~ Medienkommentar vom 18.04.2017 ~

Medien | 18.04.2017

US-Atomstreit mit Nordkorea: Was die westlichen Medien sagen bzw. nicht sagen (1 von 2)

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US-Atomstreit mit Nordkorea: Was die westlichen Medien sagen bzw. nicht sagen Dienstag, 18.04.2017 (1 von 2)
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Referendum in der Türkei – zweierlei Maß im imperialen Interesse Dienstag, 18.04.2017 (2 von 2)

Nach einem Raketentest Nordkoreas am 16. April 2017 schaukelt sich die Berichterstattung schnell hoch und die Gerüchteküche läuft heiß. Die südkoreanische Regierung warnte sogleich: Der Raketentest bedrohe die gesamte Welt. Doch stimmt das mediengeprägte Feindbild eines rücksichtslosen Nordkoreas mit der Wirklichkeit überein? Erfahren Sie hier auf Kla.TV Hintergrundinformationen, die die krisengeschwängerte Situation in Ostasien in ein anderes Licht rücken könnten.

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"US-Atomstreit mit Nordkorea: Was die westlichen Medien sagen bzw. nicht sagen"

US-Atomstreit mit Nordkorea: Was die westlichen Medien sagen bzw. nicht sagen 18.04.2017

Am 16. April meldete das Verteidigungsministerium Südkoreas, dass Nordkorea am Morgen versucht habe, „einen unbestimmten Raketentyp in der südlichen Provinz Hamgyong auszutesten“. Sie vermuten, dass der Abschuss gescheitert sei. Es könne sich um eine ballistische Rakete gehandelt haben. Ein außenpolitischer Berater der US-Regierung sagte, bei dem Geschoss habe es sich wahrscheinlich um eine ballistische Rakete, das meint eine Mittelstreckenrakete, gehandelt. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet unter Berufung auf US-Regierungskreise, dass es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht um eine Langstreckenrakete handelte. Obwohl niemand genau wusste, was passierte, ohne Beweise, aufgrund von „vermutlich“, „wahrscheinlich“ und „ es könne“, blieben heftige Reaktionen in Politik und etablierten Medien nicht aus: – Die südkoreanische Regierung berief eine Sitzung des Nationalen Sicherheitsrats ein. Der Raketentest bedrohe die gesamte Welt, warnte sie. – US-Vizepräsident Mike Pence warnte Pjöngjang, die Regierung Nordkoreas, dass die „Ära der strategischen Geduld“ gegenüber Nordkorea beendet sei. Ferner kündigte Washington an, wegen der Gefahr aus Nordkorea „militärische Optionen“ zu prüfen. – Auch die Bundesregierung verurteilte den Raketentest. – Die Sorge vor einem neuen Atomversuch Nordkoreas werde größer, berichtete das ZDF einen Tag nach dem „Raketentest“. In den USA werde über einen Präventivschlag gegen Pjöngjang spekuliert. Mehrfach habe Trump angekündigt, Nordkoreas Atomprogramm zur Not im Alleingang zu stoppen, so das ZDF. Erst Anfang April hatte Nordkorea zuletzt eine Rakete von der Ostküste abgeschossen. Darauf schickte die US-Armee einen Flugzeugträger und mehrere Kriegsschiffe zur Koreanischen Halbinsel. Obwohl China noch am 14. April vor dem Hintergrund der stark angespannten Lage eindringlich vor neuen Provokationen und Drohungen warnte, geht das Säbelrasseln beiderseits ungemindert weiter. Auch die westlichen Medien tragen dazu bei, indem sie Nordkorea – oft ohne klare Beweise – als „das unberechenbare und unvorhersehbare Regime“ darstellen. Was die etablierten Leitmedien jedoch nicht erwähnen, ist folgendes: – Am 8. März 2017 machte China den Vorschlag einer „beiderseitigen Einstellung“, um die drohende Krise auf der koreanischen Halbinsel zu entschärfen. Der chinesische Außenminister Wang Yi sagte wörtlich: „Als ersten Schritt könnte Nordkorea ihre atomaren und raketentechnischen Aktivitäten einstellen im Austausch gegen die Einstellung der großräumigen Militärübungen der USA und Südkorea.“ Bereits im Januar 2015 hatte Nordkorea genau dasselbe Angebot gemacht. Die Obama-Administration wies es zurück. Nordkorea wiederholte das Angebot im Januar 2016 und die Obama-Administration wies es erneut zurück. Diesen März schaltete sich die chinesische Regierung vermittelnd ein und unterstützte das lange bestehende nordkoreanische Angebot. Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika, jetzt unter der Trump-Administration, wies es wieder umgehend zurück. Das Angebot wurde drei Jahre hindurch gemacht und zurückgewiesen. Die US-amerikanische Webseite „Moon of Alabama“ weist darauf hin, dass Nordkorea verständlicherweise nervös sei, wenn die Streitkräfte der USA und Südkoreas ihre alljährlichen großen Manöver abhalten und offen den Einmarsch nach Nordkorea üben. Großmanöver sind eine klassische Ausgangssituation für militärische Angriffe. Jedesmal, wenn die ausgedehnten Manöver beginnen, müsse die nordkoreanische, aus Wehrdienstpflichtigen bestehende Armee in eine hochgradige Verteidigungsbereitschaft versetzt werden. Die US-südkoreanischen Manöver werden in der Zeit abgehalten, in der der Reis angepflanzt wird (März), oder in der der Reis geerntet wird (Oktober). In diesen Monaten wird dazu in Nordkorea fast jeder gebraucht. Die Militärmanöver bedrohten also direkt die Selbstversorgung Nordkoreas mit Nahrungsmitteln. In den späteren 1990er Jahren waren sie eine der Ursachen, die zu einer schweren Hungersnot führten. „Moon of Alabama“ folgert, dass es die atomare Abschreckung Nordkorea erlaube, ihre übliche militärische Bereitschaft, besonders in den überaus wichtigen landwirtschaftlichen Anbau- und Erntezeiten, zu reduzieren. Ein garantiertes Ende der alljährlichen US-Manöver würde es Nordkorea erlauben, seine konventionelle Verteidigung herabzufahren, ohne auf Atomwaffen angewiesen zu sein. Anstatt beim kleinsten Hinweis auf einen neuen Raketentest Nordkorea an den Pranger zu stellen, täten die westlichen Medien gut daran, auf Bedrohungen US-amerikanischer Kriegstreiberpolitik hinzuweisen. Nordkorea wird sich zweifelsfrei noch gut an die außerordentliche Brutalität erinnern, mit der US-Streitkräfte in den 1950er Jahren über das Land herfielen. Einzelheiten finden Sie in eingeblendeten Sendungen: www.kla.tv/8613, www.kla.tv/8013 .

von (dd.)


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