Bücher zum Thema:Dr. Gerd Reuther und Dr. Renate Reuther: Gerd Reuther: Dr. Gerd Reuther und Dr. Renate Reuther Kla.TV-Archiv auf eigenem Rechner sichern!Rette diese Geschichtsschreibung vor der Totalzensur |
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02.10.2026 | www.kla.tv/42780
„Wenn diese Originale nicht mehr zur Verfügung stehen, ist eigentlich letztlich eine echte Forschung unmöglich gemacht. […] Wenn ich keine alten Bücher, keine alten Akten mehr habe. […] Das öffnet der Manipulation Tür und Tor.“ [Kla.TV:] Ich begrüße heute im Kla.TV-Studio eine Historikerin und Anglistin mit einem Master in Betriebswirtschaft. Als Autorin zahlreicher Fachartikel und Sachbücher zur Sozial- und Kulturgeschichte erschien unter anderem 2024 ihr Buch „Die Eroberung der alten und neuen Welt“. Herzlich willkommen Frau Dr. Renate Reuther! [Dr. Renate Reuther:] Ja, danke für die Einladung! [Kla.TV:] Ja schön, dass Sie da sind! Ihr Mann hatte schon das Vergnügen. Heute haben wir ein Geschichtsthema. Die Wissenschaft lebt ja von Aufzeichnungen, von Manuskripten, von Büchern und anderen Quellen, und ohne die ist ja eine kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte, mit irgendwelchen Themen, gar nicht möglich. Frau Reuther, wie steht es um den Zugang zu solchen Quellen? [Dr. Renate Reuther:] Es wird einem immer schwerer gemacht, insbesondere, wenn man eben ein freier unabhängiger Journalist oder Historiker oder Forscher in jeder Art ist. Es fängt mit ganz einfacher Sache an, dass eben Gebühren verlangt werden für jeden Besuch, zum Beispiel im Archiv. Es wird genau geschaut, wer eigentlich da etwas haben möchte, und schon wie es schon seit vielen hundert Jahren ist, ist das heute kein bisschen anders, wenn die falsche Person nach Dingen fragt, die man ihr nicht geben möchte. Dann sind sie halt nicht da oder nicht verfügbar, und, um das dann nicht so im Einzelnen so auffällig zu machen, hat man jetzt viele Archive, die in den Städten, oft im Rathaus oder in irgendeinem alten Gebäude, auch in einem alten Schloss, lagerten, die hat man jetzt – angeblich zu ihrer eigenen Sicherheit, diese alten Bestände alter Dokumente – ausgelagert in weit entfernte Bunker, Archive, wo auch immer. Und dann muss man vorab anmelden, dass man dieses oder jenes Dokument gern sehen möchte. Und dann wird ein- oder zweimal in der Woche hingefahren, und dann wird es zurückgebracht, und dann muss man selber dann wieder vor Ort sein, um dann dieses Papier einzusehen. Ich habe viele Jahre lang in Archiven gearbeitet, um Geschichte zu schreiben, die so noch nicht geschrieben wurde. Und da ist es schon immer mühsam gewesen. Aber unter diesen Bedingungen ist es natürlich schon fast unmöglich. Denn um ein Buch zu schreiben, das man selbst recherchiert, wo man sich nicht einfach auf KI verlässt, da liest man – ja ich weiß nicht – Dutzende, Hunderte, Tausende Seiten. Und wenn man dann erst mal gar nicht genau weiß, was man verlangen soll – weil diese Kataloge der Archive sind sehr vage oft – und dann eben genau sagen muss, welches Papier man haben möchte, wird das alles sehr schwierig. Denn wenn man es dann bekommt und stellt fest, schlägt auf – „Ach, das ist doch nicht das, was ich bräuchte, da steht nicht das drin, was mir weiterhilft“, – dann war der ganze Besuch im Archiv umsonst. Und man kann wieder auf nächste Woche warten, bis wieder irgendwas geholt wird. Also, das ist schon seit Jahren ein Problem und wird also sehr stark verschärft. Und es ist also wirklich, wenn man an den Quellen arbeiten will, nicht einfach. Und wenn man sagt, da ist ja viel digitalisiert, wird man erstaunt sein, wie wenig digitalisiert ist, einerseits. Und bei digitalen Sachen bleibt natürlich immer so ein bisschen der Zweifel: War das jetzt alles? Fehlen da Seiten? Fehlen da ganze Hefte? Ist das wirklich das, was ich unter der Überschrift vermuten würde? Bei digitalen