Mittwoch 24. Mai 2017

Christoph Hörstel über Trump: Medien beschreiben Affentheater – niemals die wesentlichen Dinge (1 von 1)

Der Umgang der Mainstream- Medien mit Donald Trump ist kurios. Auf der einen Seite steht er unter Dauerbeschuss und manch einer fordert die „ Amtsenthebung“. Auf der anderen Seite zeigen durchgesickerte Informationen, dass man sich mit übertriebener Höflichkeit um seine Gunst bemüht. Was soll man als Zuschauer davon halten? Für Christoph Hörstel sieht das alles nach einem inszenierten „Affentheater“ aus, um von den wesentlichen Dingen abzulenken. Hören Sie seine Einschätzung zu Trumps Rolle.

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Christoph Hörstel über Trump: Medien beschreiben Affentheater – niemals die wesentlichen Dinge 24.05.2017

Mit einer Visite beim Papst in Rom begann US-Präsident Donald Trump heute Morgen, am 24. Mai 2017, seinen Europabesuch. Danach reiste er weiter nach Brüssel zum NATO-Gipfel vom 24./25. Mai. Am Freitag und Samstag nimmt er auf Sizilien am G7-Gipfel teil. „Hofieren – heißt die Devise“ lautete zum Beispiel die Schlagzeile beim Schweizer Radio und Fernsehen SRF. Aus diplomatischen Kreisen sei durchgesickert, so SRF, dass in Außenministerien und Präsidentenbüros eine Art Rezeptliste für den Umgang mit US-Präsident Donald Trump zirkuliert. Sie enthalte folgende sechs Punkte: 1. Haltet euch kurz. Denn Trump liest keine Dossiers, seine Aufmerksamkeitsspanne ist minimal. Beim NATO-Gipfel soll deshalb jedes Votum bloß drei bis fünf Minuten dauern. 2. Nicht voraussetzen, dass Trump die Länder Europas und ihre Anliegen und Probleme kennt. 3. Trump loben: Für seinen Wahlsieg, seinen Tatendrang, seine Familie. 4. Vorgänger Barack Obama nicht erwähnen – und wenn, dann wenigstens nicht positiv. 5. Nicht an irgendetwas anknüpfen, was Trump im Wahlkampf gesagt hat. Das meiste gilt eh nicht mehr. 6. Dem US-Präsidenten etwas anbieten, das er zuhause als Sieg verkaufen kann. Was soll denn das nun wieder, fragt sich da der aufmerksame Bürger? Auf der einen Seite befindet sich der neue US-Präsident unter Dauerbeschuss – wegen Trumps angeblichen Kontakten zu Russland ist sogar von einem Amtsenthebungsverfahren die Rede – andererseits will es sich keine europäische Regierung leisten, sich mit ihm offen anzulegen. Einer, der die oft kuriosen und schwer zu durchschaubaren Ereignisse rund um Trump klipp und klar einzuschätzen weiß, ist Christoph Hörstel, deutscher Politikexperte und Bundesvorsitzender der Partei „Deutsche Mitte“. In einer Videobotschaft vom 21. Mai „zur Lage Kalenderwoche 20“ zog er folgendes Fazit: „Wir bleiben geduldige Zuschauer von Nachrichten, die nur ein Affentheater beschreiben und niemals die Dinge, um die es wirklich geht.“ Was könnte das Hofieren des US-Präsidenten durch europäische Regierungen besser beschreiben als ein „Affentheater“, womit ein übertriebenes Auftreten gemeint ist? Wobei von den Dingen, um die es wirklich geht, abgelenkt wird, wie Hörstel des Weiteren folgert: „Eines ist jedoch jetzt schon klar: Die Washingtoner Szene ist vollkommen verunsichert, man streitet sich lauthals, selbstverständlich wird wieder nicht gesagt, worum es geht. Nämlich, dass wenn ein Crash bevorsteht, man auch den Krieg mitplant. Und das wird hier vorangetrieben und dabei ist völlig egal, wer eigentlich gerade Präsident ist, ob das jetzt Hillary Clinton wäre oder Donald Trump, vollkommen egal. Das Kartell wählt sich denjenigen Kandidaten aus, von dem es meint, dass er für die Kartellinteressen besser ist.