~ Medienkommentar vom 17.06.2017 ~

Politik | 17.06.2017

Chip-Implantatentwicklung birgt gewaltiges Missbrauchspotential in sich (1 von 2)

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Chip-Implantatentwicklung birgt gewaltiges Missbrauchspotential in sich Samstag, 17.06.2017 (1 von 2)
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Kein Jugoslawienkrieg mit Helmut Kohl – Willy Wimmer zum Tod des deutschen Altkanzlers Samstag, 17.06.2017 (2 von 2)

Implantierte Chips funktionieren wie die Chips einer Kreditkarte. Allerdings sind auch alltägliche Funktionen wie z. B. das Öffnen von Türen dadurch möglich. Die nächste Generation von Implantaten soll das Gehirn von Menschen direkt mit dem Internet verknüpfen können. Welche verheerenden Auswirkungen können solche Eingriffe für die Menschen in nur 20 Jahren mit sich bringen? Nicht nur die Datenschützer warnen!

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"Chip-Implantatentwicklung birgt gewaltiges Missbrauchspotential in sich"

Chip-Implantatentwicklung birgt gewaltiges Missbrauchspotential in sich 17.06.2017

In immer mehr Geschäftsketten, wie z. B. IKEA, McDonalds oder Migros, gibt es heute die Möglichkeit, kontaktlos mit Kreditkarten oder Smartphones zu bezahlen. Dies wird von Banken und Geschäftsketten als eine einfache, sichere und schnelle Bezahlmöglichkeit angepriesen. Im Jahre 2015 äußerte sich der Zukunftsberater Gerd Leonhard zu der Frage, womit in naher Zukunft bargeldlos bezahlt werden wird, folgendermaßen: „Viele werden nicht mehr mit Kreditkarte sondern mit dem Handy bezahlen. Schon jetzt ist aber absehbar, dass das Gerät immer näher an den Körper oder gar in den Körper hineinkommt.“ Ein solches in den Körper einbaubares Gerät, ein Implantat also, ist beispielsweise ein RFID-Mikrochip, zu Deutsch ein Chip zur „Identifizierung mit Hilfe elektromagnetischer Wellen“. Er funktioniert nach demselben Prinzip wie das kontaktlose Zahlen mit einer Kreditkarte. So ein Chip kann aber, je nach Programmierung, noch weitere Funktionen haben: Entsperren von Türen oder Schlössern, Anmelden bei Computern, Login, ohne ein Passwort zu tippen, Handy entsperren usw. An einigen Orten gibt es bereits die Möglichkeit, damit bargeldlos zu bezahlen. In Schweden haben sich, laut Medienberichten, z. B. über 300 Büroangestellte freiwillig einen Chip implantieren lassen, um sich z. B. bei Türen und Kopiergeräten identifizieren zu können. Laut einem Artikel des Schweizer Migros-Magazins vom März 2017 ergab eine globale Studie, „dass 70 Prozent der befragten Teenager so ein Implantat möchten, falls es ihre digitale Freiheit im Leben steigert“. Soweit so gut, könnte man meinen, sollen doch mit einem implantieren Chip alltägliche Funktionen erleichtert werden. Viele Datenschützer warnen jedoch vor einem möglichen Missbrauch der Informationen auf dem Mikrochip. Annelie Buntenbach, Bundesvorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbundes und Datenschutzexpertin, sagt: „Solche Praktiken sehen wir höchst problematisch, sie widersprechen dem Persönlichkeitsschutz.“ Schon jetzt könnten Verhaltensmuster durch Chips auf Personalausweisen, Kreditkarten oder die Handy- und Online-Daten nahezu vollständig erfasst werden, und die Menschen hätten kaum Einfluss auf die Verwertung. „Jetzt auch noch Chips unter der Haut zu tragen würde diese Erfassung über jede zumutbare Grenze weit hinaustreiben.