Sachen kann man so leicht was wegklicken und löschen oder verschwinden lassen. Das ist was ganz anderes als wenn man so ein altes Dokument, eine alte Akte aus dem Archiv, aufschlägt und das durchliest und hat wirklich das alte Papier. [Kla.TV:] Ja, Sie haben Digitalisierung erwähnt. Es gibt ja jetzt immer mehr Berichte, dass KI-Firmen alte Bücher aufkaufen, sie dann digitalisieren, ihre Sprachmodelle oder sonstigen KI-Modelle damit füttern. Aber zum Schluss wird das nicht wieder zurückgegeben, sondern diese Bücher werden vernichtet. Was halten Sie davon? [Dr. Renate Reuther:] Ein Skandal. Also, ich war schockiert, als ich das hörte. Und mit meinem Hintergrund des Zweifels und der Systemkritik muss ich natürlich gleich Böses vermuten. Es ist ja nicht einzusehen, warum nach dem Scannen die Sachen vernichtet werden. Es wird in den Archiven und Bibliotheken seit Jahrzehnten gescannt. Und jetzt dann zu sagen, hinterher wird es vernichtet, also da kann ich keine rechte Erklärung dafür finden, die nicht irgendetwas Böses vermutet. Denn diese alten Bücher, die da aus den Antiquariaten [Handel mit gebrauchten Büchern] rausgekauft wurden, sind ja oft nur noch in wenigen Einzelexemplaren da. Und wenn die dann vernichtet sind, hat man keinen Zugriff mehr drauf. Und das klingt ja wirklich wie in „1984“, was Orwell [George Orwell war ein britischer Schriftsteller, Essayist und Journalist (1903–1950)] beschrieben hat, dass man rückwirkend die Geschichte ständig ändert, damit sie zur Gegenwart passt, und die Zukunft steuern kann. Und bei meinen Arbeiten – Gerd und Renate Reuther haben ja vieles aus der Geschichte geschöpft – und da braucht man viele alte Bücher. Wir sind ja nicht die Ersten, die zweifeln, oder die Ersten, die Fehler aufdecken oder Narrative in Frage stellen. Und wir sind darauf angewiesen, dass vorher schon Leute diese Fragen beantwortet haben oder selber auf Ideen kamen, haben das niedergeschrieben. Da brauchen wir deren Bücher. Oder wir brauchen einfach den Originaltext. Shakespeare wird immer wieder übersetzt. Da kann man mit dem modernen Text arbeiten, oder bei der Bibel kennt man es auch. Die wird ja auch ständig nachübersetzt – und da gibt es jetzt schon Varianten, da ist dann Gott weiblich. Da möchte man dann vielleicht, um mal was zu klären, so sagen, ich möchte jetzt mal Original-Übersetzungen lesen von Luther oder Zwingli, was auch immer. Wenn diese Originale nicht mehr zur Verfügung stehen, ist eigentlich letztlich eine echte Forschung unmöglich gemacht. Und das gilt nicht nur für mich als Historikerin, das gilt ja auch für alle anderen Bereiche, ob das nun Journalisten sind oder alle anderen Fächer, ob man Medizin hat oder Recht. Man möchte doch nochmal zurückgucken und sagen, wie hat das angefangen, wie war das damals eigentlich? Und wenn ich keine alten Bücher, keine alten Akten mehr habe, – ob sie jetzt tatsächlich verschwunden sind oder ob sie nur verschlossen sind und irgendwo aufgehoben werden, aber mir als forschender Person nicht mehr zugänglich sind – ist dann schon fast das Gleiche. Das öffnet der Manipulation Tür und Tor. [Kla.TV:] Nun haben Sie aber viele Bücher auch schon gelesen und auch darüber geschrieben. Können Sie den Zuschauern vielleicht so ein, zwei Beispiele nennen, wo Sie auf Widersprüche gestoßen sind zu dem, was gang und gäbe wäre als Meinung und dem, was Sie selber gefunden haben? [Dr. Renate Reuther:] Ja also, wenn wir schon bei Büchern sind, also das Offensichtlichste ist vielleicht die Bibliothek von Alexandria. Die kennt ja nun wirklich jeder. Aber man hat sie noch nicht gefunden. [Kla.TV:] Wie? [Dr. Renate Reuther:] Man hat kein einziges Buch gefunden, das dort lag. Und man müsste jetzt eigentlich sagen Schriftrollen. Aber Schriftrollen hat man auch keine. Also man hat kein einziges Buch, kein Manuskript, keine Schriftrolle, wo man sagen kann, die war damals dort in der