WEBVTT

00:00.000 --> 00:05.106
<b></b>

00:05.106 --> 00:13.225
<b> Die Herrschaft über die Kinderstube ist das
größte politische Anliegen, um über Menschen, die</b>

00:13.225 --> 00:17.316
dann erwachsen werden, herrschen zu können.

00:17.316 --> 00:21.236
<b> </b>

00:21.236 --> 00:25.600
<b> Wie muss ich meine Botschaft
gestalten, damit die Menschen mitmachen?</b>

00:25.600 --> 00:29.239
<b>Meine erste Antwort ist immer, vergesst das.</b>

00:29.239 --> 00:30.719
<b>Ihr kriegt die Menschen nicht über die Botschaften.</b>

00:30.719 --> 00:33.079
<b>Die müssen durch eine eigene Erfahrung gehen.</b>

00:33.079 --> 00:35.325
<b>Die müssen selber Schmerz erleben.</b>

00:35.325 --> 00:38.199
<b> </b>

00:38.199 --> 00:45.566
<b> Spaltung ist ein Prinzip, damit Protestbewegungen genau
das nicht erreichen, nämlich sich um eine Person zu bündeln und</b>

00:45.566 --> 00:49.372
den Protest mehrheitsfähig und regierungsfähig zu machen.

00:49.372 --> 00:52.063
<b> </b>

00:52.063 --> 01:00.728
<b> Je mehr Leute den Blick gerichtet haben auf die
wesentlichen Konflikte, desto weniger wird in diesen</b>

01:00.728 --> 01:05.087
Kleinkriegen an Energie verbraten und Leid angerichtet.

01:05.087 --> 01:08.203
<b> </b>

01:08.203 --> 01:14.254
<b> Das kann eigentlich relativ schnell und
sogar bruchlos gehen, indem sich hier und da</b>

01:14.254 --> 01:18.640
eben einige Menschen zusammenschließen.

01:18.640 --> 01:33.185
<b> </b>

01:33.185 --> 01:46.340
<b> </b>

01:48.519 --> 01:52.079
<b> Veränderung beginnt mit einer einfachen Frage.</b>

01:52.079 --> 01:54.640
<b>Was können wir tun?</b>

01:54.640 --> 02:03.000
<b>Genau diese Frage stand im Zentrum des Freiheitsbarometers
2025, das ich gemeinsam mit dem A-WEF durchgeführt habe.</b>

02:03.000 --> 02:09.439
<b> Eine Online-Befragung, an der mehr als
unglaubliche 22.000 Menschen teilgenommen haben.</b>

02:09.439 --> 02:13.080
<b>22.000 Menschen, die eine klare Antwort gegeben haben.</b>

02:13.080 --> 02:14.639
<b>Sie haben genug.</b>

02:14.639 --> 02:21.800
<b>Genug von politischer Bevormundung, genug von medialer
Manipulation, genug von einer ausgehöhlten Demokratie.</b>

02:21.800 --> 02:26.080
<b>Der Wille, dagegen aufzustehen, ist
groß, aber ebenso groß sind die Blockaden.</b>

02:26.080 --> 02:28.080
<b> Wir wollen es wirklich wissen.</b>

02:28.080 --> 02:34.360
<b>Was lähmt den friedlichen Protest und was
braucht es, damit aus Frust endlich Bewegung wird?</b>

02:34.360 --> 02:38.520
<b> Also habe ich mich weiter auf die Suche
gemacht und ich habe Antworten gefunden.</b>

02:38.520 --> 02:42.400
<b>Liebe Zuseher, Sie hören nun geballte Fachkompetenz.</b>

02:42.400 --> 02:48.120
<b>Die Essenz von mehr als 10 Stunden
Gesprächsmaterial mit sieben renommierten Akademikern.</b>

02:48.120 --> 02:53.599
<b>Vom Historiker über den Psychoanalytiker
bis hin zum Kommunikationswissenschaftler.</b>

02:53.599 --> 02:59.520
<b> Hochkarätige Experten in ihrem Fach, die unsere zentralen
Fragen aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchten:</b>

02:59.520 --> 03:05.800
<b> Sieben mutige Menschen, die unbequeme Fragen
stellen und genauso unbequeme Antworten geben.</b>

03:05.800 --> 03:09.719
<b>Die hinterfragen und die selbst für Veränderung einstehen.</b>

03:09.719 --> 03:11.639
<b>Sie erheben ihre Stimme.</b>

03:11.639 --> 03:17.349
<b>Und gemeinsam haben wir in tiefgehenden
Gesprächen erarbeitet, wie es gelingen kann, all</b>

03:17.349 --> 03:20.479
unsere Kräfte für eine bessere Zukunft zu bündeln.

03:20.479 --> 03:27.822
<b>Wie wir gemeinsam stark sein können gegen Spaltung,
Korruption, Lügen und Propaganda, gegen Tyrannei und Krieg. Und</b>

03:27.822 --> 03:32.520
für Frieden, Freiheit, Menschlichkeit und Aufrichtigkeit.

03:32.520 --> 03:37.520
<b> Auch wenn wir nicht überall der gleichen Meinung
sind, gibt es gemeinsame Ziele, die uns verbinden.</b>

03:37.520 --> 03:41.120
<b> Und genau so wird es auch Ihnen gehen, liebe Zuseher.</b>

03:41.120 --> 03:46.639
<b>Denn auch Sie haben eingeschaltet, um zu
erfahren, wie aus Unzufriedenheit Wandel werden kann.</b>

03:46.639 --> 03:52.400
<b>Welche Hürden es gibt, welche Chancen
und was Sie selbst dazu beitragen können.</b>

03:52.400 --> 03:58.613
<b> Und ich kann Ihnen sagen: Wenn Sie sich diese
Fragen stellen, dann ist bereits ein erster großer Schritt</b>

03:58.613 --> 04:01.919
getan. Denn Veränderung beginnt bei einem selbst.

04:01.919 --> 04:05.639
<b>Der Einzelne ist weit mächtiger,
als er oft selbst von sich denkt. </b>

04:05.639 --> 04:13.827
<b> Die Herrschaft über die Kinderstube ist das
größte politische Anliegen, um über Menschen, die</b>

04:13.827 --> 04:18.680
dann erwachsen werden, herrschen zu können.

04:18.680 --> 04:22.600
<b>Die meisten Menschen werden von sich selbst entfremdet.</b>

04:22.600 --> 04:31.404
<b>Durch eben Erziehung, durch Beziehungsfehler, dass sie
nicht so werden können, wie sie angelegt sind, wie sie</b>

04:31.404 --> 04:36.399
sich entwickeln möchten, sondern wie sie werden müssen.

04:36.399 --> 04:44.120
<b>Schließlich aber gelingt es den meisten
Kindern, sich den Erwartungen anzupassen.</b>

04:44.120 --> 04:48.839
<b> Anpassung als Überlebensstrategie, so
beschreibt es Dr. Hans-Joachim Maaz.</b>

04:48.839 --> 04:51.680
<b>Etwas, das viele Menschen sehr früh lernen.</b>

04:51.680 --> 04:53.920
<b>Wer Erwartungen erfüllt, bekommt Anerkennung.</b>

04:53.920 --> 04:55.879
<b>Wer sich anpasst, fällt nicht auf.</b>

04:55.879 --> 04:58.560
<b>Und oft wird man dafür sogar belohnt.</b>

04:58.560 --> 05:01.199
<b>Dieses Muster kann lange funktionieren.</b>

05:01.199 --> 05:03.680
<b>Manche kommen damit gut durchs Leben.</b>

05:03.680 --> 05:07.319
<b>Problematisch wird es dann, wenn sich etwas verändert.</b>

05:07.319 --> 05:10.879
<b>Wenn die Welt unsicherer wird,
wenn alte Regeln nicht mehr greifen.</b>

05:10.879 --> 05:14.639
<b>Wenn gesellschaftliche Umbrüche
das eigene Weltbild erschüttern.</b>

05:14.639 --> 05:19.439
<b>Wenn sich das alte
Anpassungsverhalten nicht mehr richtig anfühlt.</b>

05:19.439 --> 05:21.800
<b>Dann, dann kann es zur Krise kommen.</b>

05:21.800 --> 05:24.800
<b>An diesem Punkt müsste eigentlich etwas passieren.</b>

05:24.800 --> 05:30.079
<b>Man müsste nach innen schauen, sich ehrlich
mit der eigenen Geschichte auseinandersetzen.</b>

05:30.079 --> 05:33.759
<b>Doch genau das vermeiden viele, weil es weh tut.</b>

05:33.759 --> 05:38.800
<b>Weil es alles in Frage stellt,
worauf das eigene Leben aufgebaut wurde.</b>

05:38.800 --> 05:42.519
<b> Statt etwas zu verändern, bleiben
viele angepasst - auch als Erwachsene.</b>

05:42.519 --> 05:46.759
<b>Selbst dann, wenn sie längst
spüren, dass sie unzufrieden sind.</b>

05:46.759 --> 05:53.363
<b>Aus seiner therapeutischen Arbeit berichtet Dr.
Maaz, dass manche Menschen sogar krank werden, weil sie</b>

05:53.363 --> 05:56.800
sich über Jahre verbogen und selbst belogen haben.

