutieren gilt.</b>

98
00:07:35,639 --> 00:07:43,560
<b>Vor allem, wie Eltern wirklich mit diesem Zwiespalt umgehen
sollten, um letztlich eine freie Gesellschaft zu erreichen.</b>

99
00:07:43,560 --> 00:07:44,879
<b>Ob die Lösung wirklich</b>

100
00:07:44,879 --> 00:07:49,842
<b>darin liegt, die Kinder zu Unehrlichkeit
und Schauspielerei zu erziehen, wage ich

101
00:07:49,842 --> 00:07:52,759
für meinen Teil jedenfalls zu bezweifeln.</b>

102
00:07:52,759 --> 00:07:59,970
<b> Wir sehen also, die Wurzel des Übels, der Angepasstheit,
der Untertänigkeit und der Unfähigkeit, für sein Recht

103
00:07:59,970 --> 00:08:04,439
einzustehen, liegt oft bereits in der Kindheit und Jugend.</b>

104
00:08:04,439 --> 00:08:10,160
<b>Wer nie gelernt hat, für sich einzustehen,
tut sich auch als Erwachsener schwer damit.</b>

105
00:08:10,160 --> 00:08:15,011
<b>Das alles aufzulösen ist entscheidend,
wenn wir eine aufgeklärte, mündige und

106
00:08:15,011 --> 00:08:18,240
eigenverantwortliche Gesellschaft wollen.</b>

107
00:08:18,240 --> 00:08:21,839
<b>Es ist aber nichts, das von heute auf morgen möglich ist.</b>

108
00:08:21,839 --> 00:08:28,279
<b>Was aber hingegen sofort verändert werden kann, ist
unser eigenes Verhalten gegenüber unseren Mitmenschen.</b>

109
00:08:28,279 --> 00:08:29,600
<b>Jetzt gleich.</b>

110
00:08:29,600 --> 00:08:33,499
<b>Und damit kommen wir zu einem weiteren großen Thema.</b>

111
00:08:33,499 --> 00:08:41,903
<b> </b>

112
00:08:41,903 --> 00:08:49,573
<b> All jene, denen es gelungen ist, aus der Angepasstheit
auszubrechen und selbstständig, eigenverantwortlich und mutig

113
00:08:49,573 --> 00:08:54,039
durchs Leben zu gehen, tragen ein großes Geschenk in sich.</b>

114
00:08:54,039 --> 00:09:00,840
<b>Klarheit, Mut, Eigenverantwortung, die Fähigkeit
zu hinterfragen und für sich selbst einzustehen.</b>

115
00:09:00,840 --> 00:09:05,338
<b>Mit diesem Geschenk können sie auch
anderen helfen, jenen, die noch nicht aus ihrer

116
00:09:05,338 --> 00:09:08,159
Haut können, es vielleicht aber wollen.</b>

117
00:09:08,159 --> 00:09:13,039
<b>Doch dafür braucht es Gemeinschaft,
Austausch, Unterstützung, Netzwerke.</b>

118
00:09:13,039 --> 00:09:21,720
<b>Denn wie es so treffend heißt, nur gemeinsam sind wir stark.
Und ja, genau so ist es. Allein bleibt man oft stehen.</b>

119
00:09:21,720 --> 00:09:26,679
<b> Das Freiheitsbarometer 2025 zeigt,
dass sich viele Menschen allein fühlen.</b>

120
00:09:26,679 --> 00:09:31,279
<b>Sie würden sich gerne stärker engagieren, doch
es fehlt ihnen an Gemeinschaft und Zusammenhalt.</b>

121
00:09:31,279 --> 00:09:35,519
<b>Und die Umfrage zeigt auch
deutlich, dass viele Folgendes erkennen.</b>

122
00:09:35,519 --> 00:09:42,720
<b>Die Spaltung, bewusst von Medien und Politik vorangetrieben,
verhindert eine gemeinsame Schlagkraft für gemeinsame Ziele.</b>

123
00:09:42,720 --> 00:09:49,279
<b> Auch für die Politikwissenschaftlerin und
Demokratieforscherin Professor Ulrike Guérot ist klar.</b>

124
00:09:49,279 --> 00:09:56,700
<b> Spaltung ist ein Prinzip, damit Protestbewegungen genau
das nicht erreichen, nämlich sich um eine Person zu bündeln und

125
00:09:56,700 --> 00:10:01,039
den Protest mehrheitsfähig und regierungsfähig zu machen.</b>

126
00:10:01,039 --> 00:10:02,960
<b> Spaltung ist kein Zufall.</b>

127
00:10:02,960 --> 00:10:07,320
<b>Sie ist ein altes Herrschaftsprinzip: teile und herrsche.</b>

128
00:10:07,320 --> 00:10:10,799
<b>Etwas, das seit mehreren Jahrtausenden angewandt wird.</b>

129
00:10:10,799 --> 00:10:15,519
<b>Heute heißt es links gegen rechts,
geimpft gegen ungeimpft, Frau gegen Mann.</b>

130
00:10:15,519 --> 00:10:19,600
<b>Überall wird sie angesetzt, die
Spaltung, das Gegeneinander.</b>

131
00:10:19,600 --> 00:10:24,640
<b>Die führende Politik und ihre Medien säen
Zwietracht, hetzen gegeneinander auf, arbeiten mit

132
00:10:24,640 --> 00:10:27,759
Kontaktschuld, teilen in Gute und Schlechte.</b>

133
00:10:27,759 --> 00:10:33,546
<b>Höchstwahrscheinlich genau deshalb, damit sich das
Volk nicht vereint, gemeinsam stark sein kann für höhere

134
00:10:33,546 --> 00:10:36,519
Ziele, die die vielen eigentlich verbinden würden.</b>

135
00:10:36,519 --> 00:10:41,159
<b>Frieden, Freiheit, eine gerechte
Welt, ein gutes Leben für alle.</b>

136
00:10:41,159 --> 00:10:47,399
<b> Um daran gemeinsam zu arbeiten, bräuchte
es einen Dialog, der aber verhindert wird.</b>

137
00:10:47,399 --> 00:10:55,080
<b>Stattdessen werden wir in kleine Grabenkämpfe verwickelt, sagt
der Kommunikationsexperte und Psychologe Dr. Roman Braun.</b>

138
00:10:55,080 --> 00:10:59,360
<b>Ihm nach sollen dort, in diesen
Grabenkämpfen, all unsere Kräfte verpuffen.</b>

139
00:10:59,360 --> 00:11:05,799
<b>Wir sollen abgelenkt werden, während die wahren Machenschaften,
die uns wirklich schaden, im Hintergrund passieren.</b>

140
00:11:05,799 --> 00:11:10,165
<b> Wenn Menschen erkennen, dass der Gegner
nicht der andere Bürger ist, sondern die

141
00:11:10,165 --> 00:11:13,360
Mechanismen dahinter, dann verändert sich etwas.</b>

142
00:11:13,360 --> 00:11:16,440
<b>Dann wird wieder Raum frei für echtes Handeln.</b>

143
00:11:16,440 --> 00:11:18,200
<b>Spaltung schwächt.</b>

144
00:11:18,200 --> 00:11:21,919
<b>Das zeigt sich nicht nur heute,
sondern auch in der Geschichte.</b>

145
00:11:21,919 --> 00:11:28,159
<b> Der Historiker und Philosoph Professor David Engels weist
darauf hin, dass Widerstand immer Gemeinschaft braucht.</b>

146
00:11:28,159 --> 00:11:31,519
<b>Ohne ein gemeinsames Wir bleibt Protest wirkungslos.</b>

147
00:11:31,519 --> 00:11:38,480
<b>Er spricht von Bürgerrevolutionen aus vergangenen Zeiten,
die es heute in der Form kaum mehr geben wird, weil …</b>

148
00:11:38,480 --> 00:11:44,753
<b> Solche Elemente des Widerstands, der Revolution, bedürfen
natürlich auch einer entsprechend

149
00:11:44,753 --> 00:11:51,279
solidarischen Bürgergemeinschaft oder Volksmasse,
oder wie auch immer Sie das nennen sollen.</b>

150
00:11:51,279 --> 00:11:58,357
<b> Das andere Problem ist aber auch, dass eben dieses Volk
meistens in Europa sich ja in sich selbst nicht mehr

151
00:11:58,357 --> 00:12:04,930
wiedererkennt, weil es eben durch Identitätspolitik
und Migration auch dermaßen aufgesplittert ist, dass

152
00:12:04,930 --> 00:12:08,679
auch keine natürliche Solidarität mehr besteht.</b>

153
00:12:08,679 --> 00:12:14,600
<b> Wenn Menschen sich nicht mehr verbunden fühlen,
wird es schwer, gemeinsam für etwas einzustehen.</b>

