Giftgasangriff in Syrien

Theodore Postol: "Giftgasberichte des Weißen Hauses sind ein Witz!" (Interview) (1 von 8)

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Theodore Postol: "Giftgasberichte des Weißen Hauses sind ein Witz!" (Interview) Donnerstag, 20.04.2017 (1 von 8)
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Theodore Postol, US-amerikanischer Professor am „Massachusetts Institute of Technology”, bezweifelt die Glaubwürdigkeit des Giftgasberichts des Weissen Hauses. Ähnlichkeiten mit einer Untersuchung von 2013 deuten darauf hin, dass auch jetzt ein falscher Geheimdienstbericht vorliegt. Was passierte im Jahr 2013 und was bedeutet dies für 2017? Prof. Postol nimmt in einem Interview Stellung dazu.

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Theodore Postol: "Giftgasberichte des Weißen Hauses sind ein Witz!" (Interview) 20.04.2017

Theodore Postol ist ein US-amerikanischer Professor im Ruhestand am bedeutenden „Massachusetts Institute of Technology“, kurz MIT. Als Professor für Wissenschaft, Technologie und Nationale Sicherheitspolitik setzte er sich mit Waffentechnologien auseinander und untersuchte die amerikanische Rüstungspolitik kritisch. Anfang der 90er Jahre übte er vielbeachtete Kritik am Einsatz von Patriot-Flugabwehrraketen im Zweiten Golf-Krieg. Auch war er einer der schärfsten Kritiker der „Nationalen Raketenabwehr“ der USA, ein zur Regierungszeit von US-Präsident George W. Bush angestrengtes Rüstungsprojekt. Dieses könne unter realen Bedingungen kaum funktionieren, so Postol, der dabei samt dem „Massachusetts Institute of Technology“ ins Kreuzfeuer der US-Administration geriet. Im Jahr 2013 untersuchte Prof. Postol die Giftgasangriffe von Ghuta/Syrien vom 21. August. Eine UNO-Untersuchung vor Ort wies den Einsatz des chemischen Kampfstoffs Sarin in hoch konzentrierter Form nach, der mittels Boden-Boden-Raketen verschossen worden sei. Boden-Boden-Raketen werden vom Boden aus gegen Bodenziele abgefeuert. Nach unterschiedlichen Angaben sollen dabei zwischen 281 und 1729 Menschen gestorben sein, wobei alleine die Widersprüchlichkeit dieser Zahlen Fragen aufwirft. Die von den Rebellen veröffentlichten Fotos mit Kindern sorgten weltweit für Empörung. Am 30. August legte der damalige Außenminister John Kerry einen Geheimdienstbericht vor, der die syrische Regierung verantwortlich machte. Am 31. August 2013 kündigte US-Präsident Barack Obama die Durchführung eines Militäreinsatzes als Reaktion auf den Vorfall an. Fast genau ein Jahr zuvor bezeichnete Obama den Einsatz chemischer Waffen als „rote Linie“, bei deren Überschreitung eine militärische Intervention durch die USA überdacht würde. Jedoch wurde damals im Jahr 2013 ein militärisches Eingreifen der USA im letzten Moment abgewendet, weil die syrische Regierung unter Vermittlung Russlands einwilligte, ihre Chemiewaffenvorräte vollständig zerstören zu lassen. Am 14. September trat Syrien der Chemiewaffenkonvention bei. Am 4. Januar 2016 bestätigte die „Organisation für das Verbot chemischer Waffen“, kurz OPCW, dass die Vernichtung aller von Syrien deklarierten Chemiewaffen abgeschlossen sei. Zusammen mit dem ehemaligen UN-Waffeninspektor Richard Lloyd veröffentlichte Prof. Postol am 14. Januar 2014 einen detaillierten Bericht, in dem deutlich dargelegt wird, warum die syrischen Regierungstruppen nicht als Urheber der Giftgasangriffe von Ghuta in Frage kommen können. Der Bericht weist nach, dass die Giftgasraketen von so kurzer Reichweite waren, dass sie nur aus einem Gebiet abgeschossen werden konnten, das damals von Rebellengruppen kontrolliert wurde. Prof. Postol wies auch darauf hin, dass dem damaligen US-Präsidenten Obama ursprünglich falsche Geheimdienstinformationen gegeben wurden, die