Donnerstag 06. Juli 2017

Medienkommentar Politik

Interkontinentalraketentest Nordkoreas und vorenthaltene Motive nordkoreanischer Machthaber (1 von 2)

Interkontinentalraketentest Nordkoreas und vorenthaltene Motive nordkoreanischer Machthaber Donnerstag, 06.07.2017 (1 von 2)
Nordkorea – was es heißt, die USA vor der „Haustür“ zu haben + Film „Korea – Verbrechen im vergessenen Krieg“ Freitag, 21.04.2017 (2 von 2)

Am 4. Juli 2017 vermeldeten die etablierten Medien, dass Nordkorea laut eigenen Angaben erstmals erfolgreich eine Interkontinentalrakete getestet habe. Was die USA und ihre Verbündeten dabei versäumt haben, klärt Kla.TV mithilfe eines knappen historischen Streifzugs des französischen Journalisten Philippe Pons: Was sind die eigentlichen Motive der nordkoreanischen Machthaber?

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Interkontinentalraketentest Nordkoreas und vorenthaltene Motive nordkoreanischer Machthaber 06.07.2017

Am 4. Juli 2017 vermeldeten die etablierten Medien, dass Nordkorea laut eigenen Angaben erstmals erfolgreich eine Interkontinentalrakete getestet habe. Als Interkontinentalraketen, auch Langstreckenraketen genannt, gelten ballistische Raketen, deren Reichweite 5.500 km überschreiten und bis zu 15.000 km betragen sollen. Ballistische Raketen werden vom Boden aus in einer bogenförmigen Flugbahn auf Bodenziele abgefeuert. Diese Interkontinentalraketen gelten als wichtigstes Trägermittel für Atomsprengköpfe. Es ist bekannt, dass Nordkorea seit Jahren an solchen Raketen arbeitet, die auch die USA erreichen können, da es den USA eine feindselige Politik unterstellt. Die Stadt Anchorage zum Beispiel im US-Bundesstaat Alaska ist 6000 Kilometer von Pjöngjang, der Hauptstadt Nordkoreas, entfernt und läge in der Reichweite einer Interkontinentalrakete. So wurde der jüngste Test vor allem als Warnsignal an die Regierung in Washington verstanden – deren heftige Reaktion auch nicht lange auf sich warten ließ: „Ein schwarzer Tag für den Weltfrieden“, sagte die amerikanische UNO-Botschafterin Nikki Haley in einer eiligst einberufenen Sitzung des UNO-Sicherheitsrates am 5. Juli: „Die gestrigen Handlungen Nordkoreas machen die Welt zu einem gefährlicheren Ort.“ Die UNO-Botschafterin der USA versicherte, die USA würden als letzte Option auch vor einem Militärschlag gegen Nordkorea nicht zurückschrecken. Jedoch ist es bei weitem nicht das erste Mal, dass die USA mit einem militärischen Angriff gegen Nordkorea drohten. In einem Artikel des französischen Journalisten Philippe Pons, der in der Monatszeitung „Le Monde diplomatique“ und am 5. Juni 2017 in der Tageszeitung taz auf Deutsch erschien, zeigte dieser unbekanntere Hintergründe des Nordkoreakonflikts auf. Dabei gab er einen geschichtlichen Rückblick: Seit dem Waffenstillstand im Koreakrieg (1950–1953), auf den nie ein Friedensvertrag folgte, sei Korea ein Spannungsherd. Als Nordkorea 1969 ein US-Aufklärungsflugzeug über seinem Territorium abschoss, war für Präsident Nixon das Risiko eines Militärschlags zu groß. Zur gleichen Einschätzung kam das US-Militär auch 1994, als sich herausstellte, dass Nordkorea in der Lage war das radioaktive Schwermetall Plutonium zu produzieren. Danach drohte auch der damalige US-Präsident George W. Bush mehrfach mit Militärinterventionen. Als das Regime in Pjöngjang Ende der 1980er Jahre zu dem Schluss kam, dass es sich nur auf sich selbst verlassen könne, startete es mit Hilfe der Sowjetunion ein ziviles Atomprogramm, um es dann heimlich auch in militärische Bahnen zu lenken. Nach dem Genfer Rahmenabkommen von 1994 habe Nordkorea unter Aufsicht der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) seine Plutoniumproduktion eingestellt – bis George W. Bush 2002 das Abkommen von 1994 für gescheitert erklärte. George W. Bush behauptete, Nordkorea hätte weiterhin Uran angereichert, was freilich nicht den Fakten entsprach, wie die US-Geheimdienste 2007 zugeben mussten. Das Eingreifen der USA in Afghanistan, im Irak und zuletzt in Syrien habe dann laut Philippe Pons die Überzeugung Nordkoreas nur noch verstärkt, dass man sich vor einem ähnlichen Schicksal nur durch eigene Atomwaffen schützen könne. In einem Artikel – der bereits am 10. Dezember 2004 ebenfalls in der „Le Monde diplomatique“ erschien – gab Bruce Cumings, ein US-amerikanischer Nordkoreaexperte an der University of Chicago, eine weitere Erklärung: „Warum Nordkorea zum Überleben die Atombombe benötigte?“ Der Koreakrieg von 1950 bis 53 als solcher habe die Politik Nordkoreas definiert und als einzige Alternative für seine nationale Sicherheit die Atombombe geradezu zwingend notwendig gemacht. „Mit einer Grässlichkeit ohnegleichen“ habe die US-Armee in diesem "Vergessenen Krieg" gewütet. Cumings wörtlich: „In Korea wurden viel mehr Napalmbomben abgeworfen als in Vietnam; bereits im August 1950 waren es 800 Tonnen Napalm pro Tag. Zivilisten und Soldaten wurden von Napalm durchdrungen, ihre verbrannte Haut löste sich augenblicklich vom Körper, pellte an Gesicht, Armen und Beinen vom Fleisch ab. Ein englischer Reporter beschrieb eines von tausenden zerstörten Dörfern so, dass er nur noch einen ‚niedrigen ausgedehnten Wall violetter Asche‘ vorgefunden habe.“ Der Verbrennungstod der Napalm-Opfer sei schrecklicher als er sogar mit atomarem Einsatz gewesen wäre, so Cumings weiter. Philippe Pons folgerte in seinem Artikel vom 5. Juni 2017, dass es die USA und ihre Verbündeten versäumt hätten, die Motive der nordkoreanischen Machthaber zu ergründen. Eine auf Abbau der Spannungen zielende Politik müsse drei Voraussetzungen beachten. Erstens handle das nordkoreanische Regime nicht unberechenbar, sei aber fest entschlossen, bestimmte Risiken einzugehen. Zweitens stehe es nicht vor dem Zusammenbruch. Und drittens wird es auf seine Atomwaffen nicht verzichten. Weitere Hintergründe zu den Motiven der nordkoreanischen Machthaber finden Sie in eingeblendeten Sendungen: www.kla.tv/10352, www.kla.tv/10538, www.kla.tv/10336, www.kla.tv/8613, www.kla.tv/8013.

von dd.


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