Mittwoch 23. Dezember 2015

Medien | 23.12.2015

Exklusivinterview mit Christoph Hörstel zum Amnesty-Bericht über Syrien (1 von 3)

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Exklusivinterview mit Christoph Hörstel zum Amnesty-Bericht über Syrien Mittwoch, 23.12.2015 (1 von 3)
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Ein Exklusivinterview mit Christoph Hörstel zum Amnesty-Bericht über Syrien

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Exklusivinterview mit Christoph Hörstel zum Amnesty-Bericht über Syrien 23.12.2015

Interviewerin: Guten Abend, Herr Hörstel. Praktisch alle großen Medien haben heute den neuesten Bericht von Amnesty International zu den Einsätzen der russischen Luftwaffe in Syrien aufgegriffen. Amnesty International übt scharfe Kritik an Russland. Bei Einsätzen der russischen Luftwaffe in Syrien seien Hunderte Zivilisten getötet worden. Die Menschenrechtsorganisation spricht von Kriegsverbrechen. Wie, Herr Hörstel, beurteilen Sie diese Meldung? Christoph Hörstel: Sehr interessanter Vorgang, nicht wahr, wenn man am Tag vor Weihnachten solche Beschuldigungen ja nicht nur in Deutschland und nicht nur in einem Medium sondern weltweit in allen westlichen Medien, die groß sind, wiederholt. Das geht von CNN bis Financial Times, über Guardian und Independent in London, und das geht in Deutschland durch alle großen Medien: Tagesschau, Süddeutsche, Frankfurter Allgemeine und ich hab’s durch den Spiegel in Kenntnis genommen. Das nur mal zum Thema „Wie wird das verarbeitet“ und das trägt alle Kennzeichen der üblichen westlichen Medienkampagne – so muss man das sehen. Journalistisch ist das ganz eindeutig zu bewerten: Das ist keine journalistische Aktion, das ist eine Propaganda-Aktion. Woran sieht man das? Es wurde in vielen Medien kein Russe befragt. So was tut man nicht. Nennt man eine Beschuldigung, dann müssen beide Seiten gehört werden. Das ist billigster journalistischer Standard, da gibt’s noch weit kompliziertere Regeln eigentlich dazu. Aber diese eine, wichtigste Grundregel, dass beide Seiten zu einem Vorfall gehört werden, wenn’s zwei sind – oder dass fünf Seiten gehört werden, wenn’s fünf Seiten sind – die ist hier schon mal grob verletzt. Der nächste Punkt ist, dass wir ja nun auch nicht mehr so ganz unschuldig sind, im Zustand unserer Medienbetrachtung. Wenn wir also hier uns anschauen: „Was sind denn die Beschuldigungen?“, stellen wir fest, dass es sich durchwegs um solche Beschuldigungen handelt, die zutreffend den USA und ihren Komplizen weltweit gemacht werden müssen. Da geht es um das Bombardieren von Zivilisten, da geht’s um den Einsatz von nicht zielgerichteten auch flächendeckend wirkenden Waffen in Zivilgebieten – typische Aktion der US-Luftwaffe, die ja in den letzten Monaten besonders geglänzt haben durch mehrfaches Bombardieren von Krankenhäusern, ja. Und die dann auch beim Nachfragen – im Fall Kabul weiß ich das besonders genau – zugeben, dass sie dieses Krankenhaus bombardiert haben und das damit motivieren, dass in diesem Krankenhaus Taliban behandelt worden seien. Das ist natürlich ein Standpunkt, den die USA da vertreten, der mit Recht und Gesetz international und national nichts zu tun hat. Es ist die Aufgabe eines Krankenhaus’ alle zu behandeln – das ist nebenbei gesagt der hippokratische Eid. Der Eid, den jeder Mediziner ablegt: Dass er allen Menschen hilft, vollkommen gleichgültig, ob sie vorher einen anderen Menschen umgebracht haben, ob sie zufällig zum Feind gehören oder sonst wie sich Hass zuziehen, oder Abneigung oder sogar die Härte des Gesetzes. Das ist vollkommen gleichgültig. Sie bleiben Menschen, sind verwundet und müssen deswegen behandelt werden. Das ist nur so ein bisschen ein Hintergrund dazu. Das Wichtige ist aber auch, auf welche Quellen man sich da beruft bei dieser Meldung. Und das ist nun diese berühmte syrische Berichtsstelle in London. Das ist ein Hinterhofbüro, von dem man weiß, dass es ja auch schon mannschaftsmäßig so dünn aufgestellt ist, dass es eine solche Meldungslage allein gar nicht darstellen kann. Und so verwundert es uns nicht, wenn dies Büro in London im Wesentlichen Daten weitergibt, die von den Geheimdiensten aufbearbeitet werden und dann eben an dieses Büro weitergeliefert. Das ist eine rein parteiische, letztlich in der Wirkung NATO-Dienststelle, die da arbeitet und die in Großbritannien unterhalten wird. Die Quelle ist also außerordentlich dürftig. Schließlich gucken wir uns Amnesty International an. Amnesty International ist eine westliche NGO. Westliche NGOs unterliegen der amerikanischen Militärdoktrin Joint Vision 2020. Und dort kann man im Medienkapitel nachlesen, warum solche Medienkampagnen stattfinden. Und man kann bei den NGOs nachlesen, dass NGOs zu dem Machtapparat gehören, den die USA kriegsmäßig – sie befinden sich ja laut US-Doktrin im Kriegszustand permanent, im permanenten Kriegszustand – in diesem permanenten Krieg einsetzen. Auch Amnesty International gehört dazu. Dann muss man natürlich noch die Sonderquellen betrachten. Da gibt es ja verschiedene, die darauf hinweisen, dass eben der Einfluss des CIA, der Einfluss des US-Außenministeriums State Department besonders hoch ist bei Amnesty International. Das sind die Tatsachen und die führen dazu, dass man diese Meldung traurig weglegt und sagt: Wir dürfen das begreifen als einen Einstieg des Westens in ein hartes Kampfjahr 2016, das sich gegen Russland richtet. Interviewerin: Und was denken Sie, Herr Hörstel, ist das Ziel, dass diese Meldung über angebliche Kriegsverbrechen Russlands gerade jetzt veröffentlicht und von allen Medien aufgegriffen worden ist? Christoph Hörstel: Das ist eine klare Maßgabe, dass man sich überlegt hat: Wann wirkt das am stärksten? Wann stört das am stärksten? Das stört natürlich den Weihnachtsfrieden – das mögen die Leute nicht! Und sie merken sich das und tragen das so in die Feiertage. Und das interessante ist: Die Daten, die dieser Meldung zugrunde liegen, sind mehrere Monate alt. Es war nicht nötig, dies am Tag vor Weihnachten loszutreten. Auch hier wieder ganz klar die propagandistische Absicht. Interviewerin: Besten Dank für Ihre wertvolle Einschätzung der Lage und dass Sie so spontan bereit für dieses Interview waren. Christoph Hörstel: Gerne. Alles Gute und Frohe Weihnachten.

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