Bibliothek. Man hat auch kein Bücherverzeichnis, sage ich jetzt mal, irgendeine Bestandsliste. Und in Alexandria wird gegraben. Da gibt es eine alte verschüttete Stadt, die ausgegraben wird. Aber man kann die Bibliothek nicht finden, obwohl man wirklich seit Jahrzehnten – meines Wissens – gräbt. Und man hat da so etwas, was man als Palastanlage definiert. Und man sagt ja, es wird in der Palastanlage sein. Aber man hat nichts, was irgendwie spezifisch … – man hat Grundmauern. Aber welcher Raum ist dann die Bibliothek? Und wenn sie so riesig war, wie ja manchmal erzählt wird, dann müsste es doch irgendwelche Spuren geben. Und das ist dann wieder der Unterschied. Wenn Sie nachlesen über die Bibliothek von Alexandria, gibt es ganze Bücher und lange Artikel. Und da wird geschwärmt, wie groß sie war, dass ein Labor da war, ein Botanischer Garten, ein Zoologischer Garten. Die Wissenschaftler, die Philosophen, sie haben geschrieben, sie haben publiziert. Und dann finde ich nicht einen Krümel. Das finde ich schon etwas verwirrend. Und diese große Zerstörung, wo dann alles spurlos verschwand, das Wissen der Antike sozusagen, auch die ist völlig unklar. Also das hat mich am meisten überrascht. Dann dachte ich, na, das weiß man. Da war irgendein Krieg oder ein Brand. Und dann war eben… Also, die Schätzungen liegen um Jahrhunderte auseinander, wann sie denn nun endgültig verschwunden ist. Und wenn man sich fragt, ja, wer hätte denn so ein Mammutprojekt finanziert oder organisiert, wie wäre denn das gegangen? Das wäre ja irre teuer gewesen. Dann gibt es aus der Antike die schlichte Erklärung, diese Menschen, diese Schreiber oder Bibliothekare, die wären immer runter zum Hafen von Alexandria, hätten die Schiffe durchsucht und die Bücher beschlagnahmt, die sie brauchen konnten für die Bibliothek. Also das ist ja vielleicht auch eine etwas kühne Theorie, wie man eine Bibliothek auf Dauer aufbauen kann. [Kla.TV:] Aber woher kommt dann überhaupt das Wissen über eine vorhandene oder nicht vorhandene Bibliothek? Es wird ja unter den Weltwundern gelistet, also irgendjemand muss ja darüber mal geschrieben haben. [Dr. Renate Reuther:] Genau, es gibt Geschichten, es gibt Erzählungen, aber leider, und das haben wir ja jetzt sowohl im „Tatort Vergangenheit“ als auch im „Tatort Gelehrtenstube“ selbst eigentlich erst so richtig im vollen Umfang verstehen müssen, dass wir aus der Antike praktisch überhaupt keine Originaltexte haben. Da ist ein riesiges Loch in der Zeit, in der nichts da ist und wir in Europa nichts davon wussten, dass es antike Texte, antike Schriften usw. gab. Und dann wird so eine gewisse Kette gemacht von dem einen Kloster, dass man was kopiert hätte, und von einem anderen Kloster, und irgendwie plötzlich – so ab 1200 und dann um die Zeit um 1400, 1500 – findet man massenhaft Texte aus der Antike. Plötzlich sind sie da. Auch ein bisschen verwirrend, nicht immer ganz glaubhaft, vor allem, wenn man weiß, dass der – ein Geheimschreiber mehrerer Päpste, also ein päpstlicher Sekretär, der sich sehr für dieses Thema interessierte,– der hat etwa die Hälfte aller antiken Autoren gefunden in seinem Leben, just gerade so, als sich das Interesse dafür ergab. Und das Erstaunliche ist, dass er viele dieser Texte in Klöstern gefunden hat – angeblich – nördlich der Alpen. Nun würde man doch denken, man findet so was vielleicht nochmal in Alexandria … [Kla.TV:] Oder Italien. [Dr. Renate Reuther:] … oder in Sizilien. Also, das sind dann alles schon so Sachen, die dann doch sehr stark den Gedanken aufkeimen lassen, dass er das selbst geschrieben habe oder schreiben lassen – hat damit auch gut verdient. Sein Sohn hat dann auch geerbt, ganze Bestände von Schriften, die er später dann herausgeben konnte… Also, da wurde auch auf die Zukunft produziert, für den Markt produziert, der sich dann ergab, konnte man auch gut Geld damit verdienen. [Kla.TV:] Geld