Zum NATO-Gipfel: „Die NATO braucht es nicht“ (Einschätzung von Craig Murray) | Kla.TV

Donnerstag 17. Juli 2018

Medienkommentar Politik

Zum NATO-Gipfel: „Die NATO braucht es nicht“ (Einschätzung von Craig Murray) (1 von 1)

Der NATO-Gipfel vom 11. – 12. Juli 2018 endete mit einer gemeinsamen Gipfelerklärung, in der u. a. alle Verbündeten das Ziel bekräftigt haben, ihre Ausgaben für Verteidigung real zu erhöhen, sprich, sogar noch aufzurüsten. Einer der vielen Kritiker der NATO jedoch, der ehemalige britische Botschafter Craig Murray, listet in einem Artikel vom 2.7.2018 drei Gründe auf, warum die NATO eine nachweislich nutzlose Institution sei und sie sich mit ihren militärischen Einsätzen letztlich selbst destabilisiere.

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Zum NATO-Gipfel: „Die NATO braucht es nicht“ (Einschätzung von Craig Murray) 17.07.2018

Vom 11.-12. Juli 2018 trafen sich die Staats- und Regierungschefs der NATO-Länder in Brüssel. Trotz Meinungsverschiedenheiten, vor allem zwischen den USA und den europäischen NATO-Mitgliedsländern, wurde eine gemeinsame Gipfelerklärung verabschiedet. Im Folgenden nur vier der insgesamt 79 Punkte dieser Erklärung, die unter dem eingeblendeten Link nachgelesen werden können: https://augengeradeaus.net/wp-content/uploads/2018/07/20180711_NATO-Gipfel_Erklaerung_deutsch.pdf – Punkt 3: Alle Verbündeten haben das Ziel bekräftigt, „ihre Ausgaben für Verteidigung real zu erhöhen“. „Etwa zwei Drittel der Verbündeten (u.a. Deutschland) verfügen über nationale Pläne, bis 2024 zwei Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung auszugeben.“ – Punkt 14: Beschluss der sogenannten „Four Thirties“-Initiative, zu Deutsch „4×30“-Initiative. Nach ihr sollen ab 2020 bei Bedarf „zusätzlich 30 größere Kampfschiffe, 30 mittel- bis schwerbewaffnete Infanteriebataillone und 30 Kampfflugzeugstaffeln“ jederzeit innert 30 Tagen eingesetzt werden können. – Punkt 29: Beschluss, in Ulm, Deutschland, ein neues „Unterstützungs- und Befähigungskommando“ für das Aufmarschgebiet eines möglichen Konflikts in Europa einzurichten. – Punkt 6 und andere: Es sei daran festzuhalten, dass gegenüber der Regierung in Moskau weiterhin eine harte Linie der Abschreckung erforderlich ist. Während also die NATO-Staaten ihre innere Struktur ausbauen und sogar noch aufrüsten, gibt es viele Kritiker, die die NATO als überflüssig erachten. So z.B. der ehemalige britische Botschafter – unter anderem in Usbekistan (2002-2004) – Craig Murray, der in einem Artikel vom 2. Juli 2018 drei Gründe auflistet, warum die NATO eine nachweisbar nutzlose Institution sei. Hier diese Gründe in gekürzter Form: 1. Afghanistan Der bislang größte militärische Einsatz der NATO war vor 12 Jahren in Afghanistan. Er führte zu einer 80%igen militärischen Niederlage des Landes und zur Einsetzung eines „Taschenregimes“ (das meint einer gefügigen Regierung). Darüber hinaus aber – und sogar vor allem – führte er zu einer riesigen Aufstockung der Heroinproduktion und damit Ankurbelung eines riesigen Drogenhandels, um die kriminelle Unterwelt NATO-weit zu finanzieren. Schauen Sie sich diese Statistik einmal genau an und staunen Sie darüber, wie dies zeitlich genau mit der Besetzung des Landes durch die NATO Anfang 2002 zusammenfällt: der enorme Anstieg der Anbaufläche für Opiummohn (grüner Balken) und daraus folgend dann der Anstieg der Opiumproduktion (dunkelblaue Linie). Mit dem Einmarsch in Afghanistan und der Stärkung der Heroin-Warlords (das sind militärisch und wirtschaftlich so gut wie autonom agierende Stammesführer) haben sich die NATO-Länder letztlich selbst destabilisiert (vor allem aber moralisch völlig disqualifiziert). 2. Libyen Die zweitgrößte Militäroperation der NATO war der Angriff auf Libyen. Dabei hat die NATO mit ihren unglaublichen 14.200 Lufteinsätzen […] fast die gesamte Infrastruktur des Landes zerstört und ganze Städte in Schutt und Asche gelegt. Hier ein Bild von Sirte nach der NATO-“Befreiung“. Das unmittelbare Ergebnis der Zerstörung Libyens und seiner Regierungs- (bzw. Verwaltungsinfrastruktur) war dann der massive ungehinderte und immer noch anhaltende Ansturm meist schwarzafrikanischer Migranten auf Europa. […] Das hat zu einer widerlichen Ausbeutung (seitens libyscher Milizen) und dem tragischen Tod vieler Migranten (im Mittelmeer) geführt. Darüber hinaus hat es auch die Regierungen und die vorherrschende gesellschaftliche Moral der europäischen NATO-Mitgliedstaaten grundlegend geschwächt […]. Kurz gesagt: Also auch mit der Zerstörung Libyens haben sich die NATO-Mitglieder wiederum letztlich nur selbst destabilisiert. 3. Russland Jetzt konzentriert sich die NATO wieder einmal auf die ursprüngliche „Bedrohung“, deretwegen sie ja einst überhaupt gegründet wurde: eine russische Invasion Westeuropas. Russland aber hat überhaupt nicht die Absicht, in Westeuropa einzumarschieren. Allein der Gedanke ist aberwitzig. Es braucht keine NATO, um eine Gefahr abzuwehren, die nicht existiert. […] Die russischen Verteidigungsausgaben betragen gerade einmal ein Sechstel der NATO-Ausgaben. […] Russland kann sich zwar gut selbst verteidigen, aber es ist nicht in der Lage, Großmächte anzugreifen. […] Die Gefahr eines russischen Angriffs auf die NATO selbst existiert nicht. Die EU ist zwar offiziell kein Militärbündnis (noch nicht!), aber der Gedanke, dass irgendein Teil des EU-Gebiets militärisch eingenommen würde, ohne dass der Rest der EU reagierte, ist politisch unmöglich. […] Es gibt keine praktische Bedrohung der baltischen Staaten, deren Sicherheit de facto durch die EU-Mitgliedschaft garantiert ist. Damit ist die Verteidigungsrolle der NATO gegen Russland entbehrlich, und seine darüber hinausgehenden militärischen Abenteuer haben sich samt und sonders als eine einzige Katastrophe dargestellt. So weit als Gegenstimme zum NATO-Gipfel die Einschätzung des ehemaligen britischen Botschafters Craig Murray. Wer immer sich mit den vielen Kla.TV-Sendungen zur NATO auseinandersetzt, wird kaum anders können als zur selben Schlussfolgerung wie Murray zu kommen: „Die NATO braucht es nicht!“

von dd.


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