154
00:12:14,600 --> 00:12:18,600
<b>Wenn jeder nur noch für sich
kämpft, fehlt die Kraft für Veränderung.</b>

155
00:12:18,600 --> 00:12:22,085
<b>Und genau das erleben wir heute oft.</b>

156
00:12:22,085 --> 00:12:29,883
<b> </b>

157
00:12:29,883 --> 00:12:37,679
<b> Werte sind das, was Gesellschaften
zusammenhält, was sie gemeinsam stark macht und verbindet.</b>

158
00:12:37,679 --> 00:12:46,120
<b>Werte sind auch das, was Menschen trägt, was ihnen Orientierung
gibt und was sie bereit macht, auch etwas zu riskieren.</b>

159
00:12:46,120 --> 00:12:52,384
<b>Professor Engels sagt klar: Ohne höhere Werte, die über das
eigene Leben und das persönliche Glück

160
00:12:52,384 --> 00:12:58,960
hinausweisen, wird kaum jemand für Ziele wie
Frieden, Freiheit oder Gerechtigkeit eintreten.</b>

161
00:12:58,960 --> 00:13:03,360
<b>Zumindest, solange er nicht
unmittelbar selbst betroffen ist.</b>

162
00:13:03,360 --> 00:13:08,960
<b>Darin sieht er derzeit ein zentrales Problem, wenn
es um den Protest gegen aktuelles Unrecht geht.</b>

163
00:13:08,960 --> 00:13:14,662
<b>Viele Menschen lebten noch zu komfortabel, um
ihre Komfortzone zu verlassen, und zwar dann, wenn

164
00:13:14,662 --> 00:13:17,960
das eigene Wohlbefinden als höchstes Gut gilt.</b>

165
00:13:17,960 --> 00:13:22,440
<b>Gerade dann fehle die Bereitschaft, es
für übergeordnete Ziele zu riskieren.</b>

166
00:13:22,440 --> 00:13:29,000
<b>Für den Christen Professor Engels liegt die
Ursache dieses Mangels vor allem im fehlenden Glauben.</b>

167
00:13:29,000 --> 00:13:35,046
<b> Das Problem ist, dass in einer Gesellschaft, in der keine
wirklich absolute Wahrheit mehr gilt und in der das eigene Leben

168
00:13:35,046 --> 00:13:41,235
eigentlich sehr materialistisch gesehen wird, in der nicht mehr
an eine Wahrheit, nicht mehr an Gott, nicht mehr an ein Jenseits,

169
00:13:41,235 --> 00:13:45,601
nicht mehr an Absolutes geglaubt wird, sondern man
eigentlich nur noch sein eigenes kleines

170
00:13:45,601 --> 00:13:49,159
hiesiges Leben als das Wichtigste und Absolute setzt.</b>

171
00:13:49,159 --> 00:13:55,634
<b>In einer solchen Situation haben wir natürlich wenig Gründe,
tatsächlich auf die Straße zu gehen, etwas zu

172
00:13:55,634 --> 00:14:01,399
opfern, Komfort zu opfern, vielleicht das
eigene Leben zu opfern für einen höheren Sinn.</b>

173
00:14:01,399 --> 00:14:07,360
<b> Da kann natürlich ein ungerechtes Regime schon
ziemlich weit treiben, bevor die Leute auf die Straße gehen.</b>

174
00:14:07,360 --> 00:14:13,623
<b>Zudem gleichzeitig auch noch die Solidarität der
Menschen aufgebrochen worden ist, durch Massenmigration,

175
00:14:13,623 --> 00:14:16,879
durch Identitätspolitik, durch Familienzerfall.</b>

176
00:14:16,879 --> 00:14:19,399
<b>Selbst die Familie ist ja mittlerweile aufgesplittert.</b>

177
00:14:19,399 --> 00:14:25,285
<b>Das heißt, es ist eigentlich, jedenfalls
seitens der Europäer, nur noch sehr weniges da,

178
00:14:25,285 --> 00:14:28,159
für das es sich irgendwie zu kämpfen lohnt.</b>

179
00:14:28,159 --> 00:14:32,480
<b> Solange das eigene Leben halbwegs
bequem ist, bleibt man oft sitzen.</b>

180
00:14:32,480 --> 00:14:37,200
<b>Komfort macht ruhig. Und genau das ist Teil des Problems.</b>

181
00:14:37,200 --> 00:14:41,519
<b>Professor Engels rückt den Glauben an Gott ins
Zentrum, wenn er von höheren Werten spricht.</b>

182
00:14:41,519 --> 00:14:45,771
<b>Menschen können jedoch selbstverständlich auch
von anderen, übergeordneten Werten getragen

183
00:14:45,771 --> 00:14:48,639
werden, die sie motivieren und ihnen Kraft geben.</b>

184
00:14:48,639 --> 00:14:54,416
<b> Entscheidend ist, dass wir unsere Komfortzone nur
dann verlassen, wenn wir auf dieser Welt mehr bewirken

185
00:14:54,416 --> 00:14:58,960
wollen, als lediglich das eigene Glück zu maximieren.</b>

186
00:14:58,960 --> 00:15:04,279
<b>Der Sozialwissenschaftler Günter Roth
verweist auf einen ähnlichen Kern.</b>

187
00:15:04,279 --> 00:15:10,440
<b>Nüchtern formuliert er: Wer nur abwägt,
ob sich Protest lohnt, wird selten aktiv.</b>

188
00:15:10,440 --> 00:15:12,639
<b>Viele würden aber genau das tun.</b>

189
00:15:12,639 --> 00:15:17,600
<b>Sie entscheiden aus einer reinen
Kosten-Nutzen-Analyse heraus, ob sie aktiv werden.</b>

190
00:15:17,600 --> 00:15:20,879
<b>Und da ist es oft lohnender, stillzuhalten.</b>

191
00:15:20,879 --> 00:15:30,654
<b> Und es ist auch so, das kennt man ja auch aus Experimenten
zum Hilfeverhalten: Je mehr Leute zuschauen, je mehr

192
00:15:30,654 --> 00:15:39,960
Leute ein Problem oder einen Unfall sehen, desto
geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass jemand hilft.</b>

193
00:15:39,960 --> 00:15:42,639
<b>Desto größer ist die
Wahrscheinlichkeit, dass alle auf die anderen warten.</b>

194
00:15:42,639 --> 00:15:50,759
<b>Es ist leider so, dass wir eben übersättigt sind und wir
leben ja auch in einer extrem wohlhabenden Gesellschaft.</b>

195
00:15:50,759 --> 00:15:52,480
<b> Viele arrangieren sich.</b>

196
00:15:52,480 --> 00:15:54,159
<b>Andere ziehen sich zurück.</b>

197
00:15:54,159 --> 00:15:56,080
<b>Wieder andere wandern aus.</b>

198
00:15:56,080 --> 00:15:59,200
<b>Protest wird verschoben oder ganz aufgegeben.</b>

199
00:15:59,200 --> 00:16:04,519
<b> Auch die Politikwissenschaftlerin Professor
Ulrike Guérot sieht darin ein großes Problem.</b>

200
00:16:04,519 --> 00:16:12,000
<b>Sie spricht von Rückzug und Flucht als maßgebliches Problem,
wenn es um die Frage geht: Wer steht eigentlich auf?</b>

201
00:16:12,000 --> 00:16:19,071
<b> Ich glaube, das größere Problem anstatt
Protest und der Wirklosigkeit des Protestes ist

202
00:16:19,071 --> 00:16:22,399
fast noch diese Tendenz zur Privatisierung.</b>

203
00:16:22,399 --> 00:16:27,799
<b>Ich bin erschöpft, ich kann nicht mehr, das nützt
alles nichts mehr. Wir kommen nirgendwo mehr hin.</b>

204
00:16:27,799 --> 00:16:33,320
<b> Ja, viele Menschen sind entmutigt. Viele
wandern aus, aus Angst vor dem, was kommt.</b>

205
00:16:33,320 --> 00:16:39,799
<b>Andere verlagern ihren Protest ins Ausland, weil sie
im eigenen Land persönliche Konsequenzen fürchten.</b>

206
00:16:39,799 --> 00:16:44,846
<b>Diese Angst vor individuellen Nachteilen hält
generell viele davon ab, sich in irgendeiner

207
00:16:44,846 --> 00:16:47,960
Form öffentlich zu äußern oder zu engagieren.</b>

208
00:16:47,960 --> 00:16:52,440
<b>Ein Problem, das ebenfalls der
Kommunikationswissenschaftler Michael Meyen anspricht.</b>

209
00:16:52,440 --> 00:16:54,279
<b> Mayen formuliert es klar.</b>

210
00:16:54,279 --> 00:17:02,279
<b>Es wird gelabelt. Es wird ein Etikett auf diejenigen geklebt,
die Protest ausüben oder einfach nur kritisch hinterfragen.</b>