verdienen ist auch ein Thema. Sie sind selber Autorin. Sie haben mit Verlagen zu tun. Wie sieht das da aus? Sie vertreten nicht gerade Mehrheitsmeinungen. Scheint dann wahrscheinlich nicht ganz so einfach zu sein. [Dr. Renate Reuther:] Ja. Also das geht nicht nur den Journalisten und Bloggern so, das geht auch Leuten so wie mir, die nicht eine Mehrheitsmeinung vertreten, die offen, ergebnisoffen und evidenzorientiert [auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basierend] forschen. Und wenn man dann fast zwangsläufig systemkritisch wird, weil man eben viel zweifelt und viel in Frage stellen muss, dann hat man es nicht leicht, ganz einfach. Das eine sind ja jetzt nun mal die digitalen Sachen, da muss man natürlich fürchten, dass das plötzlich weg ist. Sie werden es auch erlebt haben. Es gibt Videos, vor ein paar Jahren war das ja sehr häufig so, und man versucht sie anzuklicken und der Bildschirm bleibt grau. Oder es gibt dann Zeilen, das kann man nicht mehr sehen oder ist nicht mehr auffindbar und so weiter. Also bei den digitalen Sachen ist es natürlich sehr schwierig. Auch diese E-Books, die man sich herunterlädt, die bezahlt man zwar, aber man besitzt sie nicht. Die Besitzer der E-Book-Rechte können jederzeit dieses Konto, was man da sich aufbaut und bezahlt, können sie löschen oder darüber verfügen oder das zurücknehmen. Also, man wird nicht wie bei einem Buch der tatsächliche Besitzer, wo ich das Buch auch für die Zukunft und für die nächste Generation aufheben oder spenden kann oder wie auch immer. Also haben wir uns entschieden, dass Gerd und Renate Reuther nicht digital publizieren, keine E-Books, sondern wir machen Bücher auf Papier. Und da hatten wir schon vor Corona das Problem, wenn man da nicht so ganz der Hauptmeinung entlang arbeitet, sondern wirklich forscht, dass die großen Verlage schnell ablehnen. Ich muss dazu sagen, es ist immer schwierig, bei einem großen Verlag ein Buch unterzubringen. Also, da muss man sich nicht gleich was Böses denken. Aber es ist doch so, dass man dann auf kleine Verlage angewiesen ist. Und die kleinen Verlage haben natürlich wieder höhere Kosten. Nach Corona haben sie plötzlich zum Beispiel kein Papier bekommen. Also das war erst mal ein Problem. Wie kann ich ein Buch wieder publizieren? Der Drucker bekommt kein Papier, der Verlag kann es nicht veröffentlichen. Und dann natürlich die Lösung: Ja, man kriegt schon Papier, aber das kostet viel Geld. Und für einen kleinen Verlag, der nur kleine Auflagen druckt, wird dann alles sehr viel teurer. Also sind die kleinen Bücher aus dem kleinen Verlag teurer als die Massenproduktion. Und für die anderen großen Verlage ist es dann sehr viel einfacher. Die sind nämlich oft Kooperationspartner oder gehören zu einer Papierfabrik. Das heißt, die haben wunderbar Zugang, brauchen sich keine Gedanken machen über Papier. Und nun hat die EU – die hat ja immer so wunderbare Ideen – sich ausgedacht, dass man nachweisen muss, wo das Papier herkommt. Und zwar der Verlag steht gerade dafür, dass das Papier, das in der Druckerei verwendet wird – worüber er ja eigentlich gar nicht wirklich verfügen kann –, dass das umweltfreundlich und ökologisch korrekt gefällt wurde. Dafür muss für jede Seite Papier angegeben werden, wo der jeweilige Baum gefällt wurde mit GPS-Koordinaten. Und man kann sich nun vorstellen, dass diese Druckereien oder erst mal die Papierfabriken, die ja noch vorgeschaltet sind, das sind häufig europaweit oder international agierende Konzerne, die holen sich die Bäume international. Und dann muss ein kleiner Verlag beweisen, aus welchem Stückchen Wald jeweils welcher Teil des Buches stammt. Also das ist eine wahnsinnige Belastung. Die Strafen sind existenzvernichtend, das kennen wir ja. [Kla.TV:] Aber das ist doch absurd, weil wenn ich jetzt beim Lidl Honig kaufe, steht da „aus EU- und Nicht-EU-Ländern“ – also, irgendwo auf dieser Welt ist der produziert worden. [Dr. Renate Reuther:] Ganz genau. [Kla.TV:] Und das esse ich ja, und das Buch, das esse ich ja nicht mal auf. [Dr. Renate Reuther:] Ja. Ja, aber es ist doch ein so gefährliches Produkt, dass man das sehr genau verfolgen muss, wo das Papier herkommt. Und auch da kann man dann natürlich ganz leicht wieder die Schraube anziehen und sagen: „Sie haben da schon Papier verwendet, wo das Holz illegal gefällt wurde...