“ Mit Kartell ist in diesem Zusammenhang eine kleine „Machtelite“ gemeint. Der Begriff „Machtelite“ bezeichnet die herrschenden bzw. einflussreichen Kreise einer Gesellschaft und geht auf den US-amerikanischen Soziologen Charles Wright Mills zurück. Dieser untersuchte in seinem Werk „The Power Elite“ (Die Machtelite) das Zusammenwirken der politischen, militärischen und wirtschaftlichen Eliten v.a. in der US-amerikanischen Gesellschaft der Nachkriegszeit. Nach Mills entstand die Machtelite in den Vereinigten Staaten während den Wirtschafts- und Sozialreformen in den Jahren 1933 bis 1938 unter US-Präsident Roosevelt. Nach Hörstel geht es also um eine kleine Machtelite, die ihren Einflussbereich stetig bis hin zu einer Neuen Weltordnung auszubauen versucht. Trumps genaue Rolle dabei lässt Hörstel offen. Er verhalte sich zwar ein wenig eigensinnig, doch wie weit das gehe oder wie weit das Show sei, wer wisse das, so Hörstel. Sehen Sie nun als Ergänzung ein Interview, dass der iranisch-deutsche Radiosender ParsToday mit Christoph Hörstel führte und am 21. Mai veröffentlichte. Das Interview rund um den US-Präsidenten Donald Trump fand kurz nach Beginn der ersten Auslandsreise des US-Präsidenten statt. Am 20./21. Mai stand Saudi-Arabien auf dem Programm, am 22. Mai Israel und am 23. Mai Bethlehem im Westjordanland. Interview mit Christoph Hörstel Seyyed-Hedayatollah Shahrokny: Herr Hörstel, ich darf Sie ganz herzlich begrüßen zu diesem Interview. Hörstel: Herzliche Grüße nach Teheran, Herr Shahrokny. Shahrokny: Vielen Dank. Herr Hörstel seit dem Amtsantritt Trumps hört man nur Skandale, Affären, umstrittene Entscheidungen etc. Liegt es in der Natur des neuen amerikanischen Präsidenten, liegt es in der Politik, die möglicherweise wo anders gemacht wird? Wie erklären Sie das? Hörstel: Ja ich glaube, das ist nicht voneinander zu trennen. Dieser Präsident bringt natürlich eine bestimmte – Sie sagen Persönlichkeit – ich sage eine bestimmte politische Richtung mit, die Persönlichkeit kommt sozusagen erschwerend hinzu. Und er findet vor ein Machtumfeld, in dem eben jemand ganz anderes als die, die gewählt sind, tatsächlich bestimm, wo es mit den USA, mit der Politik Washingtons hinzugehen hat – also in diesem Umfeld bewegt er sich nun in der ihm eigenen, sehr eigenwilligen Art. Da sind natürlich solche Konflikte nicht ausgeschlossen, er ist von vornherein in einem Tauziehen verwickelt, das er sich lösen kann, indem es darum geht, dass er gegenüber Russland gern eine freiere Hand hätte, als offenbar die tatsächlich Mächtigen bereit sind, ihm einzuräumen. Daran hängt ein großer Teil seiner Glaubwürdigkeit, auch der Strategie. Aber in Wahrheit wissen wir auch – ob Trump da so gut informiert ist, weiß ich nicht und wie gut er informiert ist – dass ja diese ganze Geschichte eine riesige Show ist. Wir (das Publikum, das schlechter informiert ist) sollen abgelenkt werden davon, dass wir tatsächlich vor einem Finanzcrash stehen, den das System verursacht hat und die jüngsten Bewegungen des Systems haben das verschlimmert. Und zum Klavier gehört traditionell, seit 160 Jahren oder mehr, die Möglichkeit einen kleineren oder größeren Krieg einzurühren – und die tatsächlich Mächtigen benutzen Krieg als Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln – das wissen wir schon lange. Das ist an sich auch ein Geschäft