211
00:17:02,279 --> 00:17:09,405
<b>Sie werden schlecht gemacht und sie werden klein
gemacht. Damit wir folgende Wahrheit nicht herausfinden:</b>

212
00:17:09,405 --> 00:17:16,818
<b> </b>

213
00:17:16,818 --> 00:17:19,319
<b> Ja genau, wir sind viele.</b>

214
00:17:19,319 --> 00:17:21,039
<b>Viel mehr als wir denken.</b>

215
00:17:21,039 --> 00:17:27,720
<b>Denn diejenigen, die gegen Unrecht aufstehen, die
warnen und Lügen aufzeigen, werden gezielt klein gehalten.</b>

216
00:17:27,720 --> 00:17:34,799
<b>Dadurch erscheint ihre Zahl geringer, ihr Einfluss
schwächer und ihr Wert niedriger, als er tatsächlich ist.</b>

217
00:17:34,799 --> 00:17:40,200
<b>Diese Wahrnehmung entspricht jedoch weniger der Realität,
als vielmehr dem Ergebnis erfolgreicher Propaganda.</b>

218
00:17:40,200 --> 00:17:43,200
<b>Besonders junge Menschen lassen sich davon abschrecken.</b>

219
00:17:43,200 --> 00:17:50,316
<b>Jene, die noch viel zu verlieren haben und deshalb davor
zurückschrecken, sich auf die Seite der Schwurbler

220
00:17:50,316 --> 00:17:57,000
oder Rechtsextremen oder was es sonst noch für
Bezeichnungen gibt, auf jene Seite zu schlagen.</b>

221
00:17:57,000 --> 00:18:02,480
<b>Der Kommunikationswissenschaftler Michael
Meyen stellt klar: Protestpotenzial gibt es.</b>

222
00:18:02,480 --> 00:18:06,119
<b>Es ist auch nicht klein, aber es ist ungleich verteilt.</b>

223
00:18:06,119 --> 00:18:09,839
<b> Wir wissen ja ungefähr, dass dieses
Protestpotenzial ein Drittel der Bevölkerung ist.</b>

224
00:18:09,839 --> 00:18:13,680
<b>Wir wissen auch, wo dieses
Protestpotenzial sitzt oder wohnt.</b>

225
00:18:13,680 --> 00:18:20,962
<b>Es ist eher eine ältere Klientel, eine eher ländliche Klientel.
Eher keine erfolgreichen Unternehmer. Niemand, der noch darauf

226
00:18:20,962 --> 00:18:24,519
angewiesen ist, vom Staat irgendwas geschenkt zu bekommen.</b>

227
00:18:24,519 --> 00:18:26,160
<b> Junge Leute riskieren im Zweifel alles.</b>

228
00:18:26,160 --> 00:18:27,440
<b>Das wissen wir aus der Revolutionsgeschichte.</b>

229
00:18:27,440 --> 00:18:32,174
<b>Es waren immer junge Leute, die den Wandel
gebracht haben, weil die bereit waren, für ein

230
00:18:32,174 --> 00:18:34,799
noch sehr langes Leben sehr viel zu riskieren.</b>

231
00:18:34,799 --> 00:18:37,440
<b>Das ist bei Älteren schon schwieriger.</b>

232
00:18:37,440 --> 00:18:38,759
<b>Es ist auf dem Lande sehr viel schwieriger.</b>

233
00:18:38,759 --> 00:18:44,197
<b>Es ist vor allem deshalb schwierig, wenn man weiß, dass die
Macht – da wo darüber bestimmt wird, wie Wirklichkeit zu

234
00:18:44,197 --> 00:18:48,812
interpretieren ist – dass die Macht heute in den
Universitätsstädten ist, in den großen Städten liegt

235
00:18:48,812 --> 00:18:51,880
und eben nicht da, wo eher Protestpotenzial ist.</b>

236
00:18:51,880 --> 00:18:56,720
<b> Und dazu käme noch, dass die Umdeutung der
Geschichte die jungen Menschen entmutigen würde.</b>

237
00:18:56,720 --> 00:19:03,118
<b> Wenn man in die Vergangenheit schaut, dann sehen wir, dass
alles, was vor 1933 war, mittlerweile als

238
00:19:03,118 --> 00:19:08,839
Vorgeschichte des Nationalsozialismus der
dunklen deutschen Vergangenheit gelabelt wird.</b>

239
00:19:08,839 --> 00:19:15,319
<b>Das macht es schwer, sich auf positive Dinge aus
den Jahrhunderten, den Jahren davor zu beziehen.</b>

240
00:19:15,319 --> 00:19:19,880
<b>Den Deutschen wird zum Beispiel immer wieder
eingeredet, dass Revolution so und so und so nichts bringt.</b>

241
00:19:19,880 --> 00:19:22,200
<b>Jede Revolution in Deutschland ist gescheitert.</b>

242
00:19:22,200 --> 00:19:24,680
<b> Stimmt überhaupt nicht, wenn man
sich die Dinge genauer anschaut. </b>

243
00:19:24,680 --> 00:19:29,121
<b>Wenn man sich die 1848er-Revolution anschaut in der
Langzeitwirkung, wenn man sich die

244
00:19:29,121 --> 00:19:34,880
1918er-Revolution anschaut, den Matrosenaufstand; wenn man
sich die 89er-Revolution in der DDR anschaut.</b>

245
00:19:34,880 --> 00:19:39,480
<b>In der Erzählung, in den Narrativen über diese
Revolution werden die wichtigen Dinge aber unterschlagen.</b>

246
00:19:39,480 --> 00:19:46,349
<b>Wenn mir nicht erzählt wird, dass die Revolutionen im ersten
Moment scheinbar gescheitert sind, weil die Revolutionäre nicht

247
00:19:46,349 --> 00:19:52,514
bereit waren, zum letzten Mittel zu greifen – nämlich ihre
Gegner einfach umzubringen – sondern auf Verhandlungen,

248
00:19:52,514 --> 00:19:55,759
auf normales menschliches Zusammensein gesetzt haben. </b>

249
00:19:55,759 --> 00:20:01,953
<b>Wenn mir das nicht erzählt wird, dann verstehe ich nicht,
warum die 1848er Revolutionäre entweder tot

250
00:20:01,953 --> 00:20:07,559
waren oder halt nach Amerika geflohen sind oder in
der Bedeutungslosigkeit verschwunden sind.</b>

251
00:20:07,559 --> 00:20:09,519
<b> Und dann kommt noch etwas dazu.</b>

252
00:20:09,519 --> 00:20:14,240
<b>Den Menschen wird erzählt, sie seien
allein Teil einer verrückten Minderheit.</b>

253
00:20:14,240 --> 00:20:18,319
<b>Das funktioniert, indem Protest
schlicht nicht gezeigt wird.</b>

254
00:20:18,319 --> 00:20:22,821
<b>So wird verhindert, dass sich andere
anschließen. Und ebenso, dass ein öffentlicher Diskurs

255
00:20:22,821 --> 00:20:26,279
über die kritisierten Themen überhaupt entsteht.</b>

256
00:20:26,279 --> 00:20:32,799
<b>Für die Politikwissenschaftlerin Ulrike Guérot ist
deshalb klar: Protest kann nur wirken, wenn er sichtbar ist.</b>

257
00:20:32,799 --> 00:20:35,319
<b>Genau das sei jedoch oft nicht der Fall. </b>

258
00:20:35,319 --> 00:20:39,680
<b>Vor allem dann nicht, wenn Protest
dem herrschenden Regime missfällt.</b>

259
00:20:39,680 --> 00:20:43,839
<b>Es läge also oft nicht daran,
dass es zu wenig Protest gebe.</b>

260
00:20:43,839 --> 00:20:47,119
<b>Das Problem läge vor allem woanders.</b>

261
00:20:47,119 --> 00:20:49,799
<b> Das heißt, ich finde, wir haben
eigentlich sehr viel Protest.</b>

262
00:20:49,799 --> 00:20:52,400
<b>Das Problem ist, dass der Protest nirgendwo hinführt.</b>

263
00:20:52,400 --> 00:20:59,585
<b>Der Protest scheint sich nicht irgendwie zu artikulieren, dass
Gesetzgebung geändert wird, dass Rücktritte erfolgen, dass

264
00:20:59,585 --> 00:21:05,205
Vertrauen wiederhergestellt wird. Also dass
irgendwie Maßnahmen gezogen werden, wo die Leute dann

265
00:21:05,205 --> 00:21:08,160
auch sehen: Der Protest hat etwas gefruchtet.</b>

266
00:21:08,160 --> 00:21:12,839
<b> Das heißt, meine Frage ist
nicht, ob wir genug demonstrieren.</b>