“ – was weiß man schon, wenn man hier sitzt. Und dann geht es halt nicht mehr, dann wird man ausgegrenzt oder kriegt eine existenzvernichtende Strafe. Und das Ganze geht dann noch weiter, weil das Buch so eine gefährliche Sache ist, muss es korrekt entsorgt werden. Auch dafür gibt es eine EU-Verordnung, man muss als Verlag jetzt nachweisen, und das ist für einen kleinen Verlag natürlich mit sehr viel mehr Bürokratie und Kosten verknüpft als für einen Riesenverlag. Man muss nachweisen, dass das ordentlich ökologisch korrekt verpackt und dann ökologisch korrekt entsorgt wird. Und das ist besonders schwierig, wenn ein deutscher Verlag, sagen wir jetzt mal als Beispiel, nach Frankreich oder England oder irgendwohin Bücher verschickt, dann muss er in diesem Land einen Agenten bezahlen, der vor Ort prüft und zertifiziert, dass das Buch korrekt ausgezeichnet ist. Also, da muss ganz genau draufstehen, wer der Hersteller ist, und der muss mit seinem Namen dafür bürgen und haften und der Agent dafür bürgen und haften, dass das Buch unter Umständen korrekt entsorgt wird. Wobei man natürlich wirklich nicht prüfen kann, was ein etwaiger Kunde mit dem Buch macht. Aber da man jetzt für jedes Land, wenn so ein kleiner Verlag vielleicht fünf Anfragen im Jahr hat, mal zwei aus Paris und einer aus Stockholm, dann muss er überall einen Agenten bezahlen. Also, die Bürokratie bordet über und das gilt auch für andere Produkte. Aber für mich ist es jetzt das Buch, und mir erscheint es doch eher wieder mal in eine andere Richtung zu zielen, als nur dafür zu sorgen, dass hier alles ökologisch korrekt abläuft [Kla.TV:] Und es spielt dann wieder den großen Konzernen und Unternehmen und Finanzgebern in die Hände. [Dr. Renate Reuther:] Genau. Und dann werden natürlich viele Leute sagen, ja dann publiziere ich halt nicht mehr ein Buch aus Papier, dann wird es nur ein E-Book. Und dann habe ich aber das Buch in der totalen Verfügbarkeit der Tech-Giganten oder wie immer man die nennen will, die eben hinter diesen ganzen digitalen Systemen stehen. Und früher hat man wirklich das Buch für gefährlich gehalten und hat es angezündet, verbrannt auf Scheiterhaufen, die Autoren manchmal mit. Und jetzt haben wir eben die lodernden Scheiterhaufen in der digitalen Welt. Die Bücher können verschwinden, sie werden eingezogen und dem Autor geht es natürlich auch oft so, dass er dann verschwindet, wenn ein Buch nicht in einem Katalog gelistet ist, dann ist es unsichtbar. Und dann kann es niemand finden und dann kann es niemand lesen. Selbst wenn das Buch ja als handfestes Exemplar irgendwo ist. Und ich muss leider feststellen, Gerd und Renate Reuther werden nicht in allen Katalogen gelistet. Sie werden zwar noch in der Nationalbibliothek gelistet, da gucken wir auch schon immer nach, die ist verpflichtet das zu tun, das tut sie noch, aber andere Bibliotheken, Stadtbibliotheken, Landesbibliotheken tun das durchaus nicht mehr. Wir haben auch schon gesehen, was früher selbstverständlich war, dass verschiedenste Landesbibliotheken unsere Sachbücher gekauft haben, dass mal die eine oder andere Bibliothek das vielleicht nicht richtig mitkriegt, die hat dann das Buch vielleicht für ein halbes Jahr und dann verschwindet es. Oder ich habe auch schon in einer Landesbibliothek nachgeguckt, bisher, wenn ich da meinen Namen eingebe oder einen Buchtitel, dann kommt: „Jawohl, unter der Signatur können Sie es bestellen.