05:56.800 --> 05:59.279
<b> Und jetzt kommt etwas, das viele vielleicht kennen.</b>

05:59.279 --> 06:05.160
<b>Wenn Menschen beginnen, dieses Muster zu
lösen, geht es ihnen innerlich oft besser.</b>

06:05.160 --> 06:07.360
<b>Aber im Außen wird es schwieriger.</b>

06:07.360 --> 06:08.560
<b>Beziehungen verändern sich.</b>

06:08.560 --> 06:10.319
<b>Es entstehen Spannungen.</b>

06:10.319 --> 06:15.759
<b>Das ist allgemein sehr oft der Preis, den
man zahlt, wenn man beginnt, klar zu sehen.</b>

06:15.759 --> 06:21.879
<b>Etwas, das viele, der heute aufgewachten,
kritischen Menschen am eigenen Leib erfahren mussten.</b>

06:21.879 --> 06:26.160
<b> Und dieser Konflikt, der betrifft
nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder.</b>

06:26.160 --> 06:32.141
<b>Denn was passiert, wenn Eltern versuchen, ihren
Kindern ehrlich zu begegnen, wenn sie sie ermutigen, sie</b>

06:32.141 --> 06:36.519
selbst zu sein und die Dinge kritisch zu hinterfragen?

06:36.519 --> 06:41.240
<b>Dann geraten diese Kinder oft in
einen Konflikt, sagt Hans-Joachim Maaz.</b>

06:41.240 --> 06:48.160
<b>Einen Konflikt zwischen dem, was sie zu Hause erleben
und dem, was Schule und Gesellschaft von ihnen erwartet.</b>

06:48.160 --> 06:55.117
<b> Wir haben im Grunde genommen als Eltern nur die Chance,
unsere Kinder so zu erziehen, dass sie in eine</b>

06:55.117 --> 07:02.959
gestörte, in eine normopathische Gesellschaft passen oder
wir behandeln sie menschlicher, ehrlicher, offener.

07:02.959 --> 07:07.681
<b>Dann haben die Kinder ein großes
Problem, in einer normopathischen</b>

07:07.681 --> 07:12.000
Gesellschaft auch entsprechend Erfolg zu haben.

07:12.000 --> 07:14.639
<b> Das ist ein harter Befund.</b>

07:14.639 --> 07:16.959
<b>Eltern stehen vor einem Dilemma.</b>

07:16.959 --> 07:22.720
<b>Passen sie ihre Kinder an, haben sie
bessere Chancen, mit dem System mitzuhalten.</b>

07:22.720 --> 07:27.959
<b>Erziehen sie ihre Kinder offen, ehrlich
und kritisch, wird es für sie oft schwerer.</b>

07:27.959 --> 07:31.600
<b>Schwerer in einer Schule, schwerer in der Gesellschaft.</b>

07:31.600 --> 07:35.639
<b>Ein tragischer Widerspruch und
einer, den es zu diskutieren gilt.</b>

07:35.639 --> 07:43.560
<b>Vor allem, wie Eltern wirklich mit diesem Zwiespalt umgehen
sollten, um letztlich eine freie Gesellschaft zu erreichen.</b>

07:43.560 --> 07:44.879
<b>Ob die Lösung wirklich</b>

07:44.879 --> 07:49.842
<b>darin liegt, die Kinder zu Unehrlichkeit
und Schauspielerei zu erziehen, wage ich</b>

07:49.842 --> 07:52.759
für meinen Teil jedenfalls zu bezweifeln.

07:52.759 --> 07:59.970
<b> Wir sehen also, die Wurzel des Übels, der Angepasstheit,
der Untertänigkeit und der Unfähigkeit, für sein Recht</b>

07:59.970 --> 08:04.439
einzustehen, liegt oft bereits in der Kindheit und Jugend.

08:04.439 --> 08:10.160
<b>Wer nie gelernt hat, für sich einzustehen,
tut sich auch als Erwachsener schwer damit.</b>

08:10.160 --> 08:15.011
<b>Das alles aufzulösen ist entscheidend,
wenn wir eine aufgeklärte, mündige und</b>

08:15.011 --> 08:18.240
eigenverantwortliche Gesellschaft wollen.

08:18.240 --> 08:21.839
<b>Es ist aber nichts, das von heute auf morgen möglich ist.</b>

08:21.839 --> 08:28.279
<b>Was aber hingegen sofort verändert werden kann, ist
unser eigenes Verhalten gegenüber unseren Mitmenschen.</b>

08:28.279 --> 08:29.600
<b>Jetzt gleich.</b>

08:29.600 --> 08:33.499
<b>Und damit kommen wir zu einem weiteren großen Thema.</b>

08:33.499 --> 08:41.903
<b> </b>

08:41.903 --> 08:49.573
<b> All jene, denen es gelungen ist, aus der Angepasstheit
auszubrechen und selbstständig, eigenverantwortlich und mutig</b>

08:49.573 --> 08:54.039
durchs Leben zu gehen, tragen ein großes Geschenk in sich.

08:54.039 --> 09:00.840
<b>Klarheit, Mut, Eigenverantwortung, die Fähigkeit
zu hinterfragen und für sich selbst einzustehen.</b>

09:00.840 --> 09:05.338
<b>Mit diesem Geschenk können sie auch
anderen helfen, jenen, die noch nicht aus ihrer</b>

09:05.338 --> 09:08.159
Haut können, es vielleicht aber wollen.

09:08.159 --> 09:13.039
<b>Doch dafür braucht es Gemeinschaft,
Austausch, Unterstützung, Netzwerke.</b>

09:13.039 --> 09:21.720
<b>Denn wie es so treffend heißt, nur gemeinsam sind wir stark.
Und ja, genau so ist es. Allein bleibt man oft stehen.</b>

09:21.720 --> 09:26.679
<b> Das Freiheitsbarometer 2025 zeigt,
dass sich viele Menschen allein fühlen.</b>

09:26.679 --> 09:31.279
<b>Sie würden sich gerne stärker engagieren, doch
es fehlt ihnen an Gemeinschaft und Zusammenhalt.</b>

09:31.279 --> 09:35.519
<b>Und die Umfrage zeigt auch
deutlich, dass viele Folgendes erkennen.</b>

09:35.519 --> 09:42.720
<b>Die Spaltung, bewusst von Medien und Politik vorangetrieben,
verhindert eine gemeinsame Schlagkraft für gemeinsame Ziele.</b>

09:42.720 --> 09:49.279
<b> Auch für die Politikwissenschaftlerin und
Demokratieforscherin Professor Ulrike Guérot ist klar.</b>

09:49.279 --> 09:56.700
<b> Spaltung ist ein Prinzip, damit Protestbewegungen genau
das nicht erreichen, nämlich sich um eine Person zu bündeln und</b>

09:56.700 --> 10:01.039
den Protest mehrheitsfähig und regierungsfähig zu machen.

10:01.039 --> 10:02.960
<b> Spaltung ist kein Zufall.</b>

10:02.960 --> 10:07.320
<b>Sie ist ein altes Herrschaftsprinzip: teile und herrsche.</b>

10:07.320 --> 10:10.799
<b>Etwas, das seit mehreren Jahrtausenden angewandt wird.</b>

10:10.799 --> 10:15.519
<b>Heute heißt es links gegen rechts,
geimpft gegen ungeimpft, Frau gegen Mann.</b>

10:15.519 --> 10:19.600
<b>Überall wird sie angesetzt, die
Spaltung, das Gegeneinander.</b>

10:19.600 --> 10:24.640
<b>Die führende Politik und ihre Medien säen
Zwietracht, hetzen gegeneinander auf, arbeiten mit</b>

10:24.640 --> 10:27.759
Kontaktschuld, teilen in Gute und Schlechte.

10:27.759 --> 10:33.546
<b>Höchstwahrscheinlich genau deshalb, damit sich das
Volk nicht vereint, gemeinsam stark sein kann für höhere</b>

10:33.546 --> 10:36.519
Ziele, die die vielen eigentlich verbinden würden.

10:36.519 --> 10:41.159
<b>Frieden, Freiheit, eine gerechte
Welt, ein gutes Leben für alle.</b>

10:41.159 --> 10:47.399
<b> Um daran gemeinsam zu arbeiten, bräuchte
es einen Dialog, der aber verhindert wird.</b>

10:47.399 --> 10:55.080
<b>Stattdessen werden wir in kleine Grabenkämpfe verwickelt, sagt
der Kommunikationsexperte und Psychologe Dr. Roman Braun.</b>

10:55.080 --> 10:59.360
<b>Ihm nach sollen dort, in diesen
Grabenkämpfen, all unsere Kräfte verpuffen.</b>

10:59.360 --> 11:05.799
<b>Wir sollen abgelenkt werden, während die wahren Machenschaften,
die uns wirklich schaden, im Hintergrund passieren.</b>

11:05.799 --> 11:10.165
<b> Wenn Menschen erkennen, dass der Gegner
nicht der andere Bürger ist, sondern die</b>

11:10.165 --> 11:13.360
Mechanismen dahinter, dann verändert sich etwas.