“ Dass enormes Missbrauchpotenzial besteht und dass es nicht bei alltäglichen Funktionen – wie den Haustürschlüssel zu ersetzen – bleiben wird, macht der Artikel im Migros-Magazin klar. Dies sei nur der Anfang, sagt Dr. Patrick Kramer im Interview mit dem Migros-Magazin. Er ist Gründer des Hamburger Unternehmens „Digiwell – Upgrading people“, das sich auf das Upgraden, das meint „Aufrüsten oder besser Ausstatten“ von Menschen spezialisiert hat. Sich selber bezeichnet er als Cyborg, womit ein Mischwesen aus lebendigem Organismus und Maschine gemeint ist. Patrick Kramer experimentiert bereits mit der nächsten Generation von Implantaten, wo der Mensch selbst direkt mit dem Internet verknüpft ist: „Bis in 20 Jahren werden wir Gehirnimplantate haben, die am Kortex (das meint Großhirnrinde) sitzen und mein Hirn sozusagen direkt ans Internet anschließen (...) Die Gehirnleistungsfähigkeit, die heute biologisch begrenzt ist, lässt sich quasi erweitern – sie hängt dann davon ab, welches Implantat ich verwende, je nachdem habe ich ein hundert- oder ein tausendfach leistungsfähigeres Hirn.“ Kramer fasste es wie folgt zusammen: „Die Evolution ist zu langsam – wir helfen ein bisschen nach“. Tatsächlich hat es in den letzten Jahren in der Forschung eine ganze Reihe von Versuchen gegeben, Tiere per Funk fernzusteuern. Chinesische Wissenschaftler haben z. B. Cyborg-Ratten geschaffen, die schneller durch ein Labyrinth kommen als ihre natürlichen Verwandten. Diese Ratten haben Elektroden im Hirn, die per Funk mit einem Computer verbunden sind. Damit können Signale aus dem Hirn empfangen, aber auch Signale in das Gehirn der Tiere eingegeben werden. Dem Hirnforscher Prof. Jonathan Wallis ist es mit seinem Team gelungen, Entscheidungsprozesse von Affen zu messen. Er geht davon aus, dass es deshalb auch möglich ist, Entscheidungen zu beeinflussen. Noch vor wenigen Jahren hätte es bei so einem angekündigten, massivsten Eingriff in die „Evolution“ von Mensch und Tier jedem den Magen verdreht. Nun schafft es die Migros-Zeitung tatsächlich, positiv davon zu berichten, ohne dass ein Aufschrei ihrerseits und der Leserschaft erfolgt. Wenn es wirklich gelingen sollte, mittels Gehirnimplantaten Menschen zu vernetzen und auf deren Empfindungen und Entscheidungen Einfluss zu nehmen, würde das bedeuten, dass diese Personengruppe von außen nach Belieben gesteuert und manipuliert werden könnte. Dem Missbrauch ihrer Gedanken und Entscheidungen wären Tür und Tor geöffnet. Wer kann sicherstellen, dass diese Technologie nicht in falsche Hände gerät oder dass der Eingriff in die „Evolution“ nicht verheerende Nebenwirkungen für Mensch und Tier haben wird? Auch gab Kramer offen zu, dass sich kaum jemand dieser Technologie entziehen können wird: Werden solche Gehirnimplantate dereinst Standard, dürfte man in vielen Teilen der Arbeitswelt ohne diese keine Chance mehr haben. Darauf läuft es also offensichtlich hinaus, dass alle Menschen, die, aus was für Gründen auch immer, ein fremdgesteuertes (Gehirn-) Implantat ablehnen, von der Arbeitswelt ausgeschlossen werden würden. Alles scheint sich auf folgende zwei Möglichkeiten hin zu entwickeln: Entweder lässt sich der Mensch, sozusagen als „moderner Sklave“, in ein zentralgesteuertes System einfügen oder er wird von der Gesellschaft quasi ausgeschlossen. Jeder, der ein fremdgesteuertes Implantat ablehnt, würde in seiner Existenz bedroht sein.

von rg./dd.


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