“ Seit einiger Zeit ist es auch so, wenn ich in diesem Katalog der Landesbibliothek nachschauen möchte, muss ich mich registrieren, ich muss also offenlegen, dass ich mich für das eine oder andere hochgefährliche Buch womöglich interessiere. Und was meinen Namen betrifft, passiert es dann unter Umständen, nicht in allen Fällen, aber ich habe es gesehen, dass eine Flut von Ergebnissen kommt, 500 Ergebnisse. Womöglich ist mein einziges Buch, nach dem ich gesucht habe, in diesen 500 Ergebnissen drin, aber wer klappert da schon durch? Also wird es vielleicht nur inoffiziell, aber es wird unmöglich gemacht, mein Buch zu finden oder mein Buch zu bestellen. Und leider muss man sagen, arbeiten auch die Bibliotheken da mit, also die Bibliothekare und auch die Buchhandlungen. Man möchte doch meinen, dass die Buchhandlungen an der Seite der Autoren stehen, sie wollen ja Bücher verkaufen, möchte man meinen. Aber ich habe leider schon Rückmeldungen von Lesern, die aus irgendeinem Grund, beim Vortrag oder was auch immer, gehört haben von Büchern von Gerd und Renate Reuther, die dann in ihre Buchhandlung ihres Vertrauens gehen, sag ich mal, und zurückkommen, das höre ich in einzelnen Fällen – natürlich nicht so oft – aber dass die in der Buchhandlung sagen, das Buch gibt es nicht oder das Buch ist nicht lieferbar, was nicht stimmt. Die Bücher sind lieferbar, unser Verlag ist da sehr da hinterher, der druckt ständig nach. Also, die Bücher sind da, aber es wird so getan, teilweise, als wären sie nicht da. Und da ist noch übrigens eine andere Kleinigkeit, die ich im Zuge von digital erwähnen möchte. VG WORT [Verwertungsgesellschaft WORT e.V., treuhänderischer Verein für Urheberrechte] – ich weiß nicht, ob Sie das schon gehört haben, das ist eine Organisation, die die Rechte der Autoren vertreten soll, so ähnlich wie GEMA [Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte], das kennt man vielleicht eher für Musikstücke. So, VG WORT hat nun vor, ich glaube, zwei Jahren eine neue Regel eingeführt, der kann man noch widersprechen, aber wie lange das hält, weiß ich nicht. Ich habe widersprochen. Die neue Regel ist folgende: Alle Bücher, die von einem Autor in Deutschland hervorgebracht werden, alle Werke, die unter VG WORT gemeldet werden, können automatisch eingescannt werden. Die eingescannten Texte können von der KI jederzeit in jeder Form verwendet werden und das eingescannte Material, die Texte – also mein geistiges Eigentum, Texte, Fakten, Informationen, für die ich Wochen und Monate gearbeitet habe, wo ich dann nochmal gearbeitet habe, um das schön zu schreiben oder so, dass es ein Leser lesen will – diese Texte werden von der KI einfach vereinnahmt und können, und jetzt kommt es noch, an Dritte weitergegeben werden – und dafür ist sie „haftungsfreigestellt“. Im Grundsatz heißt das, dass jeder, der über diese KI Zugriff hat, meine Texte kopieren, unter seinem Namen herausgeben oder was auch immer damit machen kann, und ich kann nichts dagegen tun. Weil erstens haftungsfrei – die Dritten wie immer, die da umgehen mit meinem geistigen Eigentum… Und das Schlimme ist ja, das Ganze wird getragen und verantwortet von VG WORT, einer Organisation, für die ich übrigens Geld bezahlen muss und die meine Interessen vertreten sollte. Wie gesagt, im Moment kann man noch widersprechen, ich habe aber schon gehört, dass die Autoren das sehr auf die lockere Schulter nehmen und sich das nicht so richtig vorstellen, aber wenn das massenhaft passiert und es geht ja täglich weiter mit den Tech-Giganten und der digitalisierten Welt, weiß ich eigentlich gar nicht, ja, man kommt eigentlich dann gar nicht an gegen die billigen KI-generierten Bücher, die dann genauso toll sind, wie die mühsam erarbeitete, sozusagen selbst recherchierte, wissenschaftliche Arbeit oder journalistische Arbeit oder historische Arbeit oder wie man es sehen will. [Kla.TV:] Ja, das