11:13.360 --> 11:16.440
<b>Dann wird wieder Raum frei für echtes Handeln.</b>

11:16.440 --> 11:18.200
<b>Spaltung schwächt.</b>

11:18.200 --> 11:21.919
<b>Das zeigt sich nicht nur heute,
sondern auch in der Geschichte.</b>

11:21.919 --> 11:28.159
<b> Der Historiker und Philosoph Professor David Engels weist
darauf hin, dass Widerstand immer Gemeinschaft braucht.</b>

11:28.159 --> 11:31.519
<b>Ohne ein gemeinsames Wir bleibt Protest wirkungslos.</b>

11:31.519 --> 11:38.480
<b>Er spricht von Bürgerrevolutionen aus vergangenen Zeiten,
die es heute in der Form kaum mehr geben wird, weil …</b>

11:38.480 --> 11:44.753
<b> Solche Elemente des Widerstands, der Revolution, bedürfen
natürlich auch einer entsprechend</b>

11:44.753 --> 11:51.279
solidarischen Bürgergemeinschaft oder Volksmasse,
oder wie auch immer Sie das nennen sollen.

11:51.279 --> 11:58.357
<b> Das andere Problem ist aber auch, dass eben dieses Volk
meistens in Europa sich ja in sich selbst nicht mehr</b>

11:58.357 --> 12:04.930
wiedererkennt, weil es eben durch Identitätspolitik
und Migration auch dermaßen aufgesplittert ist, dass

12:04.930 --> 12:08.679
auch keine natürliche Solidarität mehr besteht.

12:08.679 --> 12:14.600
<b> Wenn Menschen sich nicht mehr verbunden fühlen,
wird es schwer, gemeinsam für etwas einzustehen.</b>

12:14.600 --> 12:18.600
<b>Wenn jeder nur noch für sich
kämpft, fehlt die Kraft für Veränderung.</b>

12:18.600 --> 12:22.085
<b>Und genau das erleben wir heute oft.</b>

12:22.085 --> 12:29.883
<b> </b>

12:29.883 --> 12:37.679
<b> Werte sind das, was Gesellschaften
zusammenhält, was sie gemeinsam stark macht und verbindet.</b>

12:37.679 --> 12:46.120
<b>Werte sind auch das, was Menschen trägt, was ihnen Orientierung
gibt und was sie bereit macht, auch etwas zu riskieren.</b>

12:46.120 --> 12:52.384
<b>Professor Engels sagt klar: Ohne höhere Werte, die über das
eigene Leben und das persönliche Glück</b>

12:52.384 --> 12:58.960
hinausweisen, wird kaum jemand für Ziele wie
Frieden, Freiheit oder Gerechtigkeit eintreten.

12:58.960 --> 13:03.360
<b>Zumindest, solange er nicht
unmittelbar selbst betroffen ist.</b>

13:03.360 --> 13:08.960
<b>Darin sieht er derzeit ein zentrales Problem, wenn
es um den Protest gegen aktuelles Unrecht geht.</b>

13:08.960 --> 13:14.662
<b>Viele Menschen lebten noch zu komfortabel, um
ihre Komfortzone zu verlassen, und zwar dann, wenn</b>

13:14.662 --> 13:17.960
das eigene Wohlbefinden als höchstes Gut gilt.

13:17.960 --> 13:22.440
<b>Gerade dann fehle die Bereitschaft, es
für übergeordnete Ziele zu riskieren.</b>

13:22.440 --> 13:29.000
<b>Für den Christen Professor Engels liegt die
Ursache dieses Mangels vor allem im fehlenden Glauben.</b>

13:29.000 --> 13:35.046
<b> Das Problem ist, dass in einer Gesellschaft, in der keine
wirklich absolute Wahrheit mehr gilt und in der das eigene Leben</b>

13:35.046 --> 13:41.235
eigentlich sehr materialistisch gesehen wird, in der nicht mehr
an eine Wahrheit, nicht mehr an Gott, nicht mehr an ein Jenseits,

13:41.235 --> 13:45.601
nicht mehr an Absolutes geglaubt wird, sondern man
eigentlich nur noch sein eigenes kleines

13:45.601 --> 13:49.159
hiesiges Leben als das Wichtigste und Absolute setzt.

13:49.159 --> 13:55.634
<b>In einer solchen Situation haben wir natürlich wenig Gründe,
tatsächlich auf die Straße zu gehen, etwas zu</b>

13:55.634 --> 14:01.399
opfern, Komfort zu opfern, vielleicht das
eigene Leben zu opfern für einen höheren Sinn.

14:01.399 --> 14:07.360
<b> Da kann natürlich ein ungerechtes Regime schon
ziemlich weit treiben, bevor die Leute auf die Straße gehen.</b>

14:07.360 --> 14:13.623
<b>Zudem gleichzeitig auch noch die Solidarität der
Menschen aufgebrochen worden ist, durch Massenmigration,</b>

14:13.623 --> 14:16.879
durch Identitätspolitik, durch Familienzerfall.

14:16.879 --> 14:19.399
<b>Selbst die Familie ist ja mittlerweile aufgesplittert.</b>

14:19.399 --> 14:25.285
<b>Das heißt, es ist eigentlich, jedenfalls
seitens der Europäer, nur noch sehr weniges da,</b>

14:25.285 --> 14:28.159
für das es sich irgendwie zu kämpfen lohnt.

14:28.159 --> 14:32.480
<b> Solange das eigene Leben halbwegs
bequem ist, bleibt man oft sitzen.</b>

14:32.480 --> 14:37.200
<b>Komfort macht ruhig. Und genau das ist Teil des Problems.</b>

14:37.200 --> 14:41.519
<b>Professor Engels rückt den Glauben an Gott ins
Zentrum, wenn er von höheren Werten spricht.</b>

14:41.519 --> 14:45.771
<b>Menschen können jedoch selbstverständlich auch
von anderen, übergeordneten Werten getragen</b>

14:45.771 --> 14:48.639
werden, die sie motivieren und ihnen Kraft geben.

14:48.639 --> 14:54.416
<b> Entscheidend ist, dass wir unsere Komfortzone nur
dann verlassen, wenn wir auf dieser Welt mehr bewirken</b>

14:54.416 --> 14:58.960
wollen, als lediglich das eigene Glück zu maximieren.

14:58.960 --> 15:04.279
<b>Der Sozialwissenschaftler Günter Roth
verweist auf einen ähnlichen Kern.</b>

15:04.279 --> 15:10.440
<b>Nüchtern formuliert er: Wer nur abwägt,
ob sich Protest lohnt, wird selten aktiv.</b>

15:10.440 --> 15:12.639
<b>Viele würden aber genau das tun.</b>

15:12.639 --> 15:17.600
<b>Sie entscheiden aus einer reinen
Kosten-Nutzen-Analyse heraus, ob sie aktiv werden.</b>

15:17.600 --> 15:20.879
<b>Und da ist es oft lohnender, stillzuhalten.</b>

15:20.879 --> 15:30.654
<b> Und es ist auch so, das kennt man ja auch aus Experimenten
zum Hilfeverhalten: Je mehr Leute zuschauen, je mehr</b>

15:30.654 --> 15:39.960
Leute ein Problem oder einen Unfall sehen, desto
geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass jemand hilft.

15:39.960 --> 15:42.639
<b>Desto größer ist die
Wahrscheinlichkeit, dass alle auf die anderen warten.</b>

15:42.639 --> 15:50.759
<b>Es ist leider so, dass wir eben übersättigt sind und wir
leben ja auch in einer extrem wohlhabenden Gesellschaft.</b>

15:50.759 --> 15:52.480
<b> Viele arrangieren sich.</b>

15:52.480 --> 15:54.159
<b>Andere ziehen sich zurück.</b>

15:54.159 --> 15:56.080
<b>Wieder andere wandern aus.</b>

15:56.080 --> 15:59.200
<b>Protest wird verschoben oder ganz aufgegeben.</b>

15:59.200 --> 16:04.519
<b> Auch die Politikwissenschaftlerin Professor
Ulrike Guérot sieht darin ein großes Problem.</b>

16:04.519 --> 16:12.000
<b>Sie spricht von Rückzug und Flucht als maßgebliches Problem,
wenn es um die Frage geht: Wer steht eigentlich auf?</b>

16:12.000 --> 16:19.071
<b> Ich glaube, das größere Problem anstatt
Protest und der Wirklosigkeit des Protestes ist</b>

16:19.071 --> 16:22.399
fast noch diese Tendenz zur Privatisierung.

16:22.399 --> 16:27.799
<b>Ich bin erschöpft, ich kann nicht mehr, das nützt
alles nichts mehr. Wir kommen nirgendwo mehr hin.</b>

16:27.799 --> 16:33.320
<b> Ja, viele Menschen sind entmutigt. Viele
wandern aus, aus Angst vor dem, was kommt.</b>

16:33.320 --> 16:39.799
<b>Andere verlagern ihren Protest ins Ausland, weil sie
im eigenen Land persönliche Konsequenzen fürchten.</b>

16:39.799 --> 16:44.846
<b>Diese Angst vor individuellen Nachteilen hält
generell viele davon ab, sich in irgendeiner</b>

16:44.846 --> 16:47.960
Form öffentlich zu äußern oder zu engagieren.

