Sonntag 15. April 2018

Nichts aus dem Irakkrieg vor 15 Jahren gelernt? (1 von 2)

Nichts aus dem Irakkrieg vor 15 Jahren gelernt? Sonntag, 15.04.2018 (1 von 2)
7:02
Lied: "Mein Wort ist mein Schwert" Freitag, 01.08.2014 (2 von 2)

Am 14. April 2003 endete der auf falschen Anschuldigungen basierende Irakkrieg. Mit geschätzt einer Million Toten als Folge wird dieser heutzutage in den USA oft als „Fehler“ bezeichnet. Kürzlich erschien ein Kommentar des irakischen Schriftstellers Sinan Antoon, in dem er den US- Angriff nicht lediglich als einen „Fehler“, sondern als Verbrechen darlegt. Aktuell im Syrienkonflikt stehen die Zeichen wieder auf Krieg. Kritische Stimmen, wie die des Syrienexperten Günter Meyer und des ehemaligen britischen Botschafters Peter Ford, lassen Parallelen zum Irakkrieg 2003 erkennen…

Direktlink zu dieser Sendung:
Direktlink zu dieser Abspielposition:
Sendung auf eigener Internetseite einbinden
"Nichts aus dem Irakkrieg vor 15 Jahren gelernt?"
Alle 2 Sendungen vom "15.04.2018" einbinden