ist echt verrückt. Sie haben in einem Artikel auch, es geht noch ein bisschen weiter, über „Selbstzensur“ gesprochen, dass Sie überhaupt bei den Verlagen landen können, dass Sie überhaupt Bücher publizieren können. Sie haben es genannt „subtile Techniken versteckter Kritik“, und meine Frage: Warum ist das überhaupt nötig? Wir sind in einer freien Gesellschaft, angeblich. [Dr. Renate Reuther:] Das ist ja auch so ein Märchen, über das wir langsam hinwegkommen müssen. Ich habe auch diese ganzen Schocks erlebt in den letzten Jahren, insbesondere natürlich in den letzten fünf, sechs Jahren, wo man um sich herum alles zusammenbrechen sieht, wo man glaubte, das sind die Säulen unserer Gesellschaft, dass Wahlen nicht manipuliert werden, dass wir eine Redefreiheit haben, eine Wissenschaftsfreiheit, eine Meinungsfreiheit. Aber wir sehen ja an allen Ecken und Enden, da wird gedreht. Und das ist nicht mehr so, wie wir es vor zehn oder zwanzig Jahren ganz selbstverständlich erwartet haben. Und wenn man dann überhaupt noch arbeiten möchte als unabhängiger Journalist, freier Forschende oder was auch immer, wird man doch, ich habe ja nun jetzt genug Beispiele eigentlich erzählt, wo überall versucht wird einzubremsen, zu kontrollieren, Zensur auszuüben, dass man dann letztlich schon selbst Zensur übt, ganz klar. Man überlegt sich schon, kann ich so ein Thema überhaupt noch behandeln? Oder man überlegt sich, kann ich offen alles aussprechen, was ich dabei gefunden habe? Also ich sage nur mal das Thema Impfen. Da ist ja, auf allen Seiten sind ja da die Zäune hochgezogen. Und man muss sich überlegen, welche Titel man bringt. Und man kann natürlich auch den Verlag nicht in die Bredouille [schwierige Situation/Zwickmühle] reiten oder der Verlag selbst. Mal ein bisschen vorsichtig mit dem, was man macht. Also es ist, von allen Seiten wird es schwieriger und schwieriger. Und die Hürden werden höher. Aber wir müssen natürlich bei der Wahrheit bleiben. Wir müssen Wahrheit suchen. Sie tun das, wir tun das. Und ich denke, je mehr Menschen sich noch trauen darauf hinzuweisen, auf diese Diskrepanz zwischen der behaupteten Freiheit und den tatsächlichen Resten von Freiheit und dem Kontrollwahn, der uns umgibt, desto mehr Bewusstsein ist da. Und das Bewusstsein ist die Grundlage aller. Und man kann nicht in einer Welt von Lügen wirklich ruhig leben mit einem guten Gewissen oder auch überhaupt nur mit einer Zukunftshoffnung. Denn ein Leben, das umgeben ist und gepflastert von Lügen, das kann nicht wirklich ein geglücktes Leben sein. Das kann ich mir nicht vorstellen. Es gibt ja auch diese Sache, es gibt kein richtiges Leben im Falschen. Und auch wenn man nicht sicher ist, dass man mit dem, was man tut, durchdringt, muss man es doch versuchen. Und wir sind jetzt also, Gerd und Renate Reuther, stehen für den ewigen Zweifel, dass man eben zweifelt und diesen Zweifel auch äußert und dann sagt: „Also, das scheint mir doch ein Märchen, was mir erzählt wird, passt nicht zu meiner Welterfahrung, meiner Lebenserfahrung oder dem, was ich eben erforsche, was ich als Resultate finde.“ Und ich kann das nur machen, Sie machen es und ich kann nur jeden anderen aufrufen, nicht zu viel, zu viel Angst zu haben, denn wer zweifelt, das war ja jetzt unser allerletztes, neuestes Buch: „Wer zweifelt, hat schon gewonnen“. Weil, jeder Zweifel öffnet eine Tür. Sobald ich etwas anzweifle, sehe ich zwei Dinge. Ich sehe das, was offiziell gesagt wird oder was ich schon immer geglaubt habe und mit dem Zweifel sehe ich eine Alternative. Das erschreckt viele Menschen, es macht ihnen Angst, weil es nimmt ihnen Sicherheit und Gewissheit, aber es öffnet doch auch eine Tür. Ich habe zwei Optionen. Ich kann mich für die eine entscheiden oder ich sehe irgendwo einen Kompromiss in der Mitte, aber ich denke, man sollte diese Tür öffnen durch den Zweifel – eben nicht nur als etwas