und in diesem geschäftlichen Umfeld bewegt sich nun der neue Präsident Trump. Und das soll chaotisch aussehen und da wird ihm alles negativ ausgelegt – die Medien sind feindlich. Die New York Times hat allein heute sechs bis acht Beiträge über Trump und davon sind bis auf einen, nein wenn man es genau nimmt alle kritisch. Das heißt er steht vor einer Medienkanonade [Medienbeschuss], die ihresgleichen sucht. Ich habe jedenfalls in meiner politischen Erfahrung so etwas noch nie gesehen. Shahrokny: Herr Hörstel, sagen Sie uns bitte konkret. Wird die Politik in den USA nicht im Weißen Haus sondern wo anders gemacht? Hörstel: Das ist eindeutig, lieber Herr Shahrokny, wir haben uns schon darüber unterhalten – die Politik in den USA wird nicht im Weißen Haus gemacht. Im Weißen Haus wird sie umgesetzt, im Weißen Haus wird sie kommuniziert und im Weißen Haus fallen die Entscheidungen für die rein politische Arena im engen, nämlich im verfassungsrechtlichen Sinne. Und was wir heute haben, ist eine stark verbreitete Aufstandsfläche der tatsächlich Mächtigen in die politische Szene. Der rausgeschmissene FBI-Chef Comey war ein Mann der Kartelle [Zusammenschlüsse weniger einflussreicher Personen aus Politik, Militär und Wirtschaft] mit einer eigenen Verbindung zu den Kartellen – und das ist ihm zum Verhängnis geworden. Er hat genau gespielt, was er sollte, aber er bekam seine Aufträge nicht etwa vom amerikanischen Präsidenten, sondern er bekam sie direkt von den Kartellen – mal hat es Trump gepasst, mal hat es ihm nicht gepasst. Zurzeit hat es ihm nicht gepasst und da hat Trump versucht – oder was auch immer – er hat jedenfalls Schritte ergriffen, die irgendwie zeigen sollen, dass er tatsächlich in Washington Macht habe, die er nicht hat. Die Insider wissen das. Also kann man den Fall Comey auch als Teil eines Theaters ansehen oder man kann das lassen. Dass er dabei auch persönliche geschäftliche Interessen verfolgt, dass sein Schwiegersohn den größten Waffendeal der Weltgeschichte mit 110 Milliarden US-Dollar mit Saudi-Arabien eintütet, im Vorfeld des laufenden saudischen Besuchs des amerikanischen Präsidenten – übrigens der erste Auslandsbesuch – er geht ja nicht zu welchen NATO-Verbündeten oder so was, nicht nach Großbritannien, nein, der geht ausgerechnet nach Saudi-Arabien; der geht zum Geld, der geht zu den Kartellen! Das ist schon wahnsinnig interessant. Danach kommt Israel dran und nicht irgendeine Europäer – also wir rangieren ganz hinten. Er nähert sich Europa über den italienischen Stiefel, über die amerikanischen Basen – auch das sagt etwas, ja. Hier wird nicht Politik gemacht, hier wird Militärpolitik gemacht. Hier wird vor allem aber, so Leid mir das tut, das sagen zu müssen, Kartellpolitik [Interessenspolitik von wenigen einflussreichen Personen] gemacht. Und wenn jemand Beweise gesucht hätte für die berühmte US-Studie unter Mitwirkung der berühmten Princeton University in den USA, dass eben die USA keine Demokratie sind, sondern eine Oligarchie – eine Herrschaft der wenigen Superreichen – dann haben wir hier eine wunderbare Vorzugsmeldung. So läuft das. Shahrokny: Herr Hörstel, wenn man zurückdenkt an die Zeit des Wahlkampfes, da haben wir immer wieder von Trump gehört, dass er kaum oder wenig Interesse hätte, US-Soldaten, US-Militär in andere Länder zu schicken. Das was wir heute bislang gesehen haben, ist das Gegenteil der Fall gewesen. Hörstel: Ja, das gehört eben auch zu