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#Digitalisierung#Medienkommentar#Politik
Freitag, 06. Oktober 2017

Warum die Gefahr der Digitalisierung kalt lässt

Im Zeitalter der Digitalisierung werden praktisch alle Daten über uns gesammelt. Diese verraten sehr vieles über uns. Selbst Mainstreammedien wie z.B. das Schweizer Fernsehen (SRF) berichten über Gefahren der Digitalisierung. Doch obwohl SRF Fakten auf den Tisch legt – lässt dies die allermeisten Menschen kalt. Warum lösen solche TV-Berichte keinen Aufschrei aus? Dieser und der Frage, wie SRF sowie auch andere Systemmedien sich das bekannte „Froschprinzip“ zunutze machen, geht Kla.TV in dieser Sendung nach. [weiterlesen]

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Warum die Gefahr der Digitalisierung kalt lässt

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06.10.2017 | www.kla.tv/11226

Eigentlich wissen es alle. Seit dem Zeitalter der Digitalisierung werden praktisch alle Daten über uns gesammelt. Diese verraten sehr vieles über uns. Selbst Mainstreammedien berichten über Gefahren der Digitalisierung, wie z.B. das Schweizer Fernsehen (SRF) in der Sendung „Von Daten verraten“ bei Kulturplatz vom 30. August 2017. In der Sendung wurde ein Blick auf die Kehrseite der digitalen Welt und den Preis an Privatsphäre, den wir dafür bezahlen, geworfen. „Nicht Kleider sondern Klicks machen Leute“, so sei das heute. Und obwohl SRF Fakten auf den Tisch legt – lässt dies die allermeisten Menschen kalt. In unserer heutigen Sendung soll nun der Frage nachgegangen werden, warum solche TV-Berichte keinen Aufschrei auslösen. Kulturplatz fragt sich, wie die Digitalisierung das gesellschaftliche Miteinander, den Menschen als soziales Wesen, beeinflusst. Um dieser Frage auf die Spur zu kommen, ließ Kulturplatz den Berliner Soziologen Steffen Mau zu Wort kommen: „Es gibt Schätzungen die sagen, dass wir ungefähr 4.800 Mal am Tag sozusagen über Kommunikation mit dem Internet oder mobilen Geräten, Daten abgeben, und das betrifft letzten Endes alle Lebensbereiche.“ 4.800 Mal am Tag – diese Tatsache ist längst bekannt und dürfte wohl kaum jemanden mehr schockieren, zu sehr hat man sich schon an den Alltag mit digitalen Geräten gewöhnt. Weiter erklärt Mau, wie solche Daten weltweit systematisch gesammelt und ausgewertet werden: „Es gibt zum Beispiel eine große amerikanische Firma, Acxiom heißt die, die hat ein eigenes Datensystem, die treten als (sogenannte) Datenbroker auf, die haben zum Beispiel über viele hundert Millionen Menschen weltweit, auch in Europa, Daten gesammelt.“ Kulturplatz ergänzt, wie diese Datenbroker, auch Informationsvermittler genannt, aus der Fülle der Datenströme herausfiltern, welche Informationen zu welchem Menschen gehören. Daraus werde dann Punkt um Punkt ein Persönlichkeitsprofil errechnet, sozusagen ein digitaler Zwilling. Das Sozialwesen Mensch werde permanent vermessen und entsprechend bewertet. Besonders tückisch sei es, wenn sogenannte Emojis z.B. in Facebookprofilen genutzt werden. Bei Facebook habe ein internes Papier an die Öffentlichkeit gefunden, wo Facebook darüber nachgedacht hat, dass Jugendliche, die häufig „traurig“ sind, als Zielgruppe an Werbekunden oder der Pharmaindustrie weiterverkauft werden könnten. Auch an diese Tatsache, dass Daten zu Werbezwecken weitervermittelt werden, dürften sich wohl die meisten Menschen gewöhnt haben. Nun wird es aber interessant: Soziologe Mau sieht darüber hinaus Gefahren mit weit größerer Tragweite: „Wenn sie Daten haben, dann werden diese Daten genutzt um soziale Vergleiche anzustellen, Vergleiche zwischen Individuen und zwischen Universitäten, zwischen Krankenhäusern, wie auch immer. Also Daten führen zu einer Universalisierung von Vergleich und zugleich zu einer Verbreitung von Wettbewerb.“ Diese Tendenz führe weg von der Solidargemeinschaft, hin zur Konkurrenzgesellschaft und neuen Ungleichheiten: „Die führen eben dazu, dass es eine neue Form von Statusordnung gibt, wo diejenigen, die gute Daten haben und mit guten Zahlen glänzen eben oben stehen, und diejenigen, die schlechte Werte haben oder schlechte Daten, weit unten stehen.