~ Medienkommentar vom 17.07.2017 ~

Medienkommentar Politik

Studie zu US-Präsidentschaftswahl: Nicht Russland - Kriegsmüdigkeit des US-Volkes war entscheidend (1 von 1)

Welchen Zusammenhang gibt es zwischen den letzten US Präsidentschaftswahlen und den kriegsmüde gewordenen Staaten der USA? Diese Sendung zeigt auf, zu welchem Schluss eine aktuelle Studie von Forschern der US-amerikanischen Universitäten Bostons und Minnesotas kommt.

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"Studie zu US-Präsidentschaftswahl: Nicht Russland - Kriegsmüdigkeit des US-Volkes war entscheidend"

Studie zu US-Präsidentschaftswahl: Nicht Russland - Kriegsmüdigkeit des US-Volkes war entscheidend 17.07.2017

Für ihre überraschende Niederlage bei den US-Präsidentschaftswahlen im November vergangenen Jahres hatte Hillary Clinton postwendend Russland die Schuld zugeschoben. Moskau habe die Wahlen manipuliert. Eine aktuelle Studie von Forschern der US-amerikanischen Universitäten Bostons und Minnesotas kommt jedoch zu einem ganz anderen Schluss: Clintons Pro-Kriegshaltung habe die Demokratin die entscheidenden Stimmen gekostet, weil ein Großteil des US-amerikanischen Volkes kriegsmüde geworden sei. In der gemeinsam verfassten Studie heißt es wörtlich: „Amerika befindet sich seit über 15 Jahren beständig im Krieg, aber nur wenige Amerikaner scheinen davon Notiz zu nehmen. Das liegt daran, dass der Großteil der Bürger keine direkte Verbindung zu den kämpfenden Soldaten hat, die bei ihrem Einsatz sterben oder verwundet zurückkommen. Zunehmend macht sich eine Kluft zwischen jenen Gemeinden bemerkbar, deren junge Leute bei der Verteidigung des Landes ihr Leben lassen, und den Gemeinden, wo das nicht der Fall ist.“ Je mehr Kriegsopfer es in einem US-amerikanischen Bezirk gab, desto mehr Einwohner stimmten für Trump. Im Präsidentschaftsrennen kritisierte Trump die Kriege gegen Irak (2003) und Libyen (2011) scharf. Seine Konkurrentin hatte hingegen für den Irakkrieg gestimmt. Zudem war Hillary Clinton die treibende Kraft hinter der Militärintervention in Libyen, die das Land bis heute in Chaos und Gewalt gestürzt hat. Mit Trumps Kritik an diesen Angriffskriegen konnte er nicht zuletzt auch bei Angehörigen des US-Militärs besonders stark punkten: Doppelt so viele gaben ihm im Vergleich zu Clinton bei den Präsidentschaftswahlen ihre Stimme. Drei Bundesstaaten waren für den Sieg Donald Trumps ausschlaggebend: Pennsylvania, Michigan und Wisconsin. Denkbar knapp fiel sein Vorsprung dort aus, der ihm schließlich die Stimmen sämtlicher Wahlleute dieser Staaten einbrachte. Hätte einer dieser Staaten auch nur eine bescheiden geringere Kriegsopferrate erdulden müssen, dann wären die Wähler vermutlich nicht von demokratisch nach republikanisch geschwenkt – sie hätten also mehrheitlich Hillary Clinton ins Weiße Haus gewählt. Die Studie merkt aber auch an, dass Trump keinen Einzelfall darstellt. Schon sein Amtsvorgänger profitierte von der Kriegsmüdigkeit der US-Amerikaner: Barack Obama zog im Jahr 2008 auch deshalb ins Weiße Haus ein, weil er sich klar gegen den von seinem Vorgänger George W. Bush begonnenen Irakkrieg positionierte. Augenscheinlich ist es so, dass, wenn ein Volk nachhaltig mit Krieg in Berührung kommt, es irgendwann auch vom Krieg die Nase voll hat. Der britische Schriftsteller und Sozialreformer Henry Havelock Ellis fasst es so zusammen: „Es gibt nichts, was Krieg erreicht hätte, das nicht besser ohne Krieg erreicht worden wäre.“

von hm.


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