16:47.960 --> 16:52.440
<b>Ein Problem, das ebenfalls der
Kommunikationswissenschaftler Michael Meyen anspricht.</b>

16:52.440 --> 16:54.279
<b> Mayen formuliert es klar.</b>

16:54.279 --> 17:02.279
<b>Es wird gelabelt. Es wird ein Etikett auf diejenigen geklebt,
die Protest ausüben oder einfach nur kritisch hinterfragen.</b>

17:02.279 --> 17:09.405
<b>Sie werden schlecht gemacht und sie werden klein
gemacht. Damit wir folgende Wahrheit nicht herausfinden:</b>

17:09.405 --> 17:16.818
<b> </b>

17:16.818 --> 17:19.319
<b> Ja genau, wir sind viele.</b>

17:19.319 --> 17:21.039
<b>Viel mehr als wir denken.</b>

17:21.039 --> 17:27.720
<b>Denn diejenigen, die gegen Unrecht aufstehen, die
warnen und Lügen aufzeigen, werden gezielt klein gehalten.</b>

17:27.720 --> 17:34.799
<b>Dadurch erscheint ihre Zahl geringer, ihr Einfluss
schwächer und ihr Wert niedriger, als er tatsächlich ist.</b>

17:34.799 --> 17:40.200
<b>Diese Wahrnehmung entspricht jedoch weniger der Realität,
als vielmehr dem Ergebnis erfolgreicher Propaganda.</b>

17:40.200 --> 17:43.200
<b>Besonders junge Menschen lassen sich davon abschrecken.</b>

17:43.200 --> 17:50.316
<b>Jene, die noch viel zu verlieren haben und deshalb davor
zurückschrecken, sich auf die Seite der Schwurbler</b>

17:50.316 --> 17:57.000
oder Rechtsextremen oder was es sonst noch für
Bezeichnungen gibt, auf jene Seite zu schlagen.

17:57.000 --> 18:02.480
<b>Der Kommunikationswissenschaftler Michael
Meyen stellt klar: Protestpotenzial gibt es.</b>

18:02.480 --> 18:06.119
<b>Es ist auch nicht klein, aber es ist ungleich verteilt.</b>

18:06.119 --> 18:09.839
<b> Wir wissen ja ungefähr, dass dieses
Protestpotenzial ein Drittel der Bevölkerung ist.</b>

18:09.839 --> 18:13.680
<b>Wir wissen auch, wo dieses
Protestpotenzial sitzt oder wohnt.</b>

18:13.680 --> 18:20.962
<b>Es ist eher eine ältere Klientel, eine eher ländliche Klientel.
Eher keine erfolgreichen Unternehmer. Niemand, der noch darauf</b>

18:20.962 --> 18:24.519
angewiesen ist, vom Staat irgendwas geschenkt zu bekommen.

18:24.519 --> 18:26.160
<b> Junge Leute riskieren im Zweifel alles.</b>

18:26.160 --> 18:27.440
<b>Das wissen wir aus der Revolutionsgeschichte.</b>

18:27.440 --> 18:32.174
<b>Es waren immer junge Leute, die den Wandel
gebracht haben, weil die bereit waren, für ein</b>

18:32.174 --> 18:34.799
noch sehr langes Leben sehr viel zu riskieren.

18:34.799 --> 18:37.440
<b>Das ist bei Älteren schon schwieriger.</b>

18:37.440 --> 18:38.759
<b>Es ist auf dem Lande sehr viel schwieriger.</b>

18:38.759 --> 18:44.197
<b>Es ist vor allem deshalb schwierig, wenn man weiß, dass die
Macht – da wo darüber bestimmt wird, wie Wirklichkeit zu</b>

18:44.197 --> 18:48.812
interpretieren ist – dass die Macht heute in den
Universitätsstädten ist, in den großen Städten liegt

18:48.812 --> 18:51.880
und eben nicht da, wo eher Protestpotenzial ist.

18:51.880 --> 18:56.720
<b> Und dazu käme noch, dass die Umdeutung der
Geschichte die jungen Menschen entmutigen würde.</b>

18:56.720 --> 19:03.118
<b> Wenn man in die Vergangenheit schaut, dann sehen wir, dass
alles, was vor 1933 war, mittlerweile als</b>

19:03.118 --> 19:08.839
Vorgeschichte des Nationalsozialismus der
dunklen deutschen Vergangenheit gelabelt wird.

19:08.839 --> 19:15.319
<b>Das macht es schwer, sich auf positive Dinge aus
den Jahrhunderten, den Jahren davor zu beziehen.</b>

19:15.319 --> 19:19.880
<b>Den Deutschen wird zum Beispiel immer wieder
eingeredet, dass Revolution so und so und so nichts bringt.</b>

19:19.880 --> 19:22.200
<b>Jede Revolution in Deutschland ist gescheitert.</b>

19:22.200 --> 19:24.680
<b> Stimmt überhaupt nicht, wenn man
sich die Dinge genauer anschaut. </b>

19:24.680 --> 19:29.121
<b>Wenn man sich die 1848er-Revolution anschaut in der
Langzeitwirkung, wenn man sich die</b>

19:29.121 --> 19:34.880
1918er-Revolution anschaut, den Matrosenaufstand; wenn man
sich die 89er-Revolution in der DDR anschaut.

19:34.880 --> 19:39.480
<b>In der Erzählung, in den Narrativen über diese
Revolution werden die wichtigen Dinge aber unterschlagen.</b>

19:39.480 --> 19:46.349
<b>Wenn mir nicht erzählt wird, dass die Revolutionen im ersten
Moment scheinbar gescheitert sind, weil die Revolutionäre nicht</b>

19:46.349 --> 19:52.514
bereit waren, zum letzten Mittel zu greifen – nämlich ihre
Gegner einfach umzubringen – sondern auf Verhandlungen,

19:52.514 --> 19:55.759
auf normales menschliches Zusammensein gesetzt haben. 

19:55.759 --> 20:01.953
<b>Wenn mir das nicht erzählt wird, dann verstehe ich nicht,
warum die 1848er Revolutionäre entweder tot</b>

20:01.953 --> 20:07.559
waren oder halt nach Amerika geflohen sind oder in
der Bedeutungslosigkeit verschwunden sind.

20:07.559 --> 20:09.519
<b> Und dann kommt noch etwas dazu.</b>

20:09.519 --> 20:14.240
<b>Den Menschen wird erzählt, sie seien
allein Teil einer verrückten Minderheit.</b>

20:14.240 --> 20:18.319
<b>Das funktioniert, indem Protest
schlicht nicht gezeigt wird.</b>

20:18.319 --> 20:22.821
<b>So wird verhindert, dass sich andere
anschließen. Und ebenso, dass ein öffentlicher Diskurs</b>

20:22.821 --> 20:26.279
über die kritisierten Themen überhaupt entsteht.

20:26.279 --> 20:32.799
<b>Für die Politikwissenschaftlerin Ulrike Guérot ist
deshalb klar: Protest kann nur wirken, wenn er sichtbar ist.</b>

20:32.799 --> 20:35.319
<b>Genau das sei jedoch oft nicht der Fall. </b>

20:35.319 --> 20:39.680
<b>Vor allem dann nicht, wenn Protest
dem herrschenden Regime missfällt.</b>

20:39.680 --> 20:43.839
<b>Es läge also oft nicht daran,
dass es zu wenig Protest gebe.</b>

20:43.839 --> 20:47.119
<b>Das Problem läge vor allem woanders.</b>

20:47.119 --> 20:49.799
<b> Das heißt, ich finde, wir haben
eigentlich sehr viel Protest.</b>

20:49.799 --> 20:52.400
<b>Das Problem ist, dass der Protest nirgendwo hinführt.</b>

20:52.400 --> 20:59.585
<b>Der Protest scheint sich nicht irgendwie zu artikulieren, dass
Gesetzgebung geändert wird, dass Rücktritte erfolgen, dass</b>

20:59.585 --> 21:05.205
Vertrauen wiederhergestellt wird. Also dass
irgendwie Maßnahmen gezogen werden, wo die Leute dann

21:05.205 --> 21:08.160
auch sehen: Der Protest hat etwas gefruchtet.

21:08.160 --> 21:12.839
<b> Das heißt, meine Frage ist
nicht, ob wir genug demonstrieren.</b>

21:12.839 --> 21:15.000
<b>Meine Frage ist: Wo bleibt der Protest?</b>

21:15.000 --> 21:19.839
<b>Das ist meine erste Frage. Und der
scheint nirgendwo mehr hinzuführen.</b>

21:19.839 --> 21:24.039
<b> Und die zweite Frage ist: Welcher
Protest ist heute der gute Protest?</b>

21:24.039 --> 21:29.746
<b>Denn wir haben ja im Grunde eine Meinungslandschaft,
die im Grunde gespalten ist. Und insofern unterscheiden</b>

21:29.746 --> 21:32.720
wir ja auch schon Protest in gut oder in schlecht.

21:32.720 --> 21:37.859
<b> Also wenn wir zum Beispiel Protest haben wie
letztes Jahr – alle gegen rechts – dann ist das guter</b>

21:37.859 --> 21:40.920
Protest. Der wird überall gezeigt, in allen Medien.

21:40.920 --> 21:48.198
<b> Wenn aber, wie vor kurzem in Den Haag zum Beispiel,
wirklich sehr, sehr große Proteste waren gegen Gaza, gegen den</b>

21:48.198 --> 21:52.240
Völkermord im Gazastreifen, dann wird das nicht gezeigt.

21:52.240 --> 21:54.680
<b>Wir haben auch die Frage: Welcher Protest wird gezeigt?</b>

21:54.680 --> 22:01.777
<b> Wir haben in den letzten Jahren eine
Situation, wo der Protest als Störung der öffentlichen</b>

22:01.777 --> 22:05.960
Ordnung, auch in Gesetzen sozusagen verboten wird. 