267
00:21:12,839 --> 00:21:15,000
<b>Meine Frage ist: Wo bleibt der Protest?</b>

268
00:21:15,000 --> 00:21:19,839
<b>Das ist meine erste Frage. Und der
scheint nirgendwo mehr hinzuführen.</b>

269
00:21:19,839 --> 00:21:24,039
<b> Und die zweite Frage ist: Welcher
Protest ist heute der gute Protest?</b>

270
00:21:24,039 --> 00:21:29,746
<b>Denn wir haben ja im Grunde eine Meinungslandschaft,
die im Grunde gespalten ist. Und insofern unterscheiden

271
00:21:29,746 --> 00:21:32,720
wir ja auch schon Protest in gut oder in schlecht.</b>

272
00:21:32,720 --> 00:21:37,859
<b> Also wenn wir zum Beispiel Protest haben wie
letztes Jahr – alle gegen rechts – dann ist das guter

273
00:21:37,859 --> 00:21:40,920
Protest. Der wird überall gezeigt, in allen Medien.</b>

274
00:21:40,920 --> 00:21:48,198
<b> Wenn aber, wie vor kurzem in Den Haag zum Beispiel,
wirklich sehr, sehr große Proteste waren gegen Gaza, gegen den

275
00:21:48,198 --> 00:21:52,240
Völkermord im Gazastreifen, dann wird das nicht gezeigt.</b>

276
00:21:52,240 --> 00:21:54,680
<b>Wir haben auch die Frage: Welcher Protest wird gezeigt?</b>

277
00:21:54,680 --> 00:22:01,777
<b> Wir haben in den letzten Jahren eine
Situation, wo der Protest als Störung der öffentlichen

278
00:22:01,777 --> 00:22:05,960
Ordnung, auch in Gesetzen sozusagen verboten wird. </b>

279
00:22:05,960 --> 00:22:09,440
<b>Und das deswegen dazu führt, dass
der Protest immer stiller wird.</b>

280
00:22:09,440 --> 00:22:15,240
<b> Ähnlich wie beim Protest verhält es sich auch in der
Wissenschaft, jenem Bereich, in dem Wissen entsteht.</b>

281
00:22:15,240 --> 00:22:21,480
<b>Wissen, auf dessen Grundlage Politik, Medizin und
letztlich die gesamte Gesellschaft Entscheidungen treffen.</b>

282
00:22:21,480 --> 00:22:25,279
<b>Doch auch hier werden nur bestimmte Narrative zugelassen.</b>

283
00:22:25,279 --> 00:22:30,782
<b>Abweichende Forschungsansätze werden nicht selten
durch Framings wie rechtsextrem oder unseriös

284
00:22:30,782 --> 00:22:34,400
diskreditiert und so von vornherein unglaubwürdig gemacht.</b>

285
00:22:34,400 --> 00:22:40,520
<b> Es gibt aber Kollegen auch hier, die sagen,
nee, wir brauchen das Kontroversitätsgebot bei manchen

286
00:22:40,520 --> 00:22:44,759
Sachen nicht mehr, z. B. beim Klimawandel, ja. </b>

287
00:22:44,759 --> 00:22:50,545
<b>Und das fand ich ganz interessant, weil dieser Kollege beim
Klimawandel dann gesagt hat, er möchte sich

288
00:22:50,545 --> 00:22:56,599
gerne erst mal sachanalytisch das angucken, um zu
zeigen, dass das gar nicht kontrovers ist.</b>

289
00:22:56,599 --> 00:23:02,408
<b>So, jetzt habe ich, naiv wie ich bin, ich habe
gedacht: Okay, der wird jetzt irgendwelche

290
00:23:02,408 --> 00:23:05,880
Klimadaten oder Klima-Zusammenhänge da darstellen.</b>

291
00:23:05,880 --> 00:23:07,400
<b>Hat er aber gar nicht.</b>

292
00:23:07,400 --> 00:23:14,236
<b>Er hat eine Studie genommen, die zeigt, dass in Europa
Klimawandel hauptsächlich von rechtsradikalen oder

293
00:23:14,236 --> 00:23:18,160
rechtsextremen Parteien sozusagen in Frage gestellt wird.</b>

294
00:23:18,160 --> 00:23:24,559
<b>Und deswegen, weil die seien ja
verfassungswidrig, müsste man das nicht behandeln.</b>

295
00:23:24,559 --> 00:23:30,421
<b>Also wenn so was als wissenschaftliche
Aussage auch nur irgendwie ernst genommen

296
00:23:30,421 --> 00:23:33,920
wird, dann haben wir ein echtes Problem.</b>

297
00:23:33,920 --> 00:23:38,359
<b> Viele halten sich zurück. Viele sagen
lieber nichts. Aus verschiedensten Gründen:</b>

298
00:23:38,359 --> 00:23:45,799
<b>Das kann Vorsicht sein, oder aus Angst oder aus Unsicherheit,
oder einfach aus einem Mangel an Möglichkeiten.</b>

299
00:23:45,799 --> 00:23:47,839
<b>Ulrike Guérot sieht das ganz ähnlich.</b>

300
00:23:47,839 --> 00:23:50,599
<b>Auch sie sagt, so geht es nicht weiter.</b>

301
00:23:50,599 --> 00:23:53,880
<b>Protest muss lauter werden. Und er muss größer werden. </b>

302
00:23:53,880 --> 00:23:57,759
<b>Denn nur dann hätten wir eine
Chance, dass er auch gesehen wird.</b>

303
00:23:57,759 --> 00:24:02,946
<b> Das heißt, worüber wir reden, ist, dass Bürger
einem Unmut Ausdruck geben wollen, und dass dieser

304
00:24:02,946 --> 00:24:05,960
Unmut sich übersetzt in eine politische Änderung.</b>

305
00:24:05,960 --> 00:24:12,200
<b>Und das passiert einfach nicht mehr. Weder
über Online-Protest noch über analogen Protest.</b>

306
00:24:12,200 --> 00:24:15,799
<b>Jetzt ist die Frage, ob das dann
noch die richtige Protestform ist.</b>

307
00:24:15,799 --> 00:24:17,440
<b>Die Antwort ist eigentlich nein.</b>

308
00:24:17,440 --> 00:24:20,519
<b>Und die Frage wäre: Wo könnte man
den Protest denn dann ansetzen?</b>

309
00:24:20,519 --> 00:24:25,400
<b> Natürlich könnten andere
radikale Protestformen funktionieren.</b>

310
00:24:25,400 --> 00:24:27,200
<b>Ich sage jetzt mal Generalstreik.</b>

311
00:24:27,200 --> 00:24:29,519
<b>Zum Beispiel, dass wir nicht in den Krieg gehen wollen.</b>

312
00:24:29,519 --> 00:24:36,079
<b> Andere Protestformen könnten natürlich sein, dass man sich
sozusagen auf der individuellen Ebene den Dingen entzieht.</b>

313
00:24:36,079 --> 00:24:38,880
<b>Da kann ich nur sagen, sie sind halt sehr aufwendig.</b>

314
00:24:38,880 --> 00:24:43,316
<b>Man muss sehr engagiert sein. Man muss sehr viel
recherchieren, um zu sagen: Ich mache da nicht mit,

315
00:24:43,316 --> 00:24:45,839
das zahle ich nicht. Da gehe ich nicht mehr hin.</b>

316
00:24:45,839 --> 00:24:49,880
<b>Keine Ahnung, ich kaufe nicht bei
Amazon. Ich zahle nur noch mit Bargeld.</b>

317
00:24:49,880 --> 00:24:55,880
<b>Also das kann man natürlich alles machen. Und das
sind sehr konkrete persönliche Verweigerungsstrategien.</b>

318
00:24:55,880 --> 00:24:59,519
<b> Aber die Frage ist dann
tatsächlich, wie lange Sie das durchhalten.</b>

319
00:24:59,519 --> 00:25:03,321
<b> Insofern sind das, glaube ich, die
Protestformen: Demonstrationen,

320
00:25:03,321 --> 00:25:06,559
Generalstreik, individueller Protest im Kleinen.</b>

321
00:25:06,559 --> 00:25:11,640
<b> Wie kann es gelingen, möglichst
viele Menschen zum Mitmachen zu bewegen?</b>

322
00:25:11,640 --> 00:25:18,315
<b>Viele glauben, es müsste nur die richtige Botschaft
richtig kommuniziert werden, dass die mangelnde Bereitschaft zur

323
00:25:18,315 --> 00:25:22,200
Teilhabe, also vor allem ein Kommunikationsproblem sei.</b>

324
00:25:22,200 --> 00:25:25,000
<b>Fehlanzeige, sagt da Michael Meyen.</b>

325
00:25:25,000 --> 00:25:27,799
<b>Es ginge um etwas ganz anderes.</b>

326
00:25:27,799 --> 00:25:32,960
<b> Das ist eine Frage, die an mich als Medienforscher
fast immer als allererstes herangetragen wird.</b>