diesen Dingen. Da wird eben vor der Wahl was behauptet, nach der Wahl wird das anders gemacht. Wenn wir die Kartellmedien, also sozusagen die offiziellen Sprachrohre der tatsächlich Mächtigen verfolgen, die New York Times z.B. – die lese ich am liebsten, weil die am ausführlichsten und genauesten ist und ich will sagen, die ebenso erschreckende wie verblüffende Offenheit freimütig sagt, was Kartelle sich wünschen – deswegen lese ich sie als Referenzgröße jeden Tag. Wenn wir da sehen, wie die gejubelt haben jedes Mal, wenn er die Zahl der amerikanischen Soldaten in Syrien, im Irak oder sonst wo erhöht hat, dann ist man im Grunde genommen wirklich konsterniert [fassungslos], wie durchsichtig dieses Ganze funktioniert. Er beschwichtigt die Mächtigen mit solchen Maßnahmen und irgendwann kann man dann im Nebel nicht mehr ausmachen: Was ist eigentlich Beschwichtigung und was ist Theater und was ist eigentlich das ganz kalte Abfeiern von Planung? Und ich fürchte, es ist das Letztere. Ja, wir müssen hier von Planung reden, was da passiert. Und leider Gottes muss ich heute sagen: Diese Planung richtet sich ja nicht nur im Großen gegen Europa, sondern die richtet sich im Moment ganz spitz gegen Ihr Land (Iran) – ein 110 Milliarden US-Dollar Waffendeal mit Saudi-Arabien ist gegen Irak gerichtet. Und das macht mich auch sehr besorgt. Shahrokny: Herr Hörstel, bleiben wir eine kurze Weile bei diesem Thema. Trump hat vor seinem Amtsantritt ganz offen gesagt, dass er dort auch dagegen vorgeht, wo Menschenrechte verletzt werden. Bekanntlich gehört Saudi-Arabien zu den Ländern, in denen Menschenrechte am meisten verletzt werden. Ist das ihrer Meinung nach nicht so ein Widerspruch zu dem, was er gesagt hat und was er jetzt tut? Hörstel: Schauen Sie, wenn ein Regime insgesamt die Führung eines Landes – sei es vom Weißen Haus aus oder von den Kartellen – dermaßen grotesk [verrückt] korrupt ist wie in den USA, und wir reden über Menschenrechte, da frage ich mich: Wann möchte eigentlich Washington mal anfangen, die gewaltigen massenhaften Menschenrechtsverletzungen im eigenen Land anzugehen? Was haben wir denn? Wir haben Massenarmut in den USA: riesige zig Meter lange Schlangen jeden Tag in der Früh bei den Essensausgabestellen – die Ärmsten der Armen, keine Zähne, kaum medizinische Versorgung, das bisschen was da war, hat Trump noch zerschlagen. Und im Grunde genommen ein organisiertes Unrechtssystem! Was hat da ein Milliardär gesagt, der einen weltweit bekannten Schauspieler Hulk Hogan vertreten hat gegen einen Produzenten eines Sexvideos? Der hat gesagt: „Ein einstelliger Millionär hat in den USA keine Chance, sich Recht zu verschaffen.“ Das ist die Aussage gewesen und deswegen sei er, der Milliardär – übrigens ein deutschstämmiger – auf die Seite von Hulk Hogan in diesem Prozess eingestiegen. Das ist die Tatsache. Das heißt, das System USA ist erledigt! Es ist geistig erledigt, es ist politisch erledigt, es ist sachlich erledigt, fachlich erledigt. Das ist die Situation. Wenn die USA etwas Tolles tun wollten, dann wäre das, im eigenen Laden aufzuräumen. Aber im Moment versuchen sie offenbar, den Giftpilz ihrer politischen Machenschaften zu exportieren, weiter als bisher. Das ist unangenehm. Shahrokny: Herr Hörstel, man wollte auch in Saudi-Arabien eine Allianz gegen Iran schmieden. Dazu sind auch einige arabische Länder, v.a. Anrainerstaaten des Persischen Golfs eingeladen. Was können die überhaupt