22:05.960 --> 22:09.440
<b>Und das deswegen dazu führt, dass
der Protest immer stiller wird.</b>

22:09.440 --> 22:15.240
<b> Ähnlich wie beim Protest verhält es sich auch in der
Wissenschaft, jenem Bereich, in dem Wissen entsteht.</b>

22:15.240 --> 22:21.480
<b>Wissen, auf dessen Grundlage Politik, Medizin und
letztlich die gesamte Gesellschaft Entscheidungen treffen.</b>

22:21.480 --> 22:25.279
<b>Doch auch hier werden nur bestimmte Narrative zugelassen.</b>

22:25.279 --> 22:30.782
<b>Abweichende Forschungsansätze werden nicht selten
durch Framings wie rechtsextrem oder unseriös</b>

22:30.782 --> 22:34.400
diskreditiert und so von vornherein unglaubwürdig gemacht.

22:34.400 --> 22:40.520
<b> Es gibt aber Kollegen auch hier, die sagen,
nee, wir brauchen das Kontroversitätsgebot bei manchen</b>

22:40.520 --> 22:44.759
Sachen nicht mehr, z. B. beim Klimawandel, ja. 

22:44.759 --> 22:50.545
<b>Und das fand ich ganz interessant, weil dieser Kollege beim
Klimawandel dann gesagt hat, er möchte sich</b>

22:50.545 --> 22:56.599
gerne erst mal sachanalytisch das angucken, um zu
zeigen, dass das gar nicht kontrovers ist.

22:56.599 --> 23:02.408
<b>So, jetzt habe ich, naiv wie ich bin, ich habe
gedacht: Okay, der wird jetzt irgendwelche</b>

23:02.408 --> 23:05.880
Klimadaten oder Klima-Zusammenhänge da darstellen.

23:05.880 --> 23:07.400
<b>Hat er aber gar nicht.</b>

23:07.400 --> 23:14.236
<b>Er hat eine Studie genommen, die zeigt, dass in Europa
Klimawandel hauptsächlich von rechtsradikalen oder</b>

23:14.236 --> 23:18.160
rechtsextremen Parteien sozusagen in Frage gestellt wird.

23:18.160 --> 23:24.559
<b>Und deswegen, weil die seien ja
verfassungswidrig, müsste man das nicht behandeln.</b>

23:24.559 --> 23:30.421
<b>Also wenn so was als wissenschaftliche
Aussage auch nur irgendwie ernst genommen</b>

23:30.421 --> 23:33.920
wird, dann haben wir ein echtes Problem.

23:33.920 --> 23:38.359
<b> Viele halten sich zurück. Viele sagen
lieber nichts. Aus verschiedensten Gründen:</b>

23:38.359 --> 23:45.799
<b>Das kann Vorsicht sein, oder aus Angst oder aus Unsicherheit,
oder einfach aus einem Mangel an Möglichkeiten.</b>

23:45.799 --> 23:47.839
<b>Ulrike Guérot sieht das ganz ähnlich.</b>

23:47.839 --> 23:50.599
<b>Auch sie sagt, so geht es nicht weiter.</b>

23:50.599 --> 23:53.880
<b>Protest muss lauter werden. Und er muss größer werden. </b>

23:53.880 --> 23:57.759
<b>Denn nur dann hätten wir eine
Chance, dass er auch gesehen wird.</b>

23:57.759 --> 24:02.946
<b> Das heißt, worüber wir reden, ist, dass Bürger
einem Unmut Ausdruck geben wollen, und dass dieser</b>

24:02.946 --> 24:05.960
Unmut sich übersetzt in eine politische Änderung.

24:05.960 --> 24:12.200
<b>Und das passiert einfach nicht mehr. Weder
über Online-Protest noch über analogen Protest.</b>

24:12.200 --> 24:15.799
<b>Jetzt ist die Frage, ob das dann
noch die richtige Protestform ist.</b>

24:15.799 --> 24:17.440
<b>Die Antwort ist eigentlich nein.</b>

24:17.440 --> 24:20.519
<b>Und die Frage wäre: Wo könnte man
den Protest denn dann ansetzen?</b>

24:20.519 --> 24:25.400
<b> Natürlich könnten andere
radikale Protestformen funktionieren.</b>

24:25.400 --> 24:27.200
<b>Ich sage jetzt mal Generalstreik.</b>

24:27.200 --> 24:29.519
<b>Zum Beispiel, dass wir nicht in den Krieg gehen wollen.</b>

24:29.519 --> 24:36.079
<b> Andere Protestformen könnten natürlich sein, dass man sich
sozusagen auf der individuellen Ebene den Dingen entzieht.</b>

24:36.079 --> 24:38.880
<b>Da kann ich nur sagen, sie sind halt sehr aufwendig.</b>

24:38.880 --> 24:43.316
<b>Man muss sehr engagiert sein. Man muss sehr viel
recherchieren, um zu sagen: Ich mache da nicht mit,</b>

24:43.316 --> 24:45.839
das zahle ich nicht. Da gehe ich nicht mehr hin.

24:45.839 --> 24:49.880
<b>Keine Ahnung, ich kaufe nicht bei
Amazon. Ich zahle nur noch mit Bargeld.</b>

24:49.880 --> 24:55.880
<b>Also das kann man natürlich alles machen. Und das
sind sehr konkrete persönliche Verweigerungsstrategien.</b>

24:55.880 --> 24:59.519
<b> Aber die Frage ist dann
tatsächlich, wie lange Sie das durchhalten.</b>

24:59.519 --> 25:03.321
<b> Insofern sind das, glaube ich, die
Protestformen: Demonstrationen,</b>

25:03.321 --> 25:06.559
Generalstreik, individueller Protest im Kleinen.

25:06.559 --> 25:11.640
<b> Wie kann es gelingen, möglichst
viele Menschen zum Mitmachen zu bewegen?</b>

25:11.640 --> 25:18.315
<b>Viele glauben, es müsste nur die richtige Botschaft
richtig kommuniziert werden, dass die mangelnde Bereitschaft zur</b>

25:18.315 --> 25:22.200
Teilhabe, also vor allem ein Kommunikationsproblem sei.

25:22.200 --> 25:25.000
<b>Fehlanzeige, sagt da Michael Meyen.</b>

25:25.000 --> 25:27.799
<b>Es ginge um etwas ganz anderes.</b>

25:27.799 --> 25:32.960
<b> Das ist eine Frage, die an mich als Medienforscher
fast immer als allererstes herangetragen wird.</b>

25:32.960 --> 25:37.359
<b>Wie muss ich meine Botschaft
gestalten, damit die Menschen mitmachen?</b>

25:37.359 --> 25:40.759
<b>Meine erste Antwort ist immer: Vergesst das.</b>

25:40.759 --> 25:44.880
<b>Ihr kriegt die Menschen nicht über die
Botschaften, die müssen durch eine eigene Erfahrung gehen.</b>

25:44.880 --> 25:50.559
<b>Die müssen selber Schmerz erleben, die müssen mitbekommen,
dass sich etwas ändern muss, damit es ihnen besser geht.</b>

25:50.559 --> 25:54.506
<b>Nur mit Kommunikationsbotschaften wird man
Menschen nicht dazu bringen, Dinge zu tun, von denen</b>

25:54.506 --> 25:57.200
man selber glaubt, dass sie getan werden müssen.

25:57.200 --> 25:58.759
<b>Das ist ein Problem.</b>

25:58.759 --> 26:03.322
<b>Es ist auch deshalb ein Problem, weil wir
wissen, dass der Lebenszyklus eine gewisse Zeit</b>

26:03.322 --> 26:06.319
verlangt, bis man solche Erfahrungen machen kann.

26:06.319 --> 26:10.079
<b>Bis man die Erfahrung macht, dass man an
Wände stößt, dass es nicht mehr weitergeht.</b>

26:10.079 --> 26:16.646
<b>Ich habe in meiner Forschung immer auch gefragt, was dazu
führt, dass der eine Mensch auf der Protestseite gelandet</b>

26:16.646 --> 26:22.799
ist und der andere Mensch im Zweifel die Antifa finanziert oder
bei Omas gegen Rechts steht oder solchen Gruppierungen.

26:22.799 --> 26:28.282
<b>Und es ist immer eine Erfahrung, die sich beißt mit der
Erzählung, die über die Staatsmedien oder über</b>

26:28.282 --> 26:33.400
die anderen Bildungskanäle, Universitäten,
Schulen, Volkshochschulen, Museen verbreitet wird.

26:33.400 --> 26:35.319
<b>Es muss eine persönliche Erfahrung sein.</b>

26:35.319 --> 26:38.519
<b> Das dauert vor allen Dingen, wenn man
jung ist, wenn man noch reinkommen will.</b>

26:38.519 --> 26:39.839
<b>Ich würde junge Leute gar nicht verurteilen.</b>

26:39.839 --> 26:41.519
<b>Die müssen erst mal ein eigenes Leben aufbauen.</b>

26:41.519 --> 26:43.319
<b>Die müssen sich auch deshalb anpassen. </b>

26:43.319 --> 26:45.680
<b>Die müssen versuchen, in eine Position zu kommen.</b>

26:45.680 --> 26:49.519
<b>Und dann werden sie irgendwann die Erfahrung machen,
dass es vielleicht auch für sie nicht weitergeht.</b>

26:49.519 --> 26:54.200
<b>Man muss da Geduld haben und weniger
an dem Design der Botschaften feilen.</b>

26:54.200 --> 26:58.039
<b> Diese Impfpflicht wäre was
gewesen, was in den Körper gegangen wäre.</b>

26:58.039 --> 27:02.446
<b>Und da waren die Leute bereit, völlig
unabhängig von der Kommunikation, jeden</b>

27:02.446 --> 27:04.880
Montag – bei nicht guten Wetterbedingungen.