327
00:25:32,960 --> 00:25:37,359
<b>Wie muss ich meine Botschaft
gestalten, damit die Menschen mitmachen?</b>

328
00:25:37,359 --> 00:25:40,759
<b>Meine erste Antwort ist immer: Vergesst das.</b>

329
00:25:40,759 --> 00:25:44,880
<b>Ihr kriegt die Menschen nicht über die
Botschaften, die müssen durch eine eigene Erfahrung gehen.</b>

330
00:25:44,880 --> 00:25:50,559
<b>Die müssen selber Schmerz erleben, die müssen mitbekommen,
dass sich etwas ändern muss, damit es ihnen besser geht.</b>

331
00:25:50,559 --> 00:25:54,506
<b>Nur mit Kommunikationsbotschaften wird man
Menschen nicht dazu bringen, Dinge zu tun, von denen

332
00:25:54,506 --> 00:25:57,200
man selber glaubt, dass sie getan werden müssen.</b>

333
00:25:57,200 --> 00:25:58,759
<b>Das ist ein Problem.</b>

334
00:25:58,759 --> 00:26:03,322
<b>Es ist auch deshalb ein Problem, weil wir
wissen, dass der Lebenszyklus eine gewisse Zeit

335
00:26:03,322 --> 00:26:06,319
verlangt, bis man solche Erfahrungen machen kann.</b>

336
00:26:06,319 --> 00:26:10,079
<b>Bis man die Erfahrung macht, dass man an
Wände stößt, dass es nicht mehr weitergeht.</b>

337
00:26:10,079 --> 00:26:16,646
<b>Ich habe in meiner Forschung immer auch gefragt, was dazu
führt, dass der eine Mensch auf der Protestseite gelandet

338
00:26:16,646 --> 00:26:22,799
ist und der andere Mensch im Zweifel die Antifa finanziert oder
bei Omas gegen Rechts steht oder solchen Gruppierungen.</b>

339
00:26:22,799 --> 00:26:28,282
<b>Und es ist immer eine Erfahrung, die sich beißt mit der
Erzählung, die über die Staatsmedien oder über

340
00:26:28,282 --> 00:26:33,400
die anderen Bildungskanäle, Universitäten,
Schulen, Volkshochschulen, Museen verbreitet wird.</b>

341
00:26:33,400 --> 00:26:35,319
<b>Es muss eine persönliche Erfahrung sein.</b>

342
00:26:35,319 --> 00:26:38,519
<b> Das dauert vor allen Dingen, wenn man
jung ist, wenn man noch reinkommen will.</b>

343
00:26:38,519 --> 00:26:39,839
<b>Ich würde junge Leute gar nicht verurteilen.</b>

344
00:26:39,839 --> 00:26:41,519
<b>Die müssen erst mal ein eigenes Leben aufbauen.</b>

345
00:26:41,519 --> 00:26:43,319
<b>Die müssen sich auch deshalb anpassen. </b>

346
00:26:43,319 --> 00:26:45,680
<b>Die müssen versuchen, in eine Position zu kommen.</b>

347
00:26:45,680 --> 00:26:49,519
<b>Und dann werden sie irgendwann die Erfahrung machen,
dass es vielleicht auch für sie nicht weitergeht.</b>

348
00:26:49,519 --> 00:26:54,200
<b>Man muss da Geduld haben und weniger
an dem Design der Botschaften feilen.</b>

349
00:26:54,200 --> 00:26:58,039
<b> Diese Impfpflicht wäre was
gewesen, was in den Körper gegangen wäre.</b>

350
00:26:58,039 --> 00:27:02,446
<b>Und da waren die Leute bereit, völlig
unabhängig von der Kommunikation, jeden

351
00:27:02,446 --> 00:27:04,880
Montag – bei nicht guten Wetterbedingungen.</b>

352
00:27:04,880 --> 00:27:09,559
<b> Es muss den Leuten also buchstäblich an
den Kragen gehen, sagt Michael Meyen.</b>

353
00:27:09,559 --> 00:27:13,920
<b>Viel mehr, als dass es ein bisschen im Geldbörserl zwickt.</b>

354
00:27:13,920 --> 00:27:19,240
<b>Es muss wirklich etwas sein, was die
eigene Existenz, das eigene Leben bedroht.</b>

355
00:27:19,240 --> 00:27:22,759
<b>Erst dann sind viele bereit, die Komfortzone zu verlassen.</b>

356
00:27:22,759 --> 00:27:28,359
<b>Das Problem daran ist nur, dann
kann es oft bereits zu spät sein.</b>

357
00:27:28,359 --> 00:27:33,160
<b> Auch David Engels zeigt sich skeptisch, wenn es
um breiten Widerstand in der Bevölkerung geht.</b>

358
00:27:33,160 --> 00:27:35,039
<b>Die Bürger seien zu lethargisch.</b>

359
00:27:35,039 --> 00:27:39,759
<b>Viele wollten gar nicht aktiv mitgestalten,
sondern ließen die Dinge lieber geschehen.</b>

360
00:27:39,759 --> 00:27:47,160
<b>Am Ende würden, so lehre es die Geschichte,
erneut wenige über die Geschicke vieler entscheiden.</b>

361
00:27:47,160 --> 00:27:52,200
<b>Es setze sich letztlich wieder eine andere
Elite durch, die den Wandel vorantreibe.</b>

362
00:27:52,200 --> 00:27:58,135
<b>Von der Vorstellung eines grundlegenden,
basisdemokratischen Wandels im großen Maßstab müsse man sich

363
00:27:58,135 --> 00:28:01,559
nach Ansicht von Professor Engels verabschieden.</b>

364
00:28:01,559 --> 00:28:05,119
<b>Als Beispiel führt der
Historiker ebenso die Corona-Zeit an.</b>

365
00:28:05,119 --> 00:28:08,599
<b>Anders als Michael Meyen jedoch als Negativbeispiel.</b>

366
00:28:08,599 --> 00:28:15,960
<b>David Engels sagt nämlich, insgesamt betrachtet sei das System
mit seinem autoritären Vorgehen relativ gut durchgekommen.</b>

367
00:28:15,960 --> 00:28:22,920
<b>Auch wenn es Widerstand gegeben habe, sei dieser im
Verhältnis zur Gesamtbevölkerung begrenzt gewesen.</b>

368
00:28:22,920 --> 00:28:26,480
<b>Nur wenige hätten sich tatsächlich offen aufgelehnt.</b>

369
00:28:26,480 --> 00:28:29,240
<b> Es heißt: Strategie schlägt Masse.</b>

370
00:28:29,240 --> 00:28:33,799
<b>Es geht nicht zwingend darum, immer mehr
Menschen zu erreichen, oder immer neue zu motivieren.</b>

371
00:28:33,799 --> 00:28:36,359
<b>Viel wichtiger ist etwas anderes.</b>

372
00:28:36,359 --> 00:28:42,400
<b>Diejenigen, die heute schon bereit sind, für eine bessere
Zukunft zu kämpfen, müssten sich besser zusammenschließen.</b>

373
00:28:42,400 --> 00:28:48,680
<b>Sie müssten eine klarere Strategie
verfolgen und gemeinsam handlungsfähiger werden.</b>

374
00:28:48,680 --> 00:28:54,440
<b>David Engels widerspricht damit in einem
Punkt klar der Sichtweise von Ulrike Guérot.</b>

375
00:28:54,440 --> 00:28:59,799
<b>Sie sagt: Protestbewegungen müssen
größer werden und vor allem sichtbarer.</b>

376
00:28:59,799 --> 00:29:04,436
<b>Michael Meyen gibt hier jedoch zu
bedenken, Menschen für Protest zu motivieren ist

377
00:29:04,436 --> 00:29:07,680
extrem schwer, vor allem über Botschaften.</b>

378
00:29:07,680 --> 00:29:10,759
<b>Entscheidend sei am Ende die eigene Erfahrung.</b>

379
00:29:10,759 --> 00:29:12,279
<b> Wo liegen die Gemeinsamkeiten?</b>

380
00:29:12,279 --> 00:29:15,319
<b>Worauf können wir aufbauen?</b>

381
00:29:15,319 --> 00:29:16,599
<b>Der erste Punkt ist klar:</b>

382
00:29:16,599 --> 00:29:20,200
<b> Veränderung beginnt bei uns
selbst, beim einzelnen Menschen.</b>

383
00:29:20,200 --> 00:29:23,480
<b> Viele Menschen haben jedoch nie
gelernt, Verantwortung zu übernehmen.</b>