sehen, was meine Sicherheit erschüttert und mir Angst macht, sondern etwas, was mich von Belastungen, von Lügen und Unwahrheiten und was man mir alles so angedreht hat, dass ich mich davon befreie. Und jeder Zweifel ist ein Schritt zur Befreiung, wenn man es ganz groß hängen will, zur Wahrheit. Und das mag in vielen kleinen Dingen sein, ganz kleine alltägliche Dinge, aber einfach mal sagen, das glaube ich jetzt so nicht, das mache ich jetzt nicht einfach so, da denke ich erst mal drüber nach. Also das öffnet wirklich eine ganz neue Welt. [Kla.TV:] Interessantes Statement, ja. Sie haben ja noch über diese Vernichtung von Büchern gesprochen. Haben Sie da noch einen Hinweis für die Zuschauer? Es wird kaum einer das Geld haben, eine eigene Bibliothek anzulegen. Sie sagen, das Digitale ist unsicher, man besitzt es nicht wirklich, was ja auch dieser ganzen Agenda des WEF ja entspricht, dass man nichts besitzen soll. Was kann man tun? Wie kann man Wissen für die nächste Generation aufbewahren? [Dr. Renate Reuther:] Ja. Es gab ja mal diesen Film, „Fahrenheit 451“ [Fahrenheit 451 ist ein britischer dystopischer Science-Fiction-Film], wo Leute Bücher auswendig gelernt haben, weil die Autoritäten die Bücher zerstört haben. Das war ein Staat, der wollte keine Bücher mehr sehen. Und dann haben einige Leute gesagt, wir müssen aber die Bücher für die nächsten Generationen retten und haben sie auswendig gelernt. Das ist eine sehr extreme Utopie. Das sage ich jetzt nicht so. Aber erst mal hilft natürlich schon, wenn man über Bücher, die man selbst gelesen hat, mit anderen spricht. Und dann wird der Gedanke zumindest, das muss ja nicht wortwörtlich sein, aber der Gedanke, die Idee, die Grundessenz dieses Buches, dieses Autors, wird ja dann schon mal weitergegeben. Also ich denke, das ist ganz wichtig. Selber Bücher lesen, die kann man ja auch aus Bibliotheken jetzt noch teilweise bekommen oder auch in Buchhandlungen, oder was man natürlich immer machen kann, wenn man Geld sparen will – machen wir auch, weil wir so viele Bücher brauchen – gebrauchte Bücher kaufen. Da gibt es Firmen, die machen das, bieten gebrauchte Bücher an zum günstigen Preis. Das geht jetzt noch. Kaufen, doch, ich muss was sagen: Kaufen und das Allerschönste aufheben. Also das ist sicher ein wichtiger Weg. Oder auch selber was zu Papier bringen und das mal abheften. Man merkt sich ja auch nicht alles, gerade wenn man älter wird, man vergisst immer mehr. Und das ist dann auch mal ganz interessant, man muss ja nicht die ganzen Bücher aufheben – das hat man früher sehr häufig gemacht – da hat man mit dem Stift markiert und rausgeschrieben und das dann nur aufgehoben. Und dann darf ich natürlich Ihr eigenes System bei Kla.TV empfehlen, wo man dann eben sagt, wir müssen das dezentral [www.kla.tv/sichern] irgendwie aufheben, damit das nicht verloren geht. Und jeder, der, ach ich weiß nicht, nur fünf Bücher zu Hause hat, der muss ja nicht 5.000 haben, der hat doch auch schon einen Beitrag geleistet, wenn man 80 Millionen mal fünf Bücher hat. Man muss groß denken und klein anfangen, dann wird das schon. [Kla.TV:] Ein sehr gutes Statement. Vielen Dank, Frau Reuther, für dieses interessante Interview. [Dr. Renate Reuther:] Ich danke Ihnen.
von sl.
zum Thema: Dr. Gerd Reuther und Dr. Renate Reuther: Die Eroberung der Alten und Neuen Welt www.engelsdorfer-verlag.de/Geschichte/Die-Eroberung-der-Alten-und-Neuen-Welt::8244.html
Gerd Reuther: Tatort Vergangenheit: Wie eine Fake Past unsere Zukunft diktiert www.engelsdorfer-verlag.de/Geschichte/Tatort-Vergangenheit-Wie-eine-Fake-Past-unsere-Zukunft-diktiert::8359.html
Dr. Gerd Reuther und Dr. Renate Reuther Tatort Gelehrtenstube: Weitere Ermittlungen in der Vergangenheit www.engelsdorfer-verlag.de/Geschichte/Tatort-Gelehrtenstube-Weitere-Ermittlungen-in-der-Vergangenheit::8556.html
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