unternehmen gegen ein Land wie den Iran? Chr. Hörstel: Wissen Sie, ich seh das auch ein bisschen cool, diese ganze Geschichte. Die wollen den Iran, oder sollen im Plan der Mächtigen, den Iran einfach erpressen helfen mit einer gewaltigen Militärmacht. Mein Eindruck ist, das wird nicht gelingen. Das Interessante ist ja, dass im Iran gerade ein als gemässigt geltender Präsident im Amt bestätigt worden ist in den letzten Tagen. Das hält offenbar die USA nicht davon ab, den Iran weiter unter Druck zu setzen. Diese Art Dinge sind nur dann verständlich, wenn man begreift, dass da jemand hinter den Energierohstoffquellen des Iran her ist und nicht etwa hinter menschenfreundlicher Politik. Zunächst geht's also nicht darum, dass wir jetzt übermorgen mit einer Kriegserklärung an den Iran rechnen müssen, sondern wir müssen mit täglich fortgeführter Erpressungspolitik rechnen und ganz konkret wissen wir, wie das geht: Terroranschläge bei ihnen, aufwiegeln von Völkerstämmen, von denen es im Iran ja genügend gibt. Destabilisieren des gesamten Systems durch Einsatz von Dollarsäcken, was viel leichter geht, weil man jetzt auch viel mehr Firmenaktivitäten durch Wegfall der Sanktionen hat. Und Trump hat ja sich dazu bekannt, dass er die Sanktionen nicht in der alten Härte wieder aufleben lassen will, sondern er lässt das erst mal so, das ist offizielle Erklärung. Und das heisst, die Firmen agieren weiter, sie sind durchsetzt mit CIA-Spionen und durchsetzt mit amerikanischen nationalen angeblich Washington-Interessen, sagen wir lieber, und das ist die Lage. Sie werden an jeder Ecke wieder irgendwelche unschönen Massnahmen aus Washington durch die Kartelle gegen Ihr Land säen. Das ist meine Prognose. Shahrokny: Herr Hörstel, Trump will von Saudi-Arabien aus nach Israel weiter reisen. Wir wissen, wie umstritten der israelische Präsident ist, mit dem er sich über verschiedene Dinge, u.a. über die Beilegung des Nahost-Konflikts unterhalten will. So ein Präsident wie Trump, was kann er überhaupt dazu leisten, wenn man seine Einstellung zu weltpolitischen Themen kennt? Chr. Hörstel: Wissen Sie, mich interessiert, ob der in Jerusalem endlich das macht, was eigentlich schon ein Beschluss ist in den USA, aber noch von keiner Organisation durchgezogen wurde, nämlich die Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt des zionistischen Staatsgebildes. Das ist der tatsächlich ernsthafte Punkt dahinter. Und ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass er dieses nun betreibt. Also, wir dürfen gespannt sein. Ich kann jetzt keine Prognose hier anstellen, möchte ich gar nicht, ob er das tut oder nicht, aber es ist eben nicht auszuschliessen. Insgesamt glaube ich noch nicht daran, aber wenn er es täte, wäre das ein weiteres Anheizen des regionalen, auch grossregionalen Konfliktpotentials. Shahrokny: Da hat er aber auch vor seiner Reise noch angekündigt, diesen Konflikt lösen zu helfen. Sie haben eben so angedeutet, dass er nicht so ein Mann ist, der überhaupt das täte, oder das tun wollte. Was kann er denn sonst anrichten in der Nahostregion, wo es wirklich eher Frieden bräuchte als mehr Krieg? Chr. Hörstel: Gut, ein amerikanischer Präsident kann traditionell nur ein Geschäft richtig gut betreiben, wenn er dem Kartell [einer kleinen, einflussreichen Machtelite] gehorsam bleiben möchte, und das ist das Geschäft betreiben, das die USA von allen Staaten am besten beherrschen, nämlich Krieg. Und ich