384
00:29:23,480 --> 00:29:29,160
<b>Sie haben gelernt, Erwartungen zu erfüllen,
Konflikte zu vermeiden, sich anzupassen.</b>

385
00:29:29,160 --> 00:29:34,799
<b> Und trotzdem – in unseren Ländern
schlummert ein großes Potenzial, denn es gibt sie.</b>

386
00:29:34,799 --> 00:29:36,079
<b>Menschen mit höheren Werten.</b>

387
00:29:36,079 --> 00:29:41,319
<b>Menschen, die selbstbestimmt leben, die
Verantwortung übernehmen und die Brücken bauen.</b>

388
00:29:41,319 --> 00:29:43,920
<b> Und hier bin ich bei David Engels.</b>

389
00:29:43,920 --> 00:29:45,799
<b>Wir brauchen nicht die Masse.</b>

390
00:29:45,799 --> 00:29:48,039
<b>Es fehlt nicht an Menschen.</b>

391
00:29:48,039 --> 00:29:50,599
<b>Es fehlt an Verbindung.</b>

392
00:29:50,599 --> 00:29:52,359
<b>Veränderung beginnt nicht bei den Massen.</b>

393
00:29:52,359 --> 00:29:54,079
<b>Sie beginnt beim Einzelnen.</b>

394
00:29:54,079 --> 00:29:57,680
<b>Die Frage ist also: Was kann der Einzelne konkret tun?</b>

395
00:29:57,680 --> 00:29:58,440
<b>Hier und jetzt.</b>

396
00:29:58,440 --> 00:30:01,232
<b>Genau darum geht es nun im Ausblick.</b>

397
00:30:01,232 --> 00:30:07,463
<b> </b>

398
00:30:07,463 --> 00:30:09,640
<b> Viele Menschen wollen etwas tun.</b>

399
00:30:09,640 --> 00:30:10,720
<b>Der Wille ist da.</b>

400
00:30:10,720 --> 00:30:13,440
<b>Was oft fehlt, ist die Richtung.</b>

401
00:30:13,440 --> 00:30:19,763
<b>Die Frage lautet also im ersten Schritt nicht, wie
bekommen wir mehr Menschen dazu, sich zu engagieren,

402
00:30:19,763 --> 00:30:24,200
sondern: Was können die konkret tun, die schon jetzt wollen?</b>

403
00:30:24,200 --> 00:30:29,119
<b>Das habe ich auch die zahlreichen
Interviewpartner im Zuge dieser Dokumentation gefragt.</b>

404
00:30:29,119 --> 00:30:36,119
<b>Und es kamen dabei fünf konkrete Maßnahmen
heraus, die jeder sofort umsetzen kann.</b>

405
00:30:36,119 --> 00:30:37,279
<b> Maßnahme 1:</b>

406
00:30:37,279 --> 00:30:40,880
<b>Bildet Gemeinschaften und vernetzt euch</b>

407
00:30:40,880 --> 00:30:43,599
<b> Neben Geduld ist mein zweiter Rat tatsächlich Vernetzung.</b>

408
00:30:43,599 --> 00:30:45,359
<b>Das ist ein wichtiger Punkt.</b>

409
00:30:45,359 --> 00:30:48,200
<b>Die Milieus haben sich gefunden. Die
Protestmilieus haben sich gefunden.</b>

410
00:30:48,200 --> 00:30:52,786
<b>Es gibt überall im deutschsprachigen Raum
Gruppen, die sich regelmäßig treffen, die

411
00:30:52,786 --> 00:30:55,559
inhaltlich arbeiten, die zusammengekommen sind.</b>

412
00:30:55,559 --> 00:30:59,845
<b>Und sei es nur, weil sie sich mit Ernährung
beschäftigen, weil sie überlegen, wie sie ihren Garten so

413
00:30:59,845 --> 00:31:02,359
gestalten können, dass sie sich selbst versorgen können.</b>

414
00:31:02,359 --> 00:31:09,872
<b>Diese Strukturen sind unbedingt am Leben zu halten, um bereit
zu sein, wenn sich eine Gelegenheit ergibt, das umsetzen zu

415
00:31:09,872 --> 00:31:17,480
können, was für viele zentral ist, Demokratie mitbestimmen
zu können über die Bedingungen, unter denen man lebt.</b>

416
00:31:17,480 --> 00:31:21,279
<b> Was wir machen müssen
deshalb, das ist von unten aufbauen.</b>

417
00:31:21,279 --> 00:31:28,737
<b>Das ist fundamental, dass wir eben nicht alle Karten auf die
Politik setzen dürfen, sondern: Wir müssen zuerst selbst

418
00:31:28,737 --> 00:31:36,319
diese resiliente bürgerliche Zivilgesellschaft von unten erst
wieder mal aufbauen, die auch sich dagegen wehren kann.</b>

419
00:31:36,319 --> 00:31:42,759
<b> Maßnahme 2: Sagt eure Meinung Die zweite konkrete Maßnahme,
die jeder sofort umsetzen kann, ist: Sagt eure Meinung.</b>

420
00:31:42,759 --> 00:31:50,279
<b>Verbreitet Informationen und unterstützt
unabhängige Medien, denn Information ist alles.</b>

421
00:31:50,279 --> 00:31:51,559
<b> Information ist der Schlüssel.</b>

422
00:31:51,559 --> 00:31:56,880
<b>Man muss sich ja dazu nur angucken, was die Gegenseite
alles aufbietet, um Informationen zu kontrollieren.</b>

423
00:31:56,880 --> 00:32:01,554
<b>Wer heute definieren kann, wer heute
bestimmen kann, was wir alle als Wirklichkeit

424
00:32:01,554 --> 00:32:04,359
wahrnehmen, der hat Macht, der kann herrschen.</b>

425
00:32:04,359 --> 00:32:10,094
<b> Wir müssen also unseren Mitmenschen helfen, dass sie
rauskommen aus den Blasen, die von der Bewusstseinsindustrie

426
00:32:10,094 --> 00:32:16,319
produziert worden sind, die auf vielfältige Weise ja unterstützt
werden, wenn man sich diesen ganzen NGO-Komplex anschaut.</b>

427
00:32:16,319 --> 00:32:22,418
<b>Also Menschen, die aus Steuergeld dafür bezahlt
werden, dass sie Botschaften verstärken, Botschaften unter

428
00:32:22,418 --> 00:32:25,720
die Leute bringen, die sie in den Staatsmedien finden.</b>

429
00:32:25,720 --> 00:32:28,519
<b>Wenn man sich das anschaut, dann ist das der Weg.</b>

430
00:32:28,519 --> 00:32:36,440
<b>Also wenn nicht gegengehalten wird, dann hat man
keine Möglichkeit, in Freiheit leben zu können.</b>

431
00:32:36,440 --> 00:32:41,426
<b> Ich fand ja sehr spannend, dass ‚laut
seine Meinung sagen‘ eine wichtige Form des

432
00:32:41,426 --> 00:32:44,440
Protestes ist. Und das stimmt tatsächlich so.</b>

433
00:32:44,440 --> 00:32:51,613
<b>Wenn man die Kommunikationstheorie nimmt, vor allem die Theorie
der Schweigespirale von Elisabeth Nolle-Neumann, dann ist das

434
00:32:51,613 --> 00:32:55,680
ein Mittel, um Prozesse der Vereinheitlichung aufzubrechen.</b>

435
00:32:55,680 --> 00:33:00,367
<b> Diese Theorie der Schweigespirale sagt, dass der
Mensch Isolationsangst hat, dass das unsere größte

436
00:33:00,367 --> 00:33:03,200
Sorge ist, ausgeschlossen zu werden aus dem Verband.</b>

437
00:33:03,200 --> 00:33:10,129
<b>Wenn Leitmedien über eine lange Zeit einheitlich berichten und
ich anderer Meinung sein sollte, dann höre ich irgendwann auf

438
00:33:10,129 --> 00:33:14,876
nach dieser Theorie, mich öffentlich
entsprechend zu äußern, weil ich Sorge haben muss,

439
00:33:14,876 --> 00:33:17,759
ausgeschlossen zu werden aus dem Verband.</b>

440
00:33:17,759 --> 00:33:22,720
<b> Aber da draußen auf der Straße, da sehe ich ja
Leute an Ständen stehen, die anderer Meinung sind.</b>

441
00:33:22,720 --> 00:33:27,039
<b>Ich höre – in der Kneipe habe ich doch
plötzlich vom Nachbartisch was anderes gehört.</b>

442
00:33:27,039 --> 00:33:29,480
<b>Im Zugabteil haben sich Leute ganz anders unterhalten.</b>

443
00:33:29,480 --> 00:33:32,880
<b>Da saß jemand am Strand mit einem Kontrafunk-Handtuch.</b>

444
00:33:32,880 --> 00:33:35,880
<b>Also offenkundig gibt es ja doch gegenteilige Positionen.</b>

