Sonntag 16. April 2017

Politik | 16.04.2017

Wahlen in Frankreich: Emmanuel Macron – Wie ein Präsident gemacht wird (1 von 3)

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Wahlen in Frankreich: Emmanuel Macron – Wie ein Präsident gemacht wird Sonntag, 16.04.2017 (1 von 3)
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Am 23. April 2017 wählen die Franzosen ihren neuen Präsidenten. Laut Umfragen würde der von den Medien hochgejubelte Kandidat Emmanuel Macron das Rennen gewinnen. Doch geht es hier mit rechten Dingen zu? Wie kommt ein vor 3 Jahren noch völlig unbekannter junger Mann zu solch einem kometenhaften Aufstieg? Das Rezept dazu verrät uns ungewollt der Direktor eines der wichtigsten Institute für öffentliche Meinungsumfragen ganz persönlich.

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Wahlen in Frankreich: Emmanuel Macron – Wie ein Präsident gemacht wird 16.04.2017

Am 23. April 2017 wählen die Franzosen ihren neuen Präsidenten. Aufgrund des hohen weltpolitischen Einflusses Frankreichs ist diese Wahl auch außerhalb des Landes von großer Bedeutung und richtungweisend für die Zukunft von ganz Europa. Laut aktuellen Meinungsumfragen bahnt sich hierbei ein Sieg des Kandidaten Emmanuel Macron an. Auffallend bei Macron ist, dass die Massenmedien durchgehend positiv über ihn berichten. Nicht nur in Frankreich scheint Macron deren Liebling zu sein: So betitelte beispielsweise „Der Spiegel“ Macron als „Messias der Mitte“, „ZDF-Heute“ als „jungen, smarten Polit-Star“. Die Schweizer 20-Minuten-Zeitung rühmte ihn bereits im August 2016 als Überflieger und heißen Anwärter auf das Präsidentenamt. Viele weitere Beispiele könnten noch angefügt werden. Macron wird durchgehend als junger, dynamischer Hoffnungsträger dargestellt. Während die Medien andere Vertreter ähnlich kleiner Parteien nur am Rand erwähnten, wurde Macron beständig in den Mittelpunkt gestellt und bekannt gemacht. Auch die Klatschpresse hob immer wieder die Ehe mit seiner 24 Jahre älteren ehemaligen Lehrerin hoch und stellte die beiden als schillerndes Paar dar. Flankiert wurden diese Medienberichte durch ständig steigende Umfragewerte. Durch diese positiven Prognosen, kombiniert mit den wohlwollenden Medienberichten, entsteht unweigerlich der Eindruck, ein Sieg Macrons sei unaufhaltbar. Auch vonseiten der deutschen Politik bekam Macron überraschend Unterstützung. So empfing ihn Kanzlerin Angela Merkel und verlieh ihm damit auch internationale Anerkennung. Dies ist beachtenswert, da Merkel eigentlich aus der gleichen Parteienfamilie wie Macrons Konkurrent Fillon stammt, dieser aber einen Besuch Macrons bei Merkel unbedingt verhindern wollte. Doch geht es bei diesem kometenhaftem Aufstieg Macrons mit rechten Dingen zu? Zur Beantwortung dieser Frage ist ein Versprecher von Jérôme Fourquet, dem Direktor für öffentliche Meinungsumfragen bei einem marktführenden Meinungsforschungsinstitut „Institut français d’opinion publique“, möglicherweise sehr aufschlussreich. Denn er sagte in einer Live-Sendung im französischen Staatsfernsehen France 5 am 28. März: „Die Franzosen denken in Abständen. Vor drei Jahren war Emmanuel Macron völlig unbekannt. Dann haben wir schrittweise die Meinung aufgebaut, oder genauer gesagt hat sich schrittweise aufgebaut, dass er in die Stichwahl kommt, oder vielleicht Sieger des Wahlkampfes sein könnte.” Fourquet relativierte diesen Ausspruch zwar unmittelbar im gleichen Satz dahingehend, dass sich allgemein die Annahme aufgebaut habe, dass er es schaffen könnte. Doch bei näherer Betrachtung verdichtet sich der Eindruck, dass es sich nicht nur um einen Versprecher handelte. Denn nüchtern betrachtet sind die in den Umfragen veröffentlichten Zustimmungsquoten für Macron doch eher unrealistisch. Macron ist kein Mitglied der etablierten Parteien, kann somit nicht auf eine große Zahl von Stammwählern zurückgreifen. Und in seiner kurzen Zeit als Wirtschaftsminister stand er tendenziell für unpopuläre Maßnahmen, wie der Ausweitung der Sonntagsarbeit, was ihn sicherlich nicht zum Volksliebling machte. Daher stellt sich angesichts Fourquets Versprecher die berechtigte Frage, ob die aktuelle Euphoriewelle um Macron nicht künstlich erzeugt wurde. Hierzu lohnt sich ein genauerer Blick in Macrons Biographie. Macron war vor seinem Einstieg in die Politik bei der Rothschild Investmentbank in Paris tätig und stieg dort in Kürze vom Analyst zum Partner auf. Ab 2012 war Macron wirtschaftlicher Berater von Präsident Hollande, und nahm in dieser Funktion 2014 auch an der Bilderberg-Konferenz teil, einem Ort, wo im Hintergrund und an der Öffentlichkeit vorbei, politische und wirtschaftliche Absprachen getroffen werden.Kurz darauf wurde er zum Wirtschaftsminister ernannt. Sowohl als Berater des Präsidenten als auch als Wirtschaftsminister hat Macron stets die Nähe der großen Konzerne gesucht. So bezeichnete ihn einst der Chef der France Telecom als „unseren Mann beim Präsidenten“. Im Gegensatz zu seinen schärfsten Gegnern, wie Le Pen, die für eine Volksabstimmung über den EU-Austritt plädiert, oder Fillon, der sich seit langem für eine Aufhebung der Russland-Sanktionen stark macht, liegt Macron mit seinem Wirtschafts- und EU-freundlichen Programm ganz auf der Linie global vernetzter Konzerne und Banken. Aufgrund dieser Hintergründe kommt man nicht umhin, davon auszugehen, dass Macron der Wunschkandidat von Hochfinanz und Wirtschaft ist. Da diese aber letztendlich international die Fädenzieher in Politik und Medien sind, ist es wenig verwunderlich, dass Macron allerseits hochgejubelt wird. Währenddem beschäftigen sich die Medien im Falle seiner größten Konkurrenten vor allem mit deren vermeintlichen Affären. Inwieweit sich das französische Volk von dieser groß angelegten Medienkampagne steuern lässt, wird die Wahl am 23. April dann zeigen.

von tz.


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