nachträglich korrigiert worden seien. Der Öffentlichkeit wurde das allerdings nie gesagt. Nun zum neusten „Giftgasangriff“ vom 4. April 2017 in Chan Schaichun im Nordwesten von Syrien, wo gegen hundert Menschen starben. Obwohl in den Überschriften der Leitmedien noch von einem „mutmaßlichen“ Giftgasangriff die Rede war, war für zahlreiche westliche Politiker und Medien von der ersten Minute an klar, dass der syrische Präsident Bashar al-Assad hinter dem „mutmaßlichen“ Giftgasangriff auf sein Volk stecken müsse. Dies führte schließlich zu dem US-Raketenangriff auf einen syrischen Luftwaffenstützpunkt in der Nacht auf den 7. April. Klagemauer.TV berichtete davon in den eingeblendeten Sendungen: (siehe: www.kla.tv/10245, www.kla.tv/10258, www.kla.tv/10275, www.kla.tv/10285 ). Am 11. April veröffentlichte die „New York Times“ einen Geheimdienstbericht aus dem Weißen Haus, der bestätigen soll, dass „das syrische Regime einen Angriff mit Chemiewaffen gegen ihre eigene Bevölkerung in Chan Schaichun durchgeführt haben“ soll. Aufgrund der dort vorgelegten Dokumente kommt Prof. Theodore Postol allerdings zu einem völlig anderen Ergebnis: Als wichtigsten Beweis für den Luftangriff enthält der Geheimdienstbericht Fotos des Explosionskraters, der beim Abwurf der Giftgas-Bombe entstanden sein soll. Prof. Postol weist dagegen überzeugend nach, dass eine Granate mit dem Nervengas durch eine vorbereitete Sprengladung am Boden zur Explosion gebracht wurde. Der Geheimdienstbericht der US-Regierung sei „fehlerhaft“, ohne Beweise und „ohne konkrete Kenntnisse“. Postol wörtlich: „Der Bericht des Weißen Hauses ist auf vielen Ebenen ehrlich gesagt ein Witz.“ Postol denkt, dass dieser Bericht beinahe mit Sicherheit politisch motiviert war, um den US-Raketenangriff in der Nacht auf den 7. April zu rechtfertigen. Sein Fazit ist bemerkenswert. Zitat: „Wir müssen untersuchen, wie ein solch falscher Geheimdienstbericht auf den höchsten Ebenen unserer Regierung entstehen konnte. […] Die Konfrontation mit Russland hat das Potential zu eskalieren. Wenn das wegen falscher Geheimdienstberichte geschieht, so ist das eine sehr ernste Sache.“ Sehen Sie nun das Interview, dass der internationale Fernsehsender RT am 13. April 2017 mit Prof. Theodore Postol führte und in dem er ausführlich zum neusten „Geheimdienstbericht“ der US-Regierung Stellung nimmt. Im Anschluss folgt dieses Interview: https://www.youtube.com/watch?v=ymBj5qKDKKk Abgetipptes Interview: Interviewer von RT: "Professor, Sie sagen in Ihrer Beurteilung des Berichtes, dass es Ähnlichkeiten mit 2013 gibt, als es Anschuldigungen gegen Assad gab, in Ghuta mehr als 100 Menschen umgebracht zu haben. Sie haben auch den Zwischenfall 2013 untersucht und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass der US-Geheimdienst schon wieder falsch gelegen haben könnte. Können Sie ausführen, was für Ähnlichkeiten es heute gibt?" Theodore Postol, Professor of National Security Policy, MIT: "Ich denke, es gibt Hinweise, dass es in Bezug auf den Einsatz von Geheimdiensten im System der USA ein extremes Problem gibt. Dieser spezielle Bericht weist genaue Parallelen zu dem Bericht auf, der unter der Obama-Regierung erschienen ist. Also Behauptungen, die nicht wahr sein können! Ein Beispiel: Sie behaupten, dass amerikanische Infrarotsatelliten den Start und den Einschlag der eingesetzten Sarin-Munition beobachtet haben. Das ist jedoch nicht möglich. Amerikanische Infrarotsatelliten sind sehr gut und können den Start einer Rakete sehen. Sie können aber nicht sagen, wo die Rakete gelandet ist, weil es keine Explosion gab. Sie können nur den Blitz einer Explosion wahrnehmen. Da ist also ganz offen falsch. Und kein amerikanischer Geheimdienstexperte, der etwas von seinem