445
00:33:35,880 --> 00:33:39,799
<b> Das ermuntert dann Menschen, die sich sonst
nicht trauen würden, auch ihre Meinung zu sagen.</b>

446
00:33:39,799 --> 00:33:43,537
<b>Also das fand ich, finde ich sehr spannend,
dass das offenbar erkannt worden ist von den

447
00:33:43,537 --> 00:33:46,599
Menschen, die sich an dieser Umfrage beteiligt haben.</b>

448
00:33:46,599 --> 00:33:50,480
<b> Maßnahme 3: Eigene und gemeinsame Ziele definieren
Die dritte konkrete Maßnahme wird leider oft übersehen.</b>

449
00:33:50,480 --> 00:33:52,640
<b>Dabei ist sie entscheidend.</b>

450
00:33:52,640 --> 00:33:54,559
<b>Auch wenn sie nicht einfach ist.</b>

451
00:33:54,559 --> 00:33:58,839
<b>Es geht darum, eigene und gemeinsame Ziele zu definieren.</b>

452
00:33:58,839 --> 00:34:03,701
<b>Denn wenn wir nicht wissen, wohin wir
wollen, wofür wir kämpfen, und nicht immer

453
00:34:03,701 --> 00:34:06,799
nur wogegen, dann endet alles im Chaos.</b>

454
00:34:06,799 --> 00:34:12,793
<b>Ohne klare Ziele gibt es keine Strategie, keine
Bündelung von Kräften und auch keine überzeugende Antwort

455
00:34:12,793 --> 00:34:15,840
für andere, die fragen, warum soll ich mitmachen?</b>

456
00:34:15,840 --> 00:34:20,599
<b>Wer nicht sagen kann, wofür er
steht, kann auch niemanden mitnehmen.</b>

457
00:34:20,599 --> 00:34:24,960
<b> Also es gibt so eine Schwelle vom
Denken und Fühlen hin zum Handeln.</b>

458
00:34:24,960 --> 00:34:28,079
<b>Man sagt ja oft so, der Weg ist das Ziel, das stimmt fast.</b>

459
00:34:28,079 --> 00:34:31,960
<b>Also wir brauchen ein Ziel, um
überhaupt eine Idee von einem Weg zu bekommen.</b>

460
00:34:31,960 --> 00:34:34,199
<b>Wenn ich das Ziel habe, weiß ich, ah, das ist der Weg.</b>

461
00:34:34,199 --> 00:34:39,000
<b> Und wir brauchen dann den Weg,
um Mut zum Aufbruch zu haben.</b>

462
00:34:39,000 --> 00:34:41,599
<b>Wir brauchen eine Idee des Weges.</b>

463
00:34:41,599 --> 00:34:46,239
<b>Ich komme also vom Ziel zum Weg
und vom Weg komme ich zum Aufbruch.</b>

464
00:34:46,239 --> 00:34:48,440
<b>Und es gibt keinen Weg.</b>

465
00:34:48,440 --> 00:34:50,360
<b>Die Leute sehen keinen Weg.</b>

466
00:34:50,360 --> 00:34:52,960
<b>Also man sagt, man sucht einen Ausweg, ja?</b>

467
00:34:52,960 --> 00:34:55,280
<b>Dort sind wir. Also wir sind beim Suchen des Weges.</b>

468
00:34:55,280 --> 00:34:58,639
<b>Und wenn der Weg nicht klar ist,
brauche ich den Aufbruch nicht.</b>

469
00:34:58,639 --> 00:35:00,559
<b>Brauche ich nicht aufstehen.</b>

470
00:35:00,559 --> 00:35:02,400
<b>Und die Frage ist auch, ob das Ziel klar ist.</b>

471
00:35:02,400 --> 00:35:04,199
<b> Die Ziele müssen auch klar sein.</b>

472
00:35:04,199 --> 00:35:05,599
<b>Das ist auch ein wichtiger Punkt.</b>

473
00:35:05,599 --> 00:35:13,320
<b>Es muss ein leicht erreichbares – nicht leicht
erreichbares, aber ein konkretes erreichbares Ziel sein.</b>

474
00:35:13,320 --> 00:35:18,199
<b>Nicht allgemein gegen Hunger
oder Armut, sondern ganz konkret.</b>

475
00:35:18,199 --> 00:35:22,169
<b> Maßnahme 4: Sich selbst reflektieren Die
vierte konkrete Maßnahme, die jeder Einzelne sofort

476
00:35:22,169 --> 00:35:24,880
umsetzen kann, ist eine, die sehr unbeliebt ist.</b>

477
00:35:24,880 --> 00:35:26,679
<b>Sich selbst zu reflektieren.</b>

478
00:35:26,679 --> 00:35:28,880
<b>Etwas, das viele nicht gerne hören.</b>

479
00:35:28,880 --> 00:35:30,679
<b>Ich weiß, es kommt sofort die Gegenreaktion.</b>

480
00:35:30,679 --> 00:35:34,239
<b>Was hat das Ganze denn mit mir zu tun?</b>

481
00:35:34,239 --> 00:35:44,276
<b> Wenn ich damit anfange, bei mir nachzuschauen, was ist mein
Anteil an dem Konflikt oder an dem Unglück, das ich

482
00:35:44,276 --> 00:35:53,400
erlebe, habe ich eigentlich die beste, aber vielleicht
sogar nur die einzige Chance, etwas zu verändern.</b>

483
00:35:53,400 --> 00:36:00,664
<b>Also mit der Erkenntnis über meinen Anteil, über
mich, habe ich eine Chance, auch mit mir etwas anders

484
00:36:00,664 --> 00:36:05,960
zu machen, mich zu verändern, mich zu entwickeln.</b>

485
00:36:05,960 --> 00:36:09,559
<b>Diese Macht habe ich im Grunde genommen über niemanden.</b>

486
00:36:09,559 --> 00:36:15,519
<b> Maßnahme 5: Handeln Kommen wir nun noch zur fünften und
abschließenden Maßnahme, die jeder sofort umsetzen kann.</b>

487
00:36:15,519 --> 00:36:18,719
<b>Und das ist handeln, ja, handeln.</b>

488
00:36:18,719 --> 00:36:20,480
<b>Egal was – aber beginnt damit.</b>

489
00:36:20,480 --> 00:36:24,400
<b>Denn durch das Tun selbst erfährt man Selbstwirksamkeit.</b>

490
00:36:24,400 --> 00:36:30,039
<b>Das Aktivwerden gibt Kraft und Hoffnung, weil
wir sehen, wie die Dinge in Bewegung kommen.</b>

491
00:36:30,039 --> 00:36:35,880
<b>Wir sehen, dass wir als Einzelperson etwas
bewirken können. Auch wenn es oft nur im Kleinen ist.</b>

492
00:36:35,880 --> 00:36:44,119
<b>Aber jeder Beitrag zählt. Auch wenn
es nur darum geht, Vorbild zu sein.</b>

493
00:36:44,119 --> 00:36:49,119
<b> Unsere Freiheit ist viel mehr als einmal alle vier oder fünf
Jahre ein Kreuzchen in irgendeiner Wahlkabine zu machen.</b>

494
00:36:49,119 --> 00:36:57,000
<b>Unsere Freiheit liegt daran, dass wir in jedem Moment unseren
Idealen entsprechend leben müssen mit allen Konsequenzen.</b>

495
00:36:57,000 --> 00:36:59,800
<b>Und das bedeutet letztlich</b>

496
00:36:59,800 --> 00:37:01,119
<b>Vorbild zu werden.</b>

497
00:37:01,119 --> 00:37:03,239
<b>Vorbild zu werden vor sich selbst.</b>

498
00:37:03,239 --> 00:37:05,480
<b>Vorbild zu werden vor seiner Familie.</b>

499
00:37:05,480 --> 00:37:07,320
<b>Vorbild zu werden vor seinem Umfeld.</b>

500
00:37:07,320 --> 00:37:11,779
<b>Jede Handlung eben so auszuüben, dass man
sich morgens auch in den Spiegel blicken kann und

501
00:37:11,779 --> 00:37:14,320
sagen kann, ja, ich lebe meinen Idealen gemäß.</b>

502
00:37:14,320 --> 00:37:18,320
<b>Ja, diese Welt, in der ich
lebe, ist vielleicht suboptimal.</b>

503
00:37:18,320 --> 00:37:20,079
<b>Sie ist vielleicht sogar dystopisch.</b>

504
00:37:20,079 --> 00:37:22,679
<b>Vielleicht riskiere ich vieles damit.</b>

505
00:37:22,679 --> 00:37:25,920
<b>Aber ich lebe diese Freiheit im einzelnen Leben.</b>