27:04.880 --> 27:09.559
<b> Es muss den Leuten also buchstäblich an
den Kragen gehen, sagt Michael Meyen.</b>

27:09.559 --> 27:13.920
<b>Viel mehr, als dass es ein bisschen im Geldbörserl zwickt.</b>

27:13.920 --> 27:19.240
<b>Es muss wirklich etwas sein, was die
eigene Existenz, das eigene Leben bedroht.</b>

27:19.240 --> 27:22.759
<b>Erst dann sind viele bereit, die Komfortzone zu verlassen.</b>

27:22.759 --> 27:28.359
<b>Das Problem daran ist nur, dann
kann es oft bereits zu spät sein.</b>

27:28.359 --> 27:33.160
<b> Auch David Engels zeigt sich skeptisch, wenn es
um breiten Widerstand in der Bevölkerung geht.</b>

27:33.160 --> 27:35.039
<b>Die Bürger seien zu lethargisch.</b>

27:35.039 --> 27:39.759
<b>Viele wollten gar nicht aktiv mitgestalten,
sondern ließen die Dinge lieber geschehen.</b>

27:39.759 --> 27:47.160
<b>Am Ende würden, so lehre es die Geschichte,
erneut wenige über die Geschicke vieler entscheiden.</b>

27:47.160 --> 27:52.200
<b>Es setze sich letztlich wieder eine andere
Elite durch, die den Wandel vorantreibe.</b>

27:52.200 --> 27:58.135
<b>Von der Vorstellung eines grundlegenden,
basisdemokratischen Wandels im großen Maßstab müsse man sich</b>

27:58.135 --> 28:01.559
nach Ansicht von Professor Engels verabschieden.

28:01.559 --> 28:05.119
<b>Als Beispiel führt der
Historiker ebenso die Corona-Zeit an.</b>

28:05.119 --> 28:08.599
<b>Anders als Michael Meyen jedoch als Negativbeispiel.</b>

28:08.599 --> 28:15.960
<b>David Engels sagt nämlich, insgesamt betrachtet sei das System
mit seinem autoritären Vorgehen relativ gut durchgekommen.</b>

28:15.960 --> 28:22.920
<b>Auch wenn es Widerstand gegeben habe, sei dieser im
Verhältnis zur Gesamtbevölkerung begrenzt gewesen.</b>

28:22.920 --> 28:26.480
<b>Nur wenige hätten sich tatsächlich offen aufgelehnt.</b>

28:26.480 --> 28:29.240
<b> Es heißt: Strategie schlägt Masse.</b>

28:29.240 --> 28:33.799
<b>Es geht nicht zwingend darum, immer mehr
Menschen zu erreichen, oder immer neue zu motivieren.</b>

28:33.799 --> 28:36.359
<b>Viel wichtiger ist etwas anderes.</b>

28:36.359 --> 28:42.400
<b>Diejenigen, die heute schon bereit sind, für eine bessere
Zukunft zu kämpfen, müssten sich besser zusammenschließen.</b>

28:42.400 --> 28:48.680
<b>Sie müssten eine klarere Strategie
verfolgen und gemeinsam handlungsfähiger werden.</b>

28:48.680 --> 28:54.440
<b>David Engels widerspricht damit in einem
Punkt klar der Sichtweise von Ulrike Guérot.</b>

28:54.440 --> 28:59.799
<b>Sie sagt: Protestbewegungen müssen
größer werden und vor allem sichtbarer.</b>

28:59.799 --> 29:04.436
<b>Michael Meyen gibt hier jedoch zu
bedenken, Menschen für Protest zu motivieren ist</b>

29:04.436 --> 29:07.680
extrem schwer, vor allem über Botschaften.

29:07.680 --> 29:10.759
<b>Entscheidend sei am Ende die eigene Erfahrung.</b>

29:10.759 --> 29:12.279
<b> Wo liegen die Gemeinsamkeiten?</b>

29:12.279 --> 29:15.319
<b>Worauf können wir aufbauen?</b>

29:15.319 --> 29:16.599
<b>Der erste Punkt ist klar:</b>

29:16.599 --> 29:20.200
<b> Veränderung beginnt bei uns
selbst, beim einzelnen Menschen.</b>

29:20.200 --> 29:23.480
<b> Viele Menschen haben jedoch nie
gelernt, Verantwortung zu übernehmen.</b>

29:23.480 --> 29:29.160
<b>Sie haben gelernt, Erwartungen zu erfüllen,
Konflikte zu vermeiden, sich anzupassen.</b>

29:29.160 --> 29:34.799
<b> Und trotzdem – in unseren Ländern
schlummert ein großes Potenzial, denn es gibt sie.</b>

29:34.799 --> 29:36.079
<b>Menschen mit höheren Werten.</b>

29:36.079 --> 29:41.319
<b>Menschen, die selbstbestimmt leben, die
Verantwortung übernehmen und die Brücken bauen.</b>

29:41.319 --> 29:43.920
<b> Und hier bin ich bei David Engels.</b>

29:43.920 --> 29:45.799
<b>Wir brauchen nicht die Masse.</b>

29:45.799 --> 29:48.039
<b>Es fehlt nicht an Menschen.</b>

29:48.039 --> 29:50.599
<b>Es fehlt an Verbindung.</b>

29:50.599 --> 29:52.359
<b>Veränderung beginnt nicht bei den Massen.</b>

29:52.359 --> 29:54.079
<b>Sie beginnt beim Einzelnen.</b>

29:54.079 --> 29:57.680
<b>Die Frage ist also: Was kann der Einzelne konkret tun?</b>

29:57.680 --> 29:58.440
<b>Hier und jetzt.</b>

29:58.440 --> 30:01.232
<b>Genau darum geht es nun im Ausblick.</b>

30:01.232 --> 30:07.463
<b> </b>

30:07.463 --> 30:09.640
<b> Viele Menschen wollen etwas tun.</b>

30:09.640 --> 30:10.720
<b>Der Wille ist da.</b>

30:10.720 --> 30:13.440
<b>Was oft fehlt, ist die Richtung.</b>

30:13.440 --> 30:19.763
<b>Die Frage lautet also im ersten Schritt nicht, wie
bekommen wir mehr Menschen dazu, sich zu engagieren,</b>

30:19.763 --> 30:24.200
sondern: Was können die konkret tun, die schon jetzt wollen?

30:24.200 --> 30:29.119
<b>Das habe ich auch die zahlreichen
Interviewpartner im Zuge dieser Dokumentation gefragt.</b>

30:29.119 --> 30:36.119
<b>Und es kamen dabei fünf konkrete Maßnahmen
heraus, die jeder sofort umsetzen kann.</b>

30:36.119 --> 30:37.279
<b> Maßnahme 1:</b>

30:37.279 --> 30:40.880
<b>Bildet Gemeinschaften und vernetzt euch</b>

30:40.880 --> 30:43.599
<b> Neben Geduld ist mein zweiter Rat tatsächlich Vernetzung.</b>

30:43.599 --> 30:45.359
<b>Das ist ein wichtiger Punkt.</b>

30:45.359 --> 30:48.200
<b>Die Milieus haben sich gefunden. Die
Protestmilieus haben sich gefunden.</b>

30:48.200 --> 30:52.786
<b>Es gibt überall im deutschsprachigen Raum
Gruppen, die sich regelmäßig treffen, die</b>

30:52.786 --> 30:55.559
inhaltlich arbeiten, die zusammengekommen sind.

30:55.559 --> 30:59.845
<b>Und sei es nur, weil sie sich mit Ernährung
beschäftigen, weil sie überlegen, wie sie ihren Garten so</b>

30:59.845 --> 31:02.359
gestalten können, dass sie sich selbst versorgen können.

31:02.359 --> 31:09.872
<b>Diese Strukturen sind unbedingt am Leben zu halten, um bereit
zu sein, wenn sich eine Gelegenheit ergibt, das umsetzen zu</b>

31:09.872 --> 31:17.480
können, was für viele zentral ist, Demokratie mitbestimmen
zu können über die Bedingungen, unter denen man lebt.

31:17.480 --> 31:21.279
<b> Was wir machen müssen
deshalb, das ist von unten aufbauen.</b>

31:21.279 --> 31:28.737
<b>Das ist fundamental, dass wir eben nicht alle Karten auf die
Politik setzen dürfen, sondern: Wir müssen zuerst selbst</b>

31:28.737 --> 31:36.319
diese resiliente bürgerliche Zivilgesellschaft von unten erst
wieder mal aufbauen, die auch sich dagegen wehren kann.

31:36.319 --> 31:42.759
<b> Maßnahme 2: Sagt eure Meinung Die zweite konkrete Maßnahme,
die jeder sofort umsetzen kann, ist: Sagt eure Meinung.</b>

31:42.759 --> 31:50.279
<b>Verbreitet Informationen und unterstützt
unabhängige Medien, denn Information ist alles.</b>

31:50.279 --> 31:51.559
<b> Information ist der Schlüssel.</b>

31:51.559 --> 31:56.880
<b>Man muss sich ja dazu nur angucken, was die Gegenseite
alles aufbietet, um Informationen zu kontrollieren.</b>

31:56.880 --> 32:01.554
<b>Wer heute definieren kann, wer heute
bestimmen kann, was wir alle als Wirklichkeit</b>

32:01.554 --> 32:04.359
wahrnehmen, der hat Macht, der kann herrschen.