Nichts aus dem Irakkrieg vor 15 Jahren gelernt? 15.04.2018

Am 14. April vor genau 15 Jahren, erklärte das US-amerikanische Verteidigungsministerium den Irakkrieg – auch Zweiter Irakkrieg genannt – für beendet. Der Irakkrieg war eine völkerrechtswidrige Militärinvasion der USA, Großbritanniens und einer „Koalition der Willigen“, die am 20. März 2003 begann. Maßgebender Auslöser war ein Teströhrchen, das der ehemalige US-Außenminister Colin Powell, am 5. Februar 2003, dem UN-Sicherheitsrat vorzeigte. Dieses sollte als Beweis herhalten, dass Saddam Hussein im Besitz von Massenvernichtungswaffen sei, was sich im Nachhinein als Lüge herausstellte. In einem Fernsehinterview im September 2005 bedauerte Powell, dass er den UN-Sicherheitsrat mit Behauptungen von der Notwendigkeit des Irakkrieges zu überzeugen suchte, die sich im Nachhinein als falsch herausstellten. Es sei ein „Schandfleck“ in seiner Karriere, so Powell. Der Einmarsch in den Irak wird heutzutage in den USA oft als „Fehler“ bezeichnet. Am 28. März 2018 erschien ein Kommentar des irakischen Schriftstellers Sinan Antoon – „Wie Amerika mein Land zerstörte“. In diesem legte er dar, warum es nicht lediglich ein „Fehler“, sondern ein Verbrechen war. Der 1967 in Bagdad geborene Schriftsteller ist alles andere als ein Verteidiger des damaligen irakischen Staatspräsidenten Saddam Hussein. Als junger Student landete er im Gefängnis, weil er einen Scherz über das Staatsoberhaupt gemacht hatte. Ein paar Monate nach dem Golfkrieg 1991 verließ Antoon schließlich den Irak und ging an eine Hochschule in den USA, die seitdem zu seiner Wahlheimat wurden. Als man im Jahr 2002 die amerikanische Öffentlichkeit auf den Irakkrieg einstimmte, sprach er sich entschieden gegen die geplante Invasion aus. Die USA haben Diktatoren in der arabischen Welt mitsamt Saddam Hussein bisher immer unterstützt. Doch plötzlich stellte sich die Bush-Administration in ihren Parolen vor dem Irakkrieg so dar, als würde es ihr um Demokratie in der arabischen Welt gehen. Zudem wusste Antoon nach zwei vergangenen Kriegen – dem Iran-Irak-Krieg von 1980 bis 1988 und dem Ersten Irakkrieg von 1990 - 1991 – „dass die eigentlichen Kriegsziele immer durch ausgefeilte Lügen verschleiert werden“. Sinan Antoon war einer von etwa 500 Ausland-Irakern mit unterschiedlichen ethnischen sowie politischen Hintergründen, die eine Petition unterzeichneten: "Nein zum Krieg gegen den Irak. Nein zur Diktatur." Sie verurteilten zwar Saddams Herrschaft, waren aber gegen einen Krieg, der die gesamte Region in ein blutiges Chaos stürzen würde. Ihre Stimmen waren jedoch in den US-Mainstreammedien unerwünscht. Diese seien „stramm“ auf der Seite der Kriegsbefürworter gestanden. Nachdem der Irakkrieg beendet war, kehrte Sinan Antoon mehrere Male in den Irak zurück, zuerst unmittelbar nach Kriegsende, zuletzt im April 2017. U.a. wollte er in einem Dokumentarfilm die Iraker selbst für sich sprechen lassen. Antoon beschreibt die Folgen des Irakkriegs wie folgt: – „Die Beseitigung von Saddam war nur ein Nebeneffekt eines anderen Ziels: Der irakische Staat sollte zerstört und durch einen schlechtfunktionierenden Halbstaat ersetzt werden. – Die meisten Mitglieder des von den USA neu eingesetzten Regierungsrates waren Verbündete der USA in den vorangegangenen Jahrzehnten. Sie plünderten nun das Land und machten es zu einem der korruptesten der Welt. – Selbstmordattentate wurden zum Alltag. Die Invasion machte das Land zu einem Anziehungspunkt für Terroristen. – Der Irak taumelte später in einen aufgebauschten Bürgerkrieg, der Hunderttausende von Zivilisten das Leben kostete und weitere Hunderttausende vertrieb. – Fazit: Niemand weiß genau, wie viele Iraker an den Folgen der Invasion vor 15 Jahren gestorben sind. Einige seriöse Schätzungen gehen von mehr als einer Million Menschen aus. Versuchen Sie einmal, sich ein Bild von dieser Zahl zu machen! Der Einmarsch in den Irak wird in den Vereinigten Staaten oft als «Fehler» oder gar als «gravierender Fehler» bezeichnet. Er war ein Verbrechen. Diejenigen, die das Verbrechen verübten, sind weiter auf freiem Fuß.“ Soweit das Statement des irakischen Schriftstellers Sinan Antoon, das klarer nicht sein könnte. Dennoch könnte sich nun gerade in diesen Tagen, genau 15 Jahre danach, die Geschichte wiederholen. Nach der voreiligen Verurteilung Russlands im Fall des Giftanschlags in Großbritannien, und v.a. nach dem „mutmaßlichen Chemiewaffenangriff“ am 7. April in der syrischen Stadt Duma, stehen die Zeichen wiederum auf Krieg. Anstatt des Teströhrchens von 2003 muss nun eine höchst zweifelhafte und unbewiesene Behauptung – Assad hätte wiederum Chemiewaffen eingesetzt – herhalten. Der deutsche Syrienexperte Günter Meyer sprach von einem „absoluten Unsinn“. Es widerspreche jeglicher Logik, nachdem die Rebellen in Duma unmittelbar vor der Kapitulation standen, hier noch Chemiewaffen einzusetzen. Auch der ehemalige britische Botschafter in Syrien (2003 bis 2006), Peter Ford, äußerte gegenüber der BBC harsche Kritik an der Darstellung, Syriens Regierung hätte in Duma Giftgas eingesetzt. „Bitte schalten Sie doch Ihr Gehirn ein!“, erwiderte er dem BBC-Moderator und stellte folgende Fragen: Warum sollte Assad so etwas tun, wenn der Kampf um Duma quasi vorbei war? Und warum sollte er „genau diese eine Sache tun, die ihn garantiert den Sieg kosten würde?“ Müsste in Anbetracht dieser Tatsache, dass entgegen jeder gesunden Logik mit Krieg gedroht wird, nicht auch die Frage gestellt werden, ob bei Politikern und Medienleuten überhaupt noch ein eigenständiges „Gehirn“ vorhanden ist? Wie auch immer, aus dem Irakkrieg lernen will wohl offensichtlich niemand!

von dd.


Nichts aus dem Irakkrieg vor 15 Jahren gelernt?

Sendung und Zubehör in der gewünschten Qualität herunterladen:
Film-Datei (.mp4)
Bitte Downloadqualität auswählen





↑ Neuere anzeigen ↑
Medienkommentar
{{themeblock.title}}

↓ Ältere anzeigen ↓