506
00:37:25,920 --> 00:37:33,000
<b> Ich denke, erst wenn tatsächlich eine signifikante Zahl von
Menschen überhaupt dazu kommt, selbst Vorbilder werden zu wollen,

507
00:37:33,000 --> 00:37:37,994
selbst im täglichen Leben das zu leben, was
sie wollen, dass die gesamte Gesellschaft eines

508
00:37:37,994 --> 00:37:40,760
Tages wird, nur dann kann es vorangehen.</b>

509
00:37:40,760 --> 00:37:43,119
<b>Und das ist natürlich der wichtige Schritt.</b>

510
00:37:43,119 --> 00:37:46,000
<b> Wir sollen sein, wer wir sind
und so handeln, wie wir sind.</b>

511
00:37:46,000 --> 00:37:50,261
<b>Nicht, weil wir uns daraus irgendetwas
erhoffen für die Geschichte oder die Politik im

512
00:37:50,261 --> 00:37:52,960
Generellen, sondern weil wir daran glauben.</b>

513
00:37:52,960 --> 00:38:00,162
<b>Und deshalb denke ich, dass auch diese Handhaltung Etiam si
omnes ego non, auch wenn alle anderen etwas tun,

514
00:38:00,162 --> 00:38:06,199
werde ich es noch lange nicht tun, ist die
Handlung oder ist die Haltung, die wir brauchen.</b>

515
00:38:06,199 --> 00:38:10,119
<b>Sich so zu verhalten, wie wir das wollen, aus Überzeugung.</b>

516
00:38:10,119 --> 00:38:13,986
<b>Und selbst wenn wir wissen, dass alles zum
Scheitern verurteilt ist, selbst wenn wir wissen, dass

517
00:38:13,986 --> 00:38:16,039
wir die Einzigen sind, es trotzdem zu machen.</b>

518
00:38:16,039 --> 00:38:20,511
<b>Aus Überzeugung, weil es unser Weg ist, weil wir
eben glauben, dass das Wichtige nicht irgendwie

519
00:38:20,511 --> 00:38:22,920
etwas ist, was mal in den Geschichtsbüchern steht.</b>

520
00:38:22,920 --> 00:38:29,855
<b> Und wenn wir dann nun auch tatsächlich entsprechend Bürger
haben und vor allen Dingen auch Politiker, die selbst Vorbilder

521
00:38:29,855 --> 00:38:36,280
sind, die das persönlich sind, was sie wollen, dass die
Gesellschaft wird, dann ist tatsächlich Wandel möglich.</b>

522
00:38:36,280 --> 00:38:39,119
<b>Und da braucht es auch jetzt nicht der vielen Millionen.</b>

523
00:38:39,119 --> 00:38:47,294
<b>Oft genügt eine Persönlichkeit, die wirklich ein
echtes Vorbild sein kann, wo viele Leute sich sagen können,

524
00:38:47,294 --> 00:38:51,679
so will ich eines Tages sein, dass Wandel möglich ist.</b>

525
00:38:51,679 --> 00:38:53,679
<b>Denken Sie allein ans Mittelalter.</b>

526
00:38:53,679 --> 00:38:59,960
<b> Was haben Personen wie Bernard de Clairvaux
oder der heilige Benedikt nicht alles bewirkt?</b>

527
00:38:59,960 --> 00:39:07,503
<b>Dadurch, dass sie aus eigener Kraft mal angefangen haben, ein
Kloster zu gründen und daraus eigentlich die gesamte spirituelle

528
00:39:07,503 --> 00:39:12,941
Neugeburt des Abendlandes zu bewirken und deshalb
auch Vorbilder zu sein für Generationen und

529
00:39:12,941 --> 00:39:16,880
Jahrhunderte von Leuten, die es eben auch so machen wollten.</b>

530
00:39:16,880 --> 00:39:22,824
<b>Da bedarf es nicht der Millionen Leute, die alle so
werden. Da bedarf es oft nur einer Person oder einer

531
00:39:22,824 --> 00:39:25,920
kleinen Gruppe, um unglaublich viel zu verwandeln.</b>

532
00:39:25,920 --> 00:39:32,639
<b>Aber selbst das ist wie gesagt
heute scheinbar sehr schwer möglich.</b>

533
00:39:32,639 --> 00:39:34,039
<b>Aber dahin müssen wir kommen.</b>

534
00:39:34,039 --> 00:39:36,719
<b>Das ist die Sache des Einzelnen.</b>

535
00:39:36,719 --> 00:39:40,280
<b> Ja, der Einzelne kann unheimlich viel bewirken.</b>

536
00:39:40,280 --> 00:39:47,039
<b>Alleine nur dadurch, dass er ist, dass er wirkt,
gesehen wird, mit anderen in Beziehung steht.</b>

537
00:39:47,039 --> 00:39:52,599
<b>Wir selbst können gar nicht erahnen, wie viel
jeder Einzelne von uns in Wahrheit bewirkt.</b>

538
00:39:52,599 --> 00:39:59,091
<b>Wir wissen nicht, für wie viele Menschen wir in
unserem Leben Vorbild geworden sind. Wie wenige Worte

539
00:39:59,091 --> 00:40:03,039
oft große Entwicklungen nach sich gezogen haben.</b>

540
00:40:03,039 --> 00:40:09,840
<b> Ja, wir brauchen andere Menschen in unserem Leben. Aber nein,
wir brauchen sie nicht zwingend, um die Welt zu verändern.</b>

541
00:40:09,840 --> 00:40:13,960
<b>Wir können jetzt damit beginnen. Nur für uns ganz allein.</b>

542
00:40:13,960 --> 00:40:15,519
<b> Dann ist das David gegen Goliath.</b>

543
00:40:15,519 --> 00:40:18,039
<b>Wir wissen, dass David am Ende gewinnt.</b>

544
00:40:18,039 --> 00:40:19,800
<b> Ja, David gewinnt.</b>

545
00:40:19,800 --> 00:40:25,006
<b>Und wenn man sich die Geschichte von David
und Goliath genau anschaut, dann können wir

546
00:40:25,006 --> 00:40:28,400
einige Parallelen zu unserer Zeit sehen.</b>

547
00:40:28,400 --> 00:40:31,719
<b>David hat nicht versucht, so zu kämpfen wie Goliath.</b>

548
00:40:31,719 --> 00:40:34,920
<b>Er hat keine Rüstung angezogen.
Er hat kein Schwert genommen.</b>

549
00:40:34,920 --> 00:40:37,639
<b>Er ist nicht in den Nahkampf gegangen.</b>

550
00:40:37,639 --> 00:40:41,679
<b>David hat erkannt, auf diesem Feld würde er verlieren.</b>

551
00:40:41,679 --> 00:40:43,599
<b>Also hat er etwas anderes getan.</b>

552
00:40:43,599 --> 00:40:49,400
<b> Er hat das genutzt, was er konnte, was er
gewohnt war. Seine Schleuder, seine Beweglichkeit.</b>

553
00:40:49,400 --> 00:40:51,760
<b>Und er ist auf Abstand geblieben.</b>

554
00:40:51,760 --> 00:40:54,760
<b>Dann hat er den Moment genutzt, einen einzigen.</b>

555
00:40:54,760 --> 00:40:59,199
<b>Er hat gezielt auf die eine
Stelle, an der Goliath verwundbar war.</b>

556
00:40:59,199 --> 00:41:01,920
<b>Und genau das hat den Unterschied gemacht.</b>

557
00:41:01,920 --> 00:41:03,440
<b>David hat nicht gezögert.</b>

558
00:41:03,440 --> 00:41:06,079
<b>Er hat nicht auf bessere Bedingungen gewartet.</b>

559
00:41:06,079 --> 00:41:09,280
<b>Er hat gehandelt, als sich die Gelegenheit geboten hat.</b>

560
00:41:09,280 --> 00:41:13,760
<b> Und vielleicht ist genau das der
entscheidende Punkt für uns heute.</b>

561
00:41:13,760 --> 00:41:17,199
<b>Veränderung bedeutet nicht, nach
den Regeln der Mächtigen zu spielen.</b>

562
00:41:17,199 --> 00:41:22,371
<b>Sie bedeutet, die eigenen Möglichkeiten zu
erkennen, die eigenen Stärken und den Mut zu

563
00:41:22,371 --> 00:41:26,039
haben, sie einzusetzen, wenn der Moment da ist.</b>

564
00:41:26,039 --> 00:41:28,920
<b>Die Gelegenheit selbst können wir nicht erzwingen.</b>

565
00:41:28,920 --> 00:41:35,920
<b> Aber wir können vorbereitet sein, klar,
wach. Damit wir nicht zögern, wenn sie kommt.</b>

566
00:41:35,920 --> 00:42:16,139
<b> </b>

567
00:43:08,400 --> 00:43:29,400
<b></b>