32:04.359 --> 32:10.094
<b> Wir müssen also unseren Mitmenschen helfen, dass sie
rauskommen aus den Blasen, die von der Bewusstseinsindustrie</b>

32:10.094 --> 32:16.319
produziert worden sind, die auf vielfältige Weise ja unterstützt
werden, wenn man sich diesen ganzen NGO-Komplex anschaut.

32:16.319 --> 32:22.418
<b>Also Menschen, die aus Steuergeld dafür bezahlt
werden, dass sie Botschaften verstärken, Botschaften unter</b>

32:22.418 --> 32:25.720
die Leute bringen, die sie in den Staatsmedien finden.

32:25.720 --> 32:28.519
<b>Wenn man sich das anschaut, dann ist das der Weg.</b>

32:28.519 --> 32:36.440
<b>Also wenn nicht gegengehalten wird, dann hat man
keine Möglichkeit, in Freiheit leben zu können.</b>

32:36.440 --> 32:41.426
<b> Ich fand ja sehr spannend, dass ‚laut
seine Meinung sagen‘ eine wichtige Form des</b>

32:41.426 --> 32:44.440
Protestes ist. Und das stimmt tatsächlich so.

32:44.440 --> 32:51.613
<b>Wenn man die Kommunikationstheorie nimmt, vor allem die Theorie
der Schweigespirale von Elisabeth Nolle-Neumann, dann ist das</b>

32:51.613 --> 32:55.680
ein Mittel, um Prozesse der Vereinheitlichung aufzubrechen.

32:55.680 --> 33:00.367
<b> Diese Theorie der Schweigespirale sagt, dass der
Mensch Isolationsangst hat, dass das unsere größte</b>

33:00.367 --> 33:03.200
Sorge ist, ausgeschlossen zu werden aus dem Verband.

33:03.200 --> 33:10.129
<b>Wenn Leitmedien über eine lange Zeit einheitlich berichten und
ich anderer Meinung sein sollte, dann höre ich irgendwann auf</b>

33:10.129 --> 33:14.876
nach dieser Theorie, mich öffentlich
entsprechend zu äußern, weil ich Sorge haben muss,

33:14.876 --> 33:17.759
ausgeschlossen zu werden aus dem Verband.

33:17.759 --> 33:22.720
<b> Aber da draußen auf der Straße, da sehe ich ja
Leute an Ständen stehen, die anderer Meinung sind.</b>

33:22.720 --> 33:27.039
<b>Ich höre – in der Kneipe habe ich doch
plötzlich vom Nachbartisch was anderes gehört.</b>

33:27.039 --> 33:29.480
<b>Im Zugabteil haben sich Leute ganz anders unterhalten.</b>

33:29.480 --> 33:32.880
<b>Da saß jemand am Strand mit einem Kontrafunk-Handtuch.</b>

33:32.880 --> 33:35.880
<b>Also offenkundig gibt es ja doch gegenteilige Positionen.</b>

33:35.880 --> 33:39.799
<b> Das ermuntert dann Menschen, die sich sonst
nicht trauen würden, auch ihre Meinung zu sagen.</b>

33:39.799 --> 33:43.537
<b>Also das fand ich, finde ich sehr spannend,
dass das offenbar erkannt worden ist von den</b>

33:43.537 --> 33:46.599
Menschen, die sich an dieser Umfrage beteiligt haben.

33:46.599 --> 33:50.480
<b> Maßnahme 3: Eigene und gemeinsame Ziele definieren
Die dritte konkrete Maßnahme wird leider oft übersehen.</b>

33:50.480 --> 33:52.640
<b>Dabei ist sie entscheidend.</b>

33:52.640 --> 33:54.559
<b>Auch wenn sie nicht einfach ist.</b>

33:54.559 --> 33:58.839
<b>Es geht darum, eigene und gemeinsame Ziele zu definieren.</b>

33:58.839 --> 34:03.701
<b>Denn wenn wir nicht wissen, wohin wir
wollen, wofür wir kämpfen, und nicht immer</b>

34:03.701 --> 34:06.799
nur wogegen, dann endet alles im Chaos.

34:06.799 --> 34:12.793
<b>Ohne klare Ziele gibt es keine Strategie, keine
Bündelung von Kräften und auch keine überzeugende Antwort</b>

34:12.793 --> 34:15.840
für andere, die fragen, warum soll ich mitmachen?

34:15.840 --> 34:20.599
<b>Wer nicht sagen kann, wofür er
steht, kann auch niemanden mitnehmen.</b>

34:20.599 --> 34:24.960
<b> Also es gibt so eine Schwelle vom
Denken und Fühlen hin zum Handeln.</b>

34:24.960 --> 34:28.079
<b>Man sagt ja oft so, der Weg ist das Ziel, das stimmt fast.</b>

34:28.079 --> 34:31.960
<b>Also wir brauchen ein Ziel, um
überhaupt eine Idee von einem Weg zu bekommen.</b>

34:31.960 --> 34:34.199
<b>Wenn ich das Ziel habe, weiß ich, ah, das ist der Weg.</b>

34:34.199 --> 34:39.000
<b> Und wir brauchen dann den Weg,
um Mut zum Aufbruch zu haben.</b>

34:39.000 --> 34:41.599
<b>Wir brauchen eine Idee des Weges.</b>

34:41.599 --> 34:46.239
<b>Ich komme also vom Ziel zum Weg
und vom Weg komme ich zum Aufbruch.</b>

34:46.239 --> 34:48.440
<b>Und es gibt keinen Weg.</b>

34:48.440 --> 34:50.360
<b>Die Leute sehen keinen Weg.</b>

34:50.360 --> 34:52.960
<b>Also man sagt, man sucht einen Ausweg, ja?</b>

34:52.960 --> 34:55.280
<b>Dort sind wir. Also wir sind beim Suchen des Weges.</b>

34:55.280 --> 34:58.639
<b>Und wenn der Weg nicht klar ist,
brauche ich den Aufbruch nicht.</b>

34:58.639 --> 35:00.559
<b>Brauche ich nicht aufstehen.</b>

35:00.559 --> 35:02.400
<b>Und die Frage ist auch, ob das Ziel klar ist.</b>

35:02.400 --> 35:04.199
<b> Die Ziele müssen auch klar sein.</b>

35:04.199 --> 35:05.599
<b>Das ist auch ein wichtiger Punkt.</b>

35:05.599 --> 35:13.320
<b>Es muss ein leicht erreichbares – nicht leicht
erreichbares, aber ein konkretes erreichbares Ziel sein.</b>

35:13.320 --> 35:18.199
<b>Nicht allgemein gegen Hunger
oder Armut, sondern ganz konkret.</b>

35:18.199 --> 35:22.169
<b> Maßnahme 4: Sich selbst reflektieren Die
vierte konkrete Maßnahme, die jeder Einzelne sofort</b>

35:22.169 --> 35:24.880
umsetzen kann, ist eine, die sehr unbeliebt ist.

35:24.880 --> 35:26.679
<b>Sich selbst zu reflektieren.</b>

35:26.679 --> 35:28.880
<b>Etwas, das viele nicht gerne hören.</b>

35:28.880 --> 35:30.679
<b>Ich weiß, es kommt sofort die Gegenreaktion.</b>

35:30.679 --> 35:34.239
<b>Was hat das Ganze denn mit mir zu tun?</b>

35:34.239 --> 35:44.276
<b> Wenn ich damit anfange, bei mir nachzuschauen, was ist mein
Anteil an dem Konflikt oder an dem Unglück, das ich</b>

35:44.276 --> 35:53.400
erlebe, habe ich eigentlich die beste, aber vielleicht
sogar nur die einzige Chance, etwas zu verändern.

35:53.400 --> 36:00.664
<b>Also mit der Erkenntnis über meinen Anteil, über
mich, habe ich eine Chance, auch mit mir etwas anders</b>

36:00.664 --> 36:05.960
zu machen, mich zu verändern, mich zu entwickeln.

36:05.960 --> 36:09.559
<b>Diese Macht habe ich im Grunde genommen über niemanden.</b>

36:09.559 --> 36:15.519
<b> Maßnahme 5: Handeln Kommen wir nun noch zur fünften und
abschließenden Maßnahme, die jeder sofort umsetzen kann.</b>

36:15.519 --> 36:18.719
<b>Und das ist handeln, ja, handeln.</b>

36:18.719 --> 36:20.480
<b>Egal was – aber beginnt damit.</b>

36:20.480 --> 36:24.400
<b>Denn durch das Tun selbst erfährt man Selbstwirksamkeit.</b>

36:24.400 --> 36:30.039
<b>Das Aktivwerden gibt Kraft und Hoffnung, weil
wir sehen, wie die Dinge in Bewegung kommen.</b>

36:30.039 --> 36:35.880
<b>Wir sehen, dass wir als Einzelperson etwas
bewirken können. Auch wenn es oft nur im Kleinen ist.</b>

36:35.880 --> 36:44.119
<b>Aber jeder Beitrag zählt. Auch wenn
es nur darum geht, Vorbild zu sein.</b>

36:44.119 --> 36:49.119
<b> Unsere Freiheit ist viel mehr als einmal alle vier oder fünf
Jahre ein Kreuzchen in irgendeiner Wahlkabine zu machen.</b>

36:49.119 --> 36:57.000
<b>Unsere Freiheit liegt daran, dass wir in jedem Moment unseren
Idealen entsprechend leben müssen mit allen Konsequenzen.</b>

36:57.000 --> 36:59.800
<b>Und das bedeutet letztlich</b>

36:59.800 --> 37:01.119
<b>Vorbild zu werden.</b>

37:01.119 --> 37:03.239
<b>Vorbild zu werden vor sich selbst.</b>

37:03.239 --> 37:05.480
<b>Vorbild zu werden vor seiner Familie.</b>

37:05.480 --> 37:07.320
<b>Vorbild zu werden vor seinem Umfeld.</b>

37:07.320 --> 37:11.779
<b>Jede Handlung eben so auszuüben, dass man
sich morgens auch in den Spiegel blicken kann und</b>

37:11.779 --> 37:14.320
sagen kann, ja, ich lebe meinen Idealen gemäß.

