Dienstag 25. April 2017

Medienkommentar Wissenschaft

Marsch für „die“ Wissenschaft oder Marsch „ins finsterste Mittelalter“? (1 von 3)

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Marsch für „die“ Wissenschaft oder Marsch „ins finsterste Mittelalter“? Dienstag, 25.04.2017 (1 von 3)
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SRF zum Klimawandel Sonntag, 19.02.2017 (2 von 3)
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Schweizer Föderalismus in Gefahr Dienstag, 25.04.2017 (3 von 3)

Am 22. April 2017 gingen weltweit Zehntausende von Menschen auf die Straße, um dafür zu demonstrieren, dass wissenschaftliche Erkenntnisse als Grundlage des gesellschaftlichen Diskurses nicht verhandelbar seien. Dies ruft auch Kritiker auf den Plan, die sich am unüberhörbaren Absolutheitsanspruch der „einen“ Wissenschaft stören. Kla.tv geht der Frage nach, warum diese Entwicklung an das dunkle Mittelalter erinnert.

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Marsch für „die“ Wissenschaft oder Marsch „ins finsterste Mittelalter“? 25.04.2017

Am letzten Samstag, dem 22. April 2017, fand ein „Marsch für die Wissenschaft“ statt, an dem laut Medienberichten weltweit Zehntausende in hunderten Städten teilnahmen. Worum genau ging es bei diesen Märschen für die „klassische“ Wissenschaft und gegen angebliche Wissenschaftsfeindlichkeit? Hier ein Auszug aus dem Aufruf für den Marsch: „[...] Die gründliche Erforschung unserer Welt und die anschließende Einordnung der Erkenntnisse, die dabei gewonnen werden, ist die Aufgabe von Wissenschaft. Wenn jedoch wissenschaftlich fundierte Tatsachen geleugnet, relativiert oder lediglich „alternativen Fakten“ als gleichwertig gegenübergestellt werden, um daraus politisches Kapital zu schlagen, wird jedem konstruktiven Dialog die Basis entzogen. Da aber der konstruktive Dialog eine elementare Grundlage unserer Demokratie ist, betrifft eine solche Entwicklung nicht nur Wissenschaftler/innen, sondern unsere Gesellschaft als Ganzes. Am 22. April 2017 werden deshalb weltweit Menschen auf die Straße gehen, um dafür zu demonstrieren, dass wissenschaftliche Erkenntnisse als Grundlage des gesellschaftlichen Diskurses nicht verhandelbar sind. […]“ Dieser Aufruf klingt beim ersten Hören sicherlich sehr vernünftig, gut und unterstützungswürdig. Wer ist denn schon für das Leugnen von wissenschaftlichen Erkenntnissen, besonders wenn es um so heikle Themen wie Klimawandel, Impfen, Gentechnik und anderes mehr geht? Solch stupides Wissenschaftsleugnen war gemäß den Überlieferungen im dunklen Mittelalter noch gang und gäbe. Seinerzeit wurde im europäischen Raum allein das von der katholischen Kirche gezeichnete Weltbild geduldet und alles andere als teuflisch oder ketzerisch gebrandmarkt und auf brutalste Weise strafverfolgt. Betrachtet man diesen Aufruf zum Wissenschaftsmarsch allerdings genauer, hat er aber doch einen „schalen Beigeschmack“, wie es Michael Klein, deutscher Wissenschaftler und Journalist, auf seinem Internetblog „Kritische Wissenschaft“ ausdrückte. Auf den Punkt gebracht stört im Aufruf der unüberhörbare Absolutheitsanspruch „der“ einen Wissenschaft, der durch die Märsche gegenüber sogenannten „alternativen“ Wissenschaften erhoben wird. Auch Albrecht Müller, ehemaliger deutscher Politiker der SPD, beschreibt seinen Eindruck wie folgt: „Es wäre gut, es würden hier Ross und Reiter genannt. Wer ist denn gemeint mit den „Vertretern alternativer Fakten“? Die Initiatoren des Marsches übertreiben das Leugnen wissenschaftlicher Erkenntnisse maßlos.“ Michael Klein führt diesen Gedanken anhand des Beispiels Klimawandel folgendermaßen fort: „[…] absurd ist es, Wissenschaftsfeindlichkeit ausgerechnet am Klimawandel festzumachen. Niemand […] bestreitet, dass es Klimawandel gibt. […] Umstritten ist nur die Behauptung, der derzeitige Klimawandel ginge einzig und allein auf menschliches Wirken zurück. Im Gegenteil, der „menschengemachte“ Klimawandel ist alles andere als eine wissenschaftliche Tatsache, er findet sich derzeit nur in Modellen und Simulationen. Doch aufgrund der Behauptung, es gäbe ihn, werden z.B. Wetterereignisse entsprechend der eigenen Überzeugung interpretiert. Das wiederum ist keine Wissenschaft, sondern wissenschaftlich eingefärbte Ideologie (sprich Weltanschauung). Ginge es den Marschierern in Berlin tatsächlich um die Wissenschaft, sie würden sich bemühen, Kriterien aufzustellen, die es ermöglichen, dass sich Modelle des Klimawandels als falsch erweisen können. […] In Menschen die alleinige Ursache eines Klimawandels zu sehen, ist in etwa so als würde man behaupten, […] das leichte Schlingern der Erde, wenn sie sich um ihre eigene Achse dreht, sei der Tatsache geschuldet, dass die Erde mit viel zu vielen Menschen überbevölkert ist.“ Albrecht Müller kommt zu der Schlussfolgerung: „Wir verdanken der Wissenschaft große hilfreiche Erkenntnisse; wir verdanken einem politisch korrupten Teil der Wissenschaft, der […] unter der Flagge der Wissenschaftlichkeit segelt, gravierende politische und gesellschaftliche Fehlentscheidungen.“ Beim Thema Klimawandel geht es vordergründig um massive wirtschaftliche, ja machtpolitische Interessen. Global wirkende Finanzoligarchen finanzieren direkt oder indirekt nur Forschungsprojekte, deren Resultate exakt ihrer eigenen Machtstrategie entsprechen. Einzelheiten finden Sie in der Sendung „Klimawandel und CO2 nur Vorwand für Sonderabgaben?“. Michael Klein drückt diesen Gedanken so aus: „Der Marsch für die Wissenschaft dient wohl eher den wirtschaftlichen Interessen derer, die befürchten, eine Kritikbereitschaft, wie sie z.B. in einer wirklichen Wissenschaft herrscht, würde den Geldsegen […] beenden […].“ Es hat den Anschein, dass den der Finanzoligarchie hörigen Mainstreamwissenschaftlern ähnlich wie den Mainstreammedien auch „die Felle wegschwimmen“. Denn die Menschen übernehmen die Resultate und Meldungen von Wissenschaft und Medien inzwischen nicht mehr so unkritisch wie noch vor Jahren. Die finanziellen Verfilzungen sind ihnen nicht verborgen geblieben. Bleibt beiden offenbar nur noch die Totschlagkeule, nämlich alles als „Fake-News“ oder „alternative Fakten“ zu diskreditieren, was ihrer Sprechart bzw. ihren Interessen widerspricht. Mit dem absoluten Anspruch, dass die Erkenntnisse „ihrer“ Wissenschaft - und übrigens auch „ihrer Medienberichte“ - als Grundlage des gesellschaftlichen Diskurses nicht verhandelbar sind, marschiert man gleichsam auch wieder auf direktem Kurs „ins finsterste Mittelalter“ der Feudalherrschaften.

von hm


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