“ Dieser neue Bewertungskult könne z.B. genutzt werden, wenn Unternehmen Personen einstellen oder Wohnungsinteressenten an Vermieter vermittelt werden. Ah, eine Selektion von Personen also, in „gute“ und „schlechte“, oder in solche, die den jeweiligen Ansprüchen gerecht werden oder eben auch nicht. Da wird’s wirklich interessant. Doch wird das wohl im legitimen Rahmen sein, werden sich manche denken. Die Mainstreammedien berichten ja darüber und scheinen ihren Mahnfinger darauf zu halten. Und zudem wird es im demokratischen Europa wohl nicht allzu schlimm sein. Denn, wie Kulturplatz folgert, besonders krass sei die Entwicklung in China. Das staatlich verordnete „Social Creditsystem“ (ein soziales Bewertungssystem) erfasse alle Online-Aktivitäten vom Chat bis zum Shopping, aber auch Finanz- und Strafregisterdaten. Pluspunkte gebe es für regierungstreues Verhalten und gute Zahlungsmoral. Abzug gebe es für oppositionelle Äußerungen oder für einen verschwenderischen Lebensstil. Freunde mit schlechten Zahlen drücken ebenfalls auf den eigenen Wert. Bürger mit niedrigen Werten gelten dann als unverantwortlich und demzufolge als nicht würdig, Kredite, Hotelzimmer oder Reisegenehmigungen zu erhalten. Es drohe die totale Sozialkontrolle, so die Kulturplatz-Sendung des SRF. Also darauf läuft es hinaus, dass Menschen mithilfe digitaler Daten ausgegrenzt werden sollen. Doch ist diese totale Sozialkontrolle bis hin zur Ausgrenzung wirklich nur in China relevant, wie die Sendung des SRF unterschwellig vermittelt? SRF wird sich dessen sicher bewusst sein, dass es gerade in unseren Breitengraden tendenziell dahin läuft, dass Menschen, die sich nicht system- oder regierungskonform verhalten, benachteiligt und ausgegrenzt werden. Erst kürzlich sagte Gerhard Pfister, Präsident der Christlichdemokratischen Volkspartei (CVP), im Schweizer Wochenmagazin „Die Weltwoche“: Man gebe ihm seitens der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft SRG indirekt durchaus zu verstehen, dass er mit Konsequenzen rechnen müsse für seine Kritik. Dies geschehe natürlich nicht offen sondern unterschwellig, aber es geschehe, so der CVP-Chef. Der SRG sind sogenannte Unternehmenseinheiten wie SRF unterstellt. Klagemauer.TV wies in verschiedenen Sendungen darauf hin, dass diese Entwicklung der Benachteiligung und Ausgrenzung besonders auch in vorgeblich demokratischen westlichen Ländern schon längst gängige Praxis ist. Eine Auflistung dieser Sendungen finden Sie im Abspann. SRF macht es also sehr geschickt. Indem sie immer wieder mal auf Gefahren der digitalen Welt hinweisen, gewöhnen sich viele Menschen daran und denken, da bis jetzt noch kaum Konsequenzen zu spüren sind: „Mich geht es ja nichts an.“ SRF sowie auch andere Systemmedien machen sich also das bekannte „Froschprinzip“ zunutze: Würde man einen Frosch in einen Topf mit heißem Wasser werfen, würde er ohne nennenswerte Verletzungen auf der Stelle wieder herausspringen. Wenn man jedoch einen Frosch in einen Topf mit kaltem Wasser steckt und dann anschließend das Wasser ganz langsam erhitzt, bleibt der Frosch im Kochtopf sitzen … und sitzen, bis er im kochenden Wasser stirbt! Auf diese Weise wird der Konsument langsam aber bedacht an die digitale Entwicklung und sogar an deren Gefahren gewöhnt …, bis die Falle der Benachteiligung und Ausgrenzung zu guter Letzt zuschnappt. Nicht-systemkonforme Menschen können mithilfe digitaler Daten besser geortet, gestraft, benachteiligt oder sonstwie ausgegrenzt werden – seien es Medien- oder Systemkritiker, Gegner der Frühsexualisierung oder Abtreibungsgegner, Verweigerer von gentechnisch veränderten Lebensmitteln, Impfungen, oder eines RFID-Chip unter der Haut, Kriegsgegner usw. – Deshalb lassen Sie sich nicht beirren, wenn Sie sogar von Systemmedien vor der digitalen Welt gewarnt werden: „Springen Sie aus dem Topf raus“, bevor es zu spät ist.

von dd.

Quellen/Links: http://www.srf.ch/sendungen/kulturplatz/von-daten-verraten
https://de.wikipedia.org/wiki/Informationsvermittler
https://de.wikipedia.org/wiki/Globale_%C3%9Cberwachungs-_und_Spionageaff%C3%A4re
https://bengrosser.com/projects/
http://m.20min.ch/schweiz/news/story/25157874

Warum die Gefahr der Digitalisierung kalt lässt

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