37:14.320 --> 37:18.320
<b>Ja, diese Welt, in der ich
lebe, ist vielleicht suboptimal.</b>

37:18.320 --> 37:20.079
<b>Sie ist vielleicht sogar dystopisch.</b>

37:20.079 --> 37:22.679
<b>Vielleicht riskiere ich vieles damit.</b>

37:22.679 --> 37:25.920
<b>Aber ich lebe diese Freiheit im einzelnen Leben.</b>

37:25.920 --> 37:33.000
<b> Ich denke, erst wenn tatsächlich eine signifikante Zahl von
Menschen überhaupt dazu kommt, selbst Vorbilder werden zu wollen,</b>

37:33.000 --> 37:37.994
selbst im täglichen Leben das zu leben, was
sie wollen, dass die gesamte Gesellschaft eines

37:37.994 --> 37:40.760
Tages wird, nur dann kann es vorangehen.

37:40.760 --> 37:43.119
<b>Und das ist natürlich der wichtige Schritt.</b>

37:43.119 --> 37:46.000
<b> Wir sollen sein, wer wir sind
und so handeln, wie wir sind.</b>

37:46.000 --> 37:50.261
<b>Nicht, weil wir uns daraus irgendetwas
erhoffen für die Geschichte oder die Politik im</b>

37:50.261 --> 37:52.960
Generellen, sondern weil wir daran glauben.

37:52.960 --> 38:00.162
<b>Und deshalb denke ich, dass auch diese Handhaltung Etiam si
omnes ego non, auch wenn alle anderen etwas tun,</b>

38:00.162 --> 38:06.199
werde ich es noch lange nicht tun, ist die
Handlung oder ist die Haltung, die wir brauchen.

38:06.199 --> 38:10.119
<b>Sich so zu verhalten, wie wir das wollen, aus Überzeugung.</b>

38:10.119 --> 38:13.986
<b>Und selbst wenn wir wissen, dass alles zum
Scheitern verurteilt ist, selbst wenn wir wissen, dass</b>

38:13.986 --> 38:16.039
wir die Einzigen sind, es trotzdem zu machen.

38:16.039 --> 38:20.511
<b>Aus Überzeugung, weil es unser Weg ist, weil wir
eben glauben, dass das Wichtige nicht irgendwie</b>

38:20.511 --> 38:22.920
etwas ist, was mal in den Geschichtsbüchern steht.

38:22.920 --> 38:29.855
<b> Und wenn wir dann nun auch tatsächlich entsprechend Bürger
haben und vor allen Dingen auch Politiker, die selbst Vorbilder</b>

38:29.855 --> 38:36.280
sind, die das persönlich sind, was sie wollen, dass die
Gesellschaft wird, dann ist tatsächlich Wandel möglich.

38:36.280 --> 38:39.119
<b>Und da braucht es auch jetzt nicht der vielen Millionen.</b>

38:39.119 --> 38:47.294
<b>Oft genügt eine Persönlichkeit, die wirklich ein
echtes Vorbild sein kann, wo viele Leute sich sagen können,</b>

38:47.294 --> 38:51.679
so will ich eines Tages sein, dass Wandel möglich ist.

38:51.679 --> 38:53.679
<b>Denken Sie allein ans Mittelalter.</b>

38:53.679 --> 38:59.960
<b> Was haben Personen wie Bernard de Clairvaux
oder der heilige Benedikt nicht alles bewirkt?</b>

38:59.960 --> 39:07.503
<b>Dadurch, dass sie aus eigener Kraft mal angefangen haben, ein
Kloster zu gründen und daraus eigentlich die gesamte spirituelle</b>

39:07.503 --> 39:12.941
Neugeburt des Abendlandes zu bewirken und deshalb
auch Vorbilder zu sein für Generationen und

39:12.941 --> 39:16.880
Jahrhunderte von Leuten, die es eben auch so machen wollten.

39:16.880 --> 39:22.824
<b>Da bedarf es nicht der Millionen Leute, die alle so
werden. Da bedarf es oft nur einer Person oder einer</b>

39:22.824 --> 39:25.920
kleinen Gruppe, um unglaublich viel zu verwandeln.

39:25.920 --> 39:32.639
<b>Aber selbst das ist wie gesagt
heute scheinbar sehr schwer möglich.</b>

39:32.639 --> 39:34.039
<b>Aber dahin müssen wir kommen.</b>

39:34.039 --> 39:36.719
<b>Das ist die Sache des Einzelnen.</b>

39:36.719 --> 39:40.280
<b> Ja, der Einzelne kann unheimlich viel bewirken.</b>

39:40.280 --> 39:47.039
<b>Alleine nur dadurch, dass er ist, dass er wirkt,
gesehen wird, mit anderen in Beziehung steht.</b>

39:47.039 --> 39:52.599
<b>Wir selbst können gar nicht erahnen, wie viel
jeder Einzelne von uns in Wahrheit bewirkt.</b>

39:52.599 --> 39:59.091
<b>Wir wissen nicht, für wie viele Menschen wir in
unserem Leben Vorbild geworden sind. Wie wenige Worte</b>

39:59.091 --> 40:03.039
oft große Entwicklungen nach sich gezogen haben.

40:03.039 --> 40:09.840
<b> Ja, wir brauchen andere Menschen in unserem Leben. Aber nein,
wir brauchen sie nicht zwingend, um die Welt zu verändern.</b>

40:09.840 --> 40:13.960
<b>Wir können jetzt damit beginnen. Nur für uns ganz allein.</b>

40:13.960 --> 40:15.519
<b> Dann ist das David gegen Goliath.</b>

40:15.519 --> 40:18.039
<b>Wir wissen, dass David am Ende gewinnt.</b>

40:18.039 --> 40:19.800
<b> Ja, David gewinnt.</b>

40:19.800 --> 40:25.006
<b>Und wenn man sich die Geschichte von David
und Goliath genau anschaut, dann können wir</b>

40:25.006 --> 40:28.400
einige Parallelen zu unserer Zeit sehen.

40:28.400 --> 40:31.719
<b>David hat nicht versucht, so zu kämpfen wie Goliath.</b>

40:31.719 --> 40:34.920
<b>Er hat keine Rüstung angezogen.
Er hat kein Schwert genommen.</b>

40:34.920 --> 40:37.639
<b>Er ist nicht in den Nahkampf gegangen.</b>

40:37.639 --> 40:41.679
<b>David hat erkannt, auf diesem Feld würde er verlieren.</b>

40:41.679 --> 40:43.599
<b>Also hat er etwas anderes getan.</b>

40:43.599 --> 40:49.400
<b> Er hat das genutzt, was er konnte, was er
gewohnt war. Seine Schleuder, seine Beweglichkeit.</b>

40:49.400 --> 40:51.760
<b>Und er ist auf Abstand geblieben.</b>

40:51.760 --> 40:54.760
<b>Dann hat er den Moment genutzt, einen einzigen.</b>

40:54.760 --> 40:59.199
<b>Er hat gezielt auf die eine
Stelle, an der Goliath verwundbar war.</b>

40:59.199 --> 41:01.920
<b>Und genau das hat den Unterschied gemacht.</b>

41:01.920 --> 41:03.440
<b>David hat nicht gezögert.</b>

41:03.440 --> 41:06.079
<b>Er hat nicht auf bessere Bedingungen gewartet.</b>

41:06.079 --> 41:09.280
<b>Er hat gehandelt, als sich die Gelegenheit geboten hat.</b>

41:09.280 --> 41:13.760
<b> Und vielleicht ist genau das der
entscheidende Punkt für uns heute.</b>

41:13.760 --> 41:17.199
<b>Veränderung bedeutet nicht, nach
den Regeln der Mächtigen zu spielen.</b>

41:17.199 --> 41:22.371
<b>Sie bedeutet, die eigenen Möglichkeiten zu
erkennen, die eigenen Stärken und den Mut zu</b>

41:22.371 --> 41:26.039
haben, sie einzusetzen, wenn der Moment da ist.

41:26.039 --> 41:28.920
<b>Die Gelegenheit selbst können wir nicht erzwingen.</b>

41:28.920 --> 41:35.920
<b> Aber wir können vorbereitet sein, klar,
wach. Damit wir nicht zögern, wenn sie kommt.</b>

41:35.920 --> 42:16.139
<b> </b>

43:08.400 --> 43:29.400
<b></b>