fürchte, dass dieser Besuch kein Besuch ist, der tatsächlich Frieden hervorbringt. Frieden im Nahost ist ein Versprechen, das haben alle amerikanischen Präsidenten durch die Bank, seit es den Staat Israel gibt, dessen Entstehungsgeschichte besät ist mit Rechtsbrüchen, haben sie alle versprochen und alle haben es nicht geschafft und haben es nicht gehalten. Und die Lage der Bevölkerung wurde immer schlimmer, übrigens auch die der israelischen Bevölkerung. Es gibt eine wunderschöne wirtschaftliche Entwicklung, die mit ungeheuerlichen Geldern aus den USA erkauft ist, die grösste Hilfsdichte weltweit kommt also Israel zugute, aus Washington. Aber den Frieden hat das nie gefördert, sondern immer nur die Unterdrückung der Palästinenser. Und ich sehe die Struktur nicht im Team und in der Politik Trumps, eine solche Kehrtwendung zu vollführen, dass plötzlich alle Menschen profitieren könnten und nicht mehr nur die Kartelle. Shahrokny: Herr Hörstel, lassen Sie mich zum Schluss über die Person von Trump selbst eine Frage an Sie stellen. In der letzten Zeit hört man relativ häufig, oder liest man häufig in den Medien, dass möglicherweise ein Amtsenthebungsverfahren gegen Trump möglich wäre. Was ist Ihre Ansicht dazu? Chr. Hörstel: Die erpressen den einfach. Die Kartelle erpressen den amtierenden Präsidenten mit einem Amtsenthebungsverfahren. Das erinnert mich auch sehr stark an das, was dem Präsidenten Clinton passiert ist, nachdem man seine lächerliche Affäre mit einer kleinen Praktikantin im Weissen Haus so hoch geblasen hat, als sei das eine Staatsaffäre. Als ob amerikanische Präsidenten nicht traditionell die CIA dafür einspannten, dem Präsidenten einen ganzen Harem vorzuführen, der ich glaube auch saudische Potentaten erblassen lassen könnte. Das sind die Dinge, worum es geht. Ich glaube, da ist manchmal die sexuelle Reichweite eines Präsidenten entscheidender für das, was der macht, als tatsächlich irgendwelche Regeln oder die guten Sitten oder so etwas Ähnliches – das ist die traurige Lage, die wir in Washington haben. Und die Kartellmedien versteifen sich jetzt darauf, das liest man heute wieder in der New York Times, dass der amerikanische Präsident infantil sei. Also, was auch immer der treibt, der hat diese Medien da gegen sich. Wer Trump ist, konnte man in seinem Vorleben feststellen: vollkommen egozentrisch, nur auf Gewinn bedacht unter allen Umständen, mit allen Mitteln. Bewährtes Trump-Rezept war: Fang irgendwo eine Baustelle an, lass das Ganze von irgendwem zu Ende führen, wenn's irgendwie geht, notfalls mit Krediten und dann mach deinen Gewinn aus der Unternehmung vor Gericht. Warum? Da kennt er sich aus, da hat er politische Drähte, da kann er beeinflussen, da kann er die teuersten Rechtsanwälte kaufen, die der Mann gar nicht bezahlen könnte. Wie gesagt Stichwort: einstellige Millionäre können sich in den USA nicht Recht verschaffen, das sind aber die meisten Firmen, mit denen er es zu tun hat, das macht er gerne. Und so hat er sein Vermögen vergrössert von dem man nicht wirklich weiss, wie gross es ist, weil man seine Kreditengagements [seine Verpflichtungen, Kredite zu verleihen] nicht kennt. Das sind die Dinge. Und wenn man das beurteilen will, da kann man nur sagen: Seriös ist das Gegenteil. Shahrokny: Vielen Dank, Herr Hörstel, für dieses Gespräch. Chr. Hörstel: Alles Gute nach Teheran, Herr Shahrokny.

von dd.


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