Fach versteht, würde behaupten, dass solche Daten vorhanden sind. Das wurde also fabriziert." (US-Präsident Donald Trump eingeblendet:) „... Es deutet auf die Bereitschaft hochrangiger Leute im Weissen Haus hin, falsche Geheimdienstbehauptungen zu benutzen, um politische Argumente anzubringen. Das ist eine ernste, nicht tolerierbare Situation." Interwiever von RT: "Professor, ich habe 2013 über den G20-Gipfel berichtet. Obama kam nach St. Petersburg um Unterstützung für eine Invasion in Syrien zu gewinnen. Die Premisse war der angebliche chemische Angriff der Assad-Regierung auf Ghuta. Und nun haben wir eine ganz ähnliche Situation. Denken Sie, es kann eine echte Untersuchung vor Ort geben, so wie Moskau das fordert?" Professor Theodore Postol: „Ich denke, eine rationale Vorgehensweise wären zwei Untersuchungen. Es sollte eine internationale Untersuchung geben, wahrscheinlich im Rahmen der UNO, da die Russen und die Amerikaner ein Eigeninteresse haben. Bei der UNO können Russen und Amerikaner aber ihre Argumente einbringen. Die zweite Untersuchung wäre eine amerikanische Untersuchung. Wir müssen untersuchen, wie ein solch falscher Geheimdienstbericht auf den höchsten Ebenen unserer Regierung entstehen konnte. Das ist etwas sehr Ernstes. Die Konfrontation mit Russland hat das Potenzial zu eskalieren. Wenn das wegen falscher Geheimdienstberichte geschieht, so ist das eine sehr ernste Sache." Professor Theodore Postol: „Außerdem würde ich sagen, dass eine solche Untersuchung dieses Berichtes auch komplett untersuchen sollte, was damals passiert ist, als Obama dazu gebracht wurde, zu denken, dass es einen Angriff der Assad Regierung gegeben hat. Nachdem Obama zunächst geglaubt hatte, dass es die Assad Regierung war, wurde ihm dann gesagt, dass das nicht unbedingt der Fall sein müsse. Ihm wurden also ursprünglich falsche Informationen gegeben, die dann korrigiert worden sind. Der Öffentlichkeit wurde das allerdings nie gesagt.“ Aussage des Professors über den Bericht des Weißen Hauses: „Der Bericht des Weißen Hauses ist auf vielen Ebenen ehrlich gesagt ein Witz. Er nimmt an, dass an den fotografischen Beweisen nichts manipuliert worden ist. Ich denke, das ist eine mutige Annahme. Dann missinterpretiert er die fotografischen Beweise und kommt zu Ergebnissen, die das Gegenteil von dem sind, was dort zu sehen ist. Ich denke, dieser Bericht war beinahe mit Sicherheit politisch motiviert. Meine persönliche Einschätzung lautet, dass kein Geheimdienstoffizier der USA, der irgendetwas auf seine Reputation gibt, diesen Bericht unterschreiben würde“. Aussage des Professors über den Chemiewaffenangriff: „Wenn man sich die Munition ansieht, da ist ein Rohrstück, das üblicherweise benutzt wird, um Artillerieraketen herzustellen. Es sieht so aus, als sei es flach auf den Boden gelegt worden, mit einer Sprengladung darüber. Die Wirkung der Sprengladung hat den Behälter seitlich zerstört. Es sieht wie eine selbstgebaute Apparatur aus um Gas freizusetzen und nicht wie ein explosives oder explodierendes Geschoss“. Aussage des Professors über US-Vorteile gegenüber Russland: „Im amerikanischen System gibt es tiefsitzende Vorurteile gegenüber Russland, aber nichts von dem, was Russland tut – häufig sind es ja Reaktionen auf Handlungen der USA – nichts von dem ist aggressiv und es wird nicht einmal analysiert. Niemand stellt die Frage: „War das möglicherweise eine Reaktion auf etwas, das wir getan haben?“ Für mich sieht es so aus, als hätten wir eine Menge Dinge getan, die viele Handlungen der Russen erklären würden. Diese werden aber ganz einfach als aggressiv dargestellt ohne eine Einschätzung der Motivation oder